WISSEN ROCKT: Municipal Trends Kickoff - Was unsere Gemeinden jetzt brauchen!

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Am 18.01.2024 haben wir zu unserem jährlichen Treffen, dem Municipal Trends Advisory Board, eingeladen. Im Mittelpunkt stehen Vernetzung, Austausch und natürlich der fachliche Input, den wir zur Gestaltung unseres Programms der „MUNICIPAL TRENDS“ Fachkonferenz für Kommunal- und Regionalentwicklung am 18.04.2024 verwenden.

Trendthema #1 NACHHALTIGKEIT

Bereits seit Anbeginn unserer Konferenzreihe vor vier Jahren kommt diesem Thema höchste Priorität zu. Die Aspekte, die dabei in den Vordergrund rücken, verändern sich aber über die Zeit. „Durch unser Tun und Handeln wollen wir unseren Nachkommen keine Bürden in ökonomischer und ökologischer Hinsicht hinterlassen“, sagt Manfred Korzil, Stadtplanungsdirektor Wiener Neustadt. Fahrradwege, Musikcampus, Kunstangebot und Bürger*innendialog sind wesentliche Eckpfeiler dafür. „Nachhaltigkeit bedeutet Familienfreundlichkeit!“ Waltraud Brandstetter, Bürgermeisterin Ortsgemeinde Nussdorf am Haunsberg, setzt daher auf Betreuung für Kinder bis 14 Jahre, damit die Eltern entlastet sind.

Viele jedoch haben mit Betriebsschließungen zu kämpfen, was die Attraktivität als Lebensraum gefährdet. „Als Gemeinde haben wir in ein neues Freizeitzentrum investiert, aber gleichzeitig brechen uns Banken und Gasthäuser weg“, berichtet Fritz Steindl, Bürgermeister Gemeinde Gschwandt in Oberösterreich. Kunst-, Kultur- und Freizeitangebote sind ein massiver Treiber für Attraktivität und damit Nachhaltigkeit.

Natürlich muss auch der Ausbau der erneuerbaren Energie weitergehen. Freistadt schätzt sich glücklich, innovative Unternehmen angesiedelt und zwei Hackschnitzel-Fernheizwerke ausgebaut zu haben, um so die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Trendthema #2 Mobilität

„Dass wir nun an die Koralmbahn angebunden sind, ist eine Riesenchance für uns“, sagt Regina Wiedl, Amtsleiterin Gemeinde Neuhaus in Kärnten. Die kleine Gemeinde an der slowenischen Grenze ist wie viele Kärntner Gemeinden derzeit von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geplagt. Multimodale Lösungen sind dabei die Strategie: Ein Radwege-Netz in Verbindung mit den Bushaltestellen, E-Bike-Ständer mit Lademöglichkeiten, und eine direkte Anbindung an den nächsten Bahnhof sind bereits realisiert und werden weiter ausgebaut. „Wir haben auch eine eigene E-Tankstelle, was für unsere Region nicht selbstverständlich ist.“ Fabio Halb, Bürgermeister Gemeinde Mühlgraben im Südburgenland, setzt darauf, die Attraktivität seiner Gemeinde stetig zu steigern.

Trendthema #3 Wirtschaftliche Herausforderungen und Chancen

Markus Brandstetter, 1. Vizebürgermeister Stadtgemeinde Amstetten, teilt einen sehr pragmatischen Ansatz in puncto Finanzierung: „Wir haben einen Teil unseres Budgets für kleine Verschönerungen reserviert, die die Grätzl-Bewohner sich wünschen. Voraussetzung ist allerdings konstruktive Zusammenarbeit.“ Während einige Gemeinden große Projekte realisieren können, sind andere in der Situation, nur die notwendigsten Sanierungen zu machen. Der Finanzausgleich NEU wendet zwar das Schlimmste ab, jedoch müssen Gemeinden mittelfristig mehr Umsätze machen. Umso wichtiger ist es hier, über Gemeindegrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Förderungen können dann besser lukriert werden, Synergien genützt und damit neue Chancen generiert werden.

Trendthema #4 Digitalisierung und Innovation

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und sonstige Innovationen drängen sich auf, um aus der Perspektive der Chancen und Risiken beleuchtet zu werden. “Wir betrachten die künstliche Intelligenz mit Distanz und Vorsicht”, sagt etwa Waltraud Brandstetter, die Cyber Security und die kriminellen Möglichkeiten als durchaus real ansieht. Gleichzeitig muss man aber auch den Chancen gegenüber offenbleiben, weiß Regina Wiedl, denn gerade bei geringem Budget ist die Digitalisierung eine wunderbare Möglichkeit, die Infrastruktur auch ohne viel Personalaufwand in Schuss zu halten. “Sensoren, die wir geschickt mit Wetterinformationen verbunden haben, helfen uns beispielsweise extrem in einer effizienten und effektiven Organisation des Winterdiensts.” Auch die Wasserressourcen können durch kluge Datenaufbereitung und Regenprognosemodelle gezielt gesteuert und gemanagt werden.

Aber auch andere Innovationen muss man weiterhin am Radar haben: Was tut sich in der Entwicklung smarter Infrastruktur? Welche Potenziale ergeben sich durch Geothermie? Was sagen Wissenschaft und Forschung zum Thema “Wasserressource”? Hierzu ist es wichtig, ständig im Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen zu sein, weiß unser Fachbeirat.

“Wenn mich auf der Straße die Leute ansprechen und sagen, es ist schön, in Freistadt zu leben, dann weiß ich, wir haben einen guten Job gemacht”, ist Christian Gratzl, Bürgermeister Stadtgemeinde Freistadt stolz auf bisher Erreichtes. Das reicht jedoch nicht aus – die Zukunft ist schon da – und so setzt er mit innovativen Unternehmen, die sich in Freistadt angesiedelt haben, stets neue Akzente. Wenngleich er auch einräumt, dass man nicht mehr um jeden Preis einfach nur wachsen kann. Die Innovation und die Infrastrukturentwicklung müssen sinnvoll Schritt halten können!

Trendthema #5 Bürger*innenkommunikation

Mit allen Bürger*innen in Dialog zu bleiben, ist für große wie kleine Gemeinden eine große Herausforderung. Gemeinde-Apps können grundsätzlich alle Smart-Phone-User erreichen, jedoch darf dies nicht das einzige Mittel der Wahl sein. Übers Telefon für alle erreichbar sein, lange und flexible Öffnungszeiten des Gemeindeamts, Digitalisierung (einmal mehr!) der Amtswege und aktuelle, relevante Information über Social Media, Website und Newsletter sind hierzu unterschiedliche Strategien.

Gerade bei herausfordernden Projekten reicht das aber nicht. “Wir beziehen unsere Bürger*innen aktiv in die Neugestaltung unserer Stadtentwicklungsgebiete ein, machen Gesprächsrunden direkt an der Baustelle, hören uns deren Ideen und Anforderungen an, binden sie aktiv in die Entscheidungen mit ein, sodass die Akzeptanz von Anfang an höher ist.” Christian Gratzl ergänzt: “Es ist aber auch wichtig, dass wir unbequeme Wahrheiten klar und deutlich an unsere Bürger*innen kommunizieren und auch hier den Dialog suchen.”

Trendthema #6 Zusammenhalt in der Gemeinde und soziale Nachhaltigkeit

Wie wichtig ein vitales Vereinsleben ist, spiegelt die aktuell angespannte finanzielle Situation dramatisch wider. Ohne ein engmaschiges Netz aus Helferinnen und Helfern, die aktiv Gutes tun wollen und die Lebensqualität in der Gemeinde positiv beeinflussen möchten, würde vieles nicht mehr funktionieren. Regina Wiedl erzählt beispielsweise, dass ein Wasserrohrbruch in der Gemeinde dank der vielen freiwillig helfenden Hände in Rekordzeit repariert werden konnte – und das, obwohl der Einsatz exakt am 24.12. um 18 Uhr begonnen hat.

Zu Solidarität kann man niemanden verpflichten, es bedarf der ständigen Unterstützung und Wertschätzung, der Förderung und der Kommunikation der großartigen Leistungen.

Vereine spielen eine zentrale Rolle für den Zusammenhalt in der Gemeinde – egal ob im Katastrophenschutz, im Notfall, für mehr Mobilität der einfach für das soziale Zusammenleben und den Kampf gegen Einsamkeit.

Die Gemeinde muss dazu auch einiges bieten - Räume und Zonen für Freizeitaktivitäten - von der überdachten Sitzgruppe im Park bis zum Freizeitzentrum, Kunstangebot, Abwechslung, Feste, ... sind hier nur einige wenige Punkte zu nennen. Selbstverständlich gehören Kinderbetreuung, Familienfreundlichkeit, aber auch das Ermöglichen eines betreuten und begleiteten Älterwerdens zu den wichtigsten Aufgaben.

Trendthema #7 Resilienz und Leistungsfähigkeit der Verwaltung

“Die Herausforderungen und die Themen, die hier genannt wurden, sind allesamt brandaktuell. Als Bürgermeister*in musst du heute über alles Bescheid wissen, immer erreichbar sein, Leute untereinander vernetzen und auf alles eine Antwort wissen. Und das, ohne auszubrennen”, beschreibt Alexander Tipotsch, Bürgermeister Gemeinde Hippach die Situation.

Anerkennenden Respekt ernten gerade die Jungen von den Erfahreneren, dass ihr Idealismus trotz großer Herausforderungen Triebfeder für Motivation und Aktion ist. Dass es nach wie vor möglich ist, auch junge Menschen für die lokale Politik und Verwaltung zu begeistern, macht Mut. Um es mit Manfred Korzils Worten auszudrücken: “Wir wollen durch unser Tun unseren Nachkommen keinerlei Bürden in ökologischer und ökonomischer Sicht hinterlassen”.

Fazit

Die Herausforderungen für die Gemeinden bleiben hoch. Das Thema Nachhaltigkeit nimmt zusehends den sozialen Aspekt aktiv mit dazu, es scheint, als sind die Gemeinden mehr und mehr auch für die Unterhaltung und das Wohlbefinden der Bürger*innen verantwortlich. Mit den aktuellen brennenden Herausforderungen im Blick gar kein leichter Job mehr.

Mut machen wollen wir auch auf unserer Fachkonferenz “MUNICIPAL TRENDS” am 18.04.2024 in Amstetten – hier werden wir Gedanken, Inspirationen und Lösungen zu den angesprochenen Trendthemen auf unsere Bühne holen, aus der Perspektive der Chancen und Risiken, der Wissenschaft und Anwendung, der Politik und der Wirtschaft betrachten.

 

Seien auch Sie mit dabei und melden sich gleich hier an – die Teilnahme an unserer Konferenz ist kostenlos für Bürgermeister*innen, Amtsleiter*innen, Gemeinderäte und alle, die Verantwortung für die Entwicklung der regionalen Infrastruktur tragen!
Unser Fachbeirat Municipal Trends 2024 fand mit folgenden Teilnehmer*innen statt:

 

Markus Brandstetter, 1. Vizebürgermeister Stadtgemeinde Amstetten

Waltraud Brandstetter, Bürgermeisterin Ortsgemeinde Nußdorf am Haunsberg

Christian Gratzl, Bürgermeister Stadtgemeinde Freistadt

Fabio Halb, Bürgermeister Gemeinde Mühlgraben

Manfred Korzil, Stadtbaudirektor Statutarstadt Wiener Neustadt

Fritz Steindl, Bürgermeister Gemeinde Gschwandt

Regina Wiedl, Amtsleiterin Gemeinde Neuhaus

Alexander Tipotsch, Bürgermeister Gemeinde Hippach  

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