Worauf wir stolz sein werden – Herausforderungen und Chancen der Bau- und Immobranche 2022

by Alexander Ghezzo

Traditionell setzen wir uns im Frühjahr mit führenden Köpfen der Immobilienbranche zusammen und sprechen über die aktuellen Herausforderungen, Chancen und Ideen für die Zukunft. Daraus gestalten wir die Beiträge auf unseren Konferenzen, um unsere Veranstaltungen richtig nützlich für die gesamte Branche zu machen. In diesem Blog haben wir diese Themen zusammengefasst.

Teilgenommen haben:

  • Sandra Bauernfeind, Heimat Österreich
  • Gerda Embacher, Neue Heimat Tirol
  • Gudrun und Alexander Ghezzo
  • Benjamin Heinrich, ‎planquadr.at
  • Alexander Kopecek, Wien 3420 Aspern Development AG
  • Caroline Mocker, VIG Asset Management a.s.
  • Roland Pichler, DWK Die Wohnkompanie GmbH
  • Andreas Ridder, CBRE
  • Peter Ulm, allora immobilien gmbh
  • Wolfgang Scheibenpflug, Flughafen Wien AG
  • Steven Bill Scheffler – OTTO Immobilien
  • Jasmin Soravia, Kollitsch & Soravia Immobilien GmbH
  • Silvia Wustinger-Renezeder,  CITA Immobilien Projektentwicklungsgesellschaft mbH
  • Maxim Zhiganov, WK-Development GmbH

 Die Post-Corona-Realität

Die Pandemie hat viele Veränderungen angestoßen oder zumindest beschleunigt. Und die ins Rollen gekommenen Steine sind noch nicht zur Ruhe gelangt.

So ist auch der Büromarkt im Umbruch. Steven Bill Scheffler von OTTO Immobilien sieht das Thema „Bewegung“ als das Leitmotiv des Büromarktes und des Büros selbst. Büros werden zu Begegnungsflächen, müssen attraktiv sein, um die Mitarbeiter*innen wieder aus dem Homeoffice zu bringen. Großzügige Begegnungsräume müssen sich Arbeitgeber erst einmal leisten wollen/können. Dies und ein geringes Angebot kühlen den Büromarkt ab.

Natürlich verändern sich auch die Anforderungen ans Wohnen. Wohnungen werden kleiner; Einpersonenhaushalte nehmen zu; Leistbarkeit ist eine riesige Herausforderung bei explodierenden Kosten. Gleichzeitig sollten Wohnungen Platz für das mobile Arbeiten bieten und Wohngebäude brauchen attraktive Außen- und Gemeinschaftsflächen. Große Unterschiede bei der Nachfrage gibt es bei den Standorten. Aus Tirol berichtet Gerda Embacher, dass Wohnungen unter 45 m² kaum vermietbar sind. In Wien sieht das anders aus.

Retail hat unter Corona stark gelitten, Logistik hat extrem gewonnen. „Wird sich dieser Trend vielleicht wieder umkehren?“ fragt sich Andreas Ridder und hofft auf eine vernünftige Konsolidierung.

Und dann haben wir natürlich auch die Hotelimmobilien. Wie geht es mit Städtereisen weiter? Viel deutet auf eine baldige Erholung hin, aber auch hier verändert sich der Bedarf. Individualisierung ist der große Trend, Sonderwünsche fordern die Kreativität der Entwickler, so Benjamin Heinrich (planquadrat). Ein kreativer Ansatz könnte sein, Büro und Hotelimmobilie zu verbinden, um einen Platz zu schaffen, wo Mitarbeiter*innen gerne hingehen und Flächen sehr flexibel genutzt werden können.

 

Auf die Frage, welche Assetklassen 2022 besonders vielversprechen sind: spannend, dass Hotel vor Office und Retail genannt wurde

Für die Post-Corona-Zeit erhofft sich Peter Ulm eine Rückkehr zur Rationalität. „Wenn es auch keine richtige Blase ist, so ist der Markt doch überhitzt.“. Nun könne man vielleicht wieder etwas auf den Boden kommen, meint der Projektentwickler.

Die nächste Challenge ist das Thema mit den Zinsen. Die EZB will die Kreditvergabe drosseln, um Inflation und Immobilienpreise in Schach zu halten. Wie wird sich das auf Grundstückspreise auswirken? Wie reagieren die Investoren? Was bedeutet das für die Finanzierung?

Umweltschutz und CO2 Reduktion – teuer, aber ein Muss

Dass nachhaltiges Bauen teurer ist, steht außer Frage. Daran können auch die Fördertöpfe der öffentlichen Hand nichts ändern. Es ist aber auch alternativenlos mein Sylvia Wustinger-Renezeder von CITA-Immobilien. ESG, Taxonomie, Gebäudeeffizienzrichtlinie – dies sind rechtliche Vorgaben in Richtung Nachhaltigkeit. Es kommen natürliche Impulse aus dem Markt. Investoren verlangen es; die Nutzer wollen es; bei steigenden Energiepreisen wird es auch in Sachen Betriebskosten relevant.

Die Umsetzung der Mission beginnt im eigenen Unternehmen – Unternehmer*innen und Mitarbeiter*innen identifizieren sich selbst sehr stark mit dem Thema. Dem GOVERNANCE Aspekt aus ESG kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu.

Die Mission ist also nun das, was Roland Pichler von der Wohnkompanie „Grüne Leistbarkeit“ nennt. Alexander Kopecek fasst es so zusammen: „Immobilie und Umweltschutz dürfen kein Widerspruch sein. Dazu braucht es wissenschaftliche Grundlagen – z.B., wenn es um Baustoffe und deren Nachhaltigkeit geht, Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft… und letztlich braucht es die Bereitschaft der Bau- und Immobilienwirtschaft und der Investoren.“

Innovative Lösungen dafür gibt es genug; Maxim Zhiganov von WK Development hat gerade frische Eindrücke von der EXPO aus Dubai mitgebracht. Kühlung ohne Klimaanlage selbst in der Wüste, Energieautarkie, die Immobilie als Energielieferant – alles ist bereits möglich.

Eine besondere Herausforderung ist der Immobilienbestand. Caroline Mocker von der VIG Asset Management a.s. geht davon aus, dass es hier deutlich mehr Beratungsbedarf gibt: „Mit den 90-95% Bestand müssen wir nachhaltig umgehen!“ meint sie. So geht auch Sylvia Wustinger-Renezeder davon aus, dass Bestandssanierung und Verdichtung uns in den nächsten Jahren deutlich mehr beschäftigen werden als der Neubau,

Weitere Visionen, Chancen und Herausforderungen

Mixed-Used Konzepte und Quartiersentwicklungen sind dazu geeignet, die Anforderungen der modernen Städte und Standorte zu erfüllen. Das Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Bewegung im Grünen, kurze Wegen usw. erfüllt die Kriterien der sozialen Nachhaltigkeit.

Gleichzeitig können Energieverbrauch und Klimaschädlichkeit vermieden werden und mit PV und anderen alternativen Energiequellen sogar eine positive Energiebilanz erbracht werden.

Chancen in ganz Österreich gibt es durch niedrigere Grundstückspreise in nicht minder attraktiven Lebensräumen: in Salzburg widmet man sich ganz der Umsetzung neuer Arbeitswelten. Internationale Investoren werden durch die vernünftigeren Preise angelockt. Die Neue Heimat Tirol hat die größte Passivhaussiedlung der Welt errichtet – um nur ein paar zu nennen.

Themen für unseren Ghezzo Immobilientag: Starke Regionen

Community Building ist ein Thema, das uns auch begleiten wird und zu einem Mehrwert von Immobilien aller Arten wird.

Viel Potential steckt in den Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche selbst. Auch hier müssen neue Arbeitswelten umgesetzt werden. Auch hier müssen Prozesse optimiert werden. Digitalisierung, Homeoffice usw. sind Trumpfkarten im War-for-Talents.

Worauf wir stolz sein werden

Am Ende unseres Expertentreffs haben wir die Frage gestellt: Worauf wollen wir 2030 stolz zurückblicken? Was wollen wir erreicht haben?

„Wien wird 2030 einen CO2-neutralen Flughafen haben“, ist Wolfgang Scheibenpflugs klar abgestecktes Ziel. Alexander Kopecek sieht sein Ziel im Beitrag zur Balance: Leben – Arbeiten, Gesellschaft, Verteilung, Gerechtigkeit.

„Als Gesellschaft sollten wir wieder näher zusammenrücken und diesem Ziel sollte sich auch die Immobilienbranche widmen!“ meinen Steven Bill Scheffler und Jasmin Soravia.

Unsere Konferenzen 2022 werden sich diesen Themen widmen: Gemeinsam mit der Branche geben wir den Raum, wo sich Inspiration, Innovation und ein starkes Netzwerk treffen.

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