Wohnen und Arbeiten verwirklicht in einer Immobilie – Urbaner Trend verstärkt durch die Pandemie

by Alexander Ghezzo

Mixed Use Konzepte sind für Projektentwickler immer eine Herausforderung. Investoren scheuen sich oft vor der Komplexität. Trotzdem braucht es genau solche gemischt genutzten Immobilien, um Städte effizient und lebenswert zu halten, kurze Wege zu ermöglichen und die Anforderungen für die Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft zu erfüllen. Silvia Wustinger-Renezeder – Geschäftsführende Gesellschafterin der CITA Immobilien Projektentwicklungsgesellschaft mbH – ist überzeugt, dass die Pandemie diesen Bedarf noch verstärkt hat und beschäftigt sich intensiv mit den aktuellen gesellschaftlichen Trends.

Ghezzo: Es gibt verschiedene Modelle, Wohnen und Arbeiten näher zusammenzurücken. Home Office, Coworking, Shared Offices und Shared Spaces, Mixed Use Konzepte – Auf welche Konzepte setzen Sie besonders und welche Innovationen sind möglich?

Wustinger-Renezeder: Ich habe mich die letzten 5 Jahre sehr intensiv mit dem Konzept der Produktiven Stadt in Wien auseinandergesetzt und sehe dies als eine Erweiterung des Mixed Use Konzeptes von Gebäuden.

Wohnort und Arbeitsplatz einander näher zu bringen bedingt auch, dass die Mitarbeiter sich die Wohnungen beim Arbeitsplatz leisten können und umgekehrt – dass die Gewerbeflächen in den Mietansätzen für die Unternehmer vertretbar sind.

Das Konzept der produktiven Stadt ist auf diesen wirtschaftlichen Parametern aufgebaut und bietet damit den Arbeitnehmer / Unternehmern die  Chance die Stadt der kurzen Wege in einem Quartier zu realisieren.

Dies wird mittelfristig zu einer neuen Variante der Mixed Use Gebäude werden.

Ghezzo:  Wird es eine neue Assetklasse geben, und was bedeutet das für Projektentwickler? Wie schaut es dann mit dem rechtlichen Rahmen aus?

Wustinger-Renezeder: Es wird definitiv eine neue Asset Klasse der gemischt genutzten Gebäude geben – aus vielen verschiedenen Gründen, von der Einsparung der Ressource Boden bis zu den optimierten kurzen Wegen.

Für die Projektentwickler und deren Investoren ist dies eine neue Herausforderung in der Planung und insbesondere in der Verwertung.

Die Herausforderung wird es sein, die Investoren von der neuen Assetklasse zu überzeugen bzw. das Investoreninteresse genau an dieser Assetklasse zu wecken.

Von den rechtlichen Rahmenbedingungen wird es wichtig sein die Produkte als flexible Mietprojekte zu entwickeln, damit die Gewerbe und Wohnflächen je nach der Nachfrage erweitert werden können.

Die Verträge sollen den Mietern die Flexibilität geben, sich bei geänderten Unternehmensbedingungen auch verändern zu können, ohne den Standort wechseln zu müssen.

Ghezzo: Welche Veränderungen der Arbeitswelt werden auch nach der Pandemie bleiben? Wie gehen Sie in Ihren Unternehmen damit um?

Wustinger-Renezeder: Home Office wird auch nach der Pandemie in einem gewissen Umfang bleiben. Wir werden uns bei der Entwicklung der neuen Projekte darauf einstellen müssen, dass ein Bedarf für den Arbeitsplatz in den eigenen 4 Wänden gegeben ist – der immer fix mitgeplant werden muss.

Die Videokonferenzen werden weiterhin einen wesentlichen Stellenwert im Arbeitsalltag einnehmen und viele Tagesreisen ablösen. Dies war für mich eine der besten Errungenschaften der Pandemie – wir lernten, dass nicht jeder“ Tagesflug für eine Besprechung“ notwendig ist um sich mit den Geschäftspartnern auszutauschen.

Ghezzo Werden die Wohnungen nun arbeitstauglicher und die Büros mehr zu privaten bzw. Kommunikationsbereichen (New world of work)?

Wustinger-Renezeder: Ja die Wohnungen werden arbeitstauglicher werden müssen – damit die Aufgaben im Home Office konzentriert gelöst werden können.

Auf der anderen Seite werden die Büros viel mehr zu Begegnungsräumen werden, Kommunikation und Miteinander austauschen soll optimal ermöglicht werden – damit werden einige Orte in den Büros einen Wohnzimmercharakter bekommen……….

Ghezzo: Was bedeutet das für den Wohnungsgrundriss?

Wustinger-Renezeder: Der Wohnungsgrundriss wird wieder etwas größer werden und einen Raum oder eine Nische für einen Arbeitsplatz mit allen notwendigen Anschlüssen beinhalten. Alternativ können in den Wohnhausanlagen ergänzende Räume für Home Work zur Verfügung gestellt werden.

Wie schaut es mit der Anforderung an die technische Infrastruktur aus? Selbst in Neubauten kann man ja manchmal das mobile Datennetz quasi ab Wohnungseigang nicht mehr nutzen. Geht das heutzutage noch durch? Was schnelles Internet betrifft, sind Wohnungsnutzer auch oft limitiert?

Ein optimaler schneller Internetanschluss in allen Wohn- und Arbeitsräumen des Hauses wird sicher von den Kunden verlangt werden – bzw wird als Nachrüstung notwendig sein.

Ghezzo: Wie schaut es mit den Kosten und der Leistbarkeit aus? Wieviel wollen und können Menschen und Unternehmen für Arbeitsraum im Wohnungsumfeld ausgeben?

Wustinger-Renezeder: Gegenfrage – wie viel ist dem Unternehmen der motivierte Mitarbeiter wert, der sich sowohl im Büro als auch im Home Office wertgeschätzt fühlt – durch die Arbeitsbedingungen die ihm von seinem Arbeitgeber geboten werden.

 

Diese und weitere Themen werden auch bei unserer nächsten Immobilienkonferenz behandelt:

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