Urbanisierung, Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft

by Alexander Ghezzo

Zum Nachhören:

Urbanisierung neu gedacht

Die Pandemie hat die Welt kleiner gemacht: Mit diesem Statement von Anna-Vera Deinhammer (Projektkoordinatorin für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, Programmleiterin DoTank Circular City 2020-2030, Stadt Wien Magistratsdirektion Bauten und Technik) begann unsere GBB Online Feature #2. Eine resiliente Stadt braucht es jetzt, die vielen Herausforderungen gewachsen sein muss. So gelte es Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Ressourcenschonung, Demographischen Wandel und Gesundheit unter einen Hut zu bringen. Und das ist nur eine  beispielhafte Aufzählung.

Die Bedeutung von ausreichend Platzangebot in und außerhalb der Wohnung mit öffentlichen Begegnungsräumen und Bewegungsfreiheit ist enorm gestiegen. Hier hat – dessen ist sich Alexander Kopecek (Vorstand der Seestadt Aspern) bewusst – einen Startvorteil. „Wir müssen uns darum kümmern, dass Gemeinschaft stattfinden kann“, so sieht er eine wichtige Aufgabe der Stadtplanung der Zukunft. Und als weiteres Arbeitsfeld sieht er das Arbeiten der Zukunft, das viel stärker auch zu Hause Raum greift.

Marc Guido Höhne von Dress & Sommer ergänzt eine weitere wesentliche Komponente: das Thema Leistbarkeit. Wir lernen aus der Pandemie: Wohnen muss Flexibilität bieten – entweder durch großzügige Flächen in leistbaren Wohnungen oder durch Raumangebote in Anlagen mit Internet-infrastruktur und ähnlichem. Genauso braucht es Arbeitsbereiche in den Peripherien, damit die Menschen nicht täglich pendeln müssen. Ein Beispiel nennt Marc: springparkvalley.com in Frankfurt. Grundsätzlich ist die Stadt Wien in Sachen Durchmischung in Quartieren und Grätzeln auf dem richtigen Weg und doch ortet der Experte Monokulturen am Stadtrand.

Das ist nicht der einzige Kritikpunkt an der Stadt Wien, der in unserer GBB Online Session fällt. Ein weiterer ist, dass immer noch Vollwärmeschutz von der Stadt gefördert wird. Das ist auch Anna Vera Deinhammer aus Ressourcenschonungssicht ein Dorn im Auge, vor allem wenn man davon ausgeht, dass im Jahr 2050 80% aller Materialien und Bauelemente von Um- und Rückbauten wiederverwendbar sein sollten. Hier soll es Veränderungen im Ausschreibungswesen geben, die den Hochbau und die Sanierung nachhaltiger machen.

Bleibt die Frage: Wenn in Zukunft Materialien aus dem Bestand wiederverwendet werden sollen, wo finden Lagerung und Logistik statt? Und dazu wird es eher punktuelle temporäre Lösungen auf Erschließungsflächen geben.

Nachnutzung und Sanierung statt Neubau und Flächenversiegelung, Plusenergie und smarte Konzepte der Kühlung und Digitalisierung – das sind die wichtigen Aufgaben und visionäre in die urbane Zukunft zu schreiten. Alexander Kopecek skizziert diese Zukunft: Durchmischung und Möglichkeitsräume schaffen.

Immobilien und Energie: Konzepte für Win-Win

Neuen Wind in die Immobilienwirtschaft soll das Erneuerbaren Ausbau Gesetz bringen. Es geht um die Neugestaltung von Förderungen, Energiegemeinschaften und Netzentlastungen durch dezentrale Energieerzeugung und-Speicherung. Es soll leichter, transparenter und lohnender werden, selbst Strom zu erzeugen und sich zu virtuellen Kraftwerksverbünden zusammenzuschließen, berichtet Christian Pillwein von Beckhoff. Oberstes Ziel ist es, sauberen Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Für den Immobiliensektor interessant sind die Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften. Diese machen es Unternehmen leichter, erzeugte Energie im direkten Umfeld zu teilen.

Um hier aber das volle Potentiale einer Immobilie auszuschöpfen, muss die Funktionalität eines Gebäudes frühzeitig in den Planungsprozess integriert werden. Data-Driven-Planning-Konzepte bieten eine entsprechende Lösung, so meint Christian. Technik darf nicht Planungsfehler bereinigen, sondern soll Mehrwert schaffen. Dazu gibt es interessante Referenzen in den Unterlagen.

Klemens Marx vom AIT beginnt seine Ausführungen mit einem Faktencheck, bei dem er feststellt: Bestand ist ineffizient und es wird zu wenig saniert. Vor dem Hintergrund des Green Deals, bei dem die EU bis 2050 keine Netto-Treibhausemissionen mehr freisetzen will, bräuchte es wohl etwas mehr Einsatz. Gebäude müssen zum aktiven Part der Energiewende werden. Herausforderung dabei: die Wirtschaftlichkeit. Hier hat AIT ein interessantes Projekt mit der FMA und der FFG durchgeführt. Mit der PowerPack Immobilie soll Energiesparen, Energie erzeugen und Netz stabilisieren – also ein Mehrwert für alle Beteiligten realisiert werden. Die Immobile wird zum „Prosumer“, die Solaranlage, Energiespeicher, Gebäudehülle und E-Mobilität verbindet. Richtig Effizienz wird das Konzept, wenn so geplante Immobilien dann in ein Quartier zusammengefasst sind.

Dabei braucht es neue Planungsansätze um Qualitätssicherung, Baukosten und komplexe Technik im Griff zu behalten. Dazu arbeitet Klemens mit Partnern aus IT und Immobilienwirtschaft, um eine gemeinsame Plattform zu schaffen. BIM Saves Energy und bim4eco sind Initiativen, die aus diesen Initiativen erwachsen.

Kreislaufwirtschaft für nachhaltige Städte

Claudia Schrenk – Programmmanagerin des DoTank Circular City Wien 2020-2030 (DTCC30), Stadt Wien – betont wie wichtig Pilotprojekte sind, welche Bedeutung der Kooperation und Zusammenarbeit zukommen, damit das Ziel erreicht werden kann: Kreislaufwirtschaft in der Immobilienwirtschaft und in der Stadt zu etablieren.

Genau dies wünscht sich zum Abschluss Marc Guido Höhne von Drees & Sommer für die Einreichungen des GBB Awards 2021. Hier finden Sie die Gewinner 2020!

Download der Präsentationen:

Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) und Anforderungen an die Immobilienbranche – Dipl-Ing. (FH) Christian Pillwein, MSc, Leiter der Gebäudeautomation, Beckhoff Automation GmbH
Gebäude und ihre Rolle in der modernen Stadt – DI Dr. Klemens Marx, MBA, Business Manager Digital Building Technologies Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Über Ressourcenschonung und Wiederverwertung in der Stadt – Claudia Schrenk, Programmmanagerin des DoTank Circular City Wien 2020-2030 (DTCC30), Stadt Wien

Bei unseren Online-Features geht es am 8. Februar weiter mit dem Thema „Human Factor – Frauen in der Immobilienwirtschaft, Leadership und Change“.

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