Online-Live-Seminare und Meetings gestalten – 5 einfache und wirkungsvolle Tipps für ModeratorInnen von Meetings und Kurz-Seminaren

by Alexander Ghezzo

Online-Meetings und Seminare haben nun Hochkonjunktur. Und das von einem Tag auf den anderen, und wir haben uns mittlerweile so einigermaßen daran gewöhnt. Doch bevor die Phase anfängt, wo sich jeder wieder nach den klassischen Meetingräumen und den persönlichen Zusammentreffen sehnt, gönnen wir uns einen Blick auf die Chancen, die hinter den Online-Seminaren und Meetings stecken. Denn die Vorteile nehmen wir doch gerne mit – auch in eine Zeit, wenn sich die so genannte „neue Normalität“ eingestellt hat.

Autorin: Gudrun Ghezzo

Tipp # 1: Das Gruppengefüge herstellen

Erst durch die Online-Meetings merkt man, wie viel Beziehungspflege eigentlich in klassischen Meetings drinsteckt. Sich zu begrüßen und Augenkontakt zu erfahren fällt weg, wenn man es nicht explizit einführt. Unser Unterbewusstsein braucht die nonverbale Sprache aber dringend, um das Gefühl der Zusammengehörigkeit und des Zusammenarbeitens bestärken zu können! Daher: Online bitte immer mit Kamera arbeiten. Durch Zuwinken, bewussten (Kamera-)Augenkontakt begrüßen alle einander. Am besten, man geht dabei reihum und lädt alle Personen nacheinander dazu ein. Wenn alle in der Gruppe mental angekommen sind, kann die produktive Zusammenarbeit starten!

Tipp # 2: Weg vom Stern, hin zum Kreis

Als Moderator*in des Meetings oder des Seminars bleibt es wichtig, die ganze Gruppe im Blick zu behalten – wie auch in Offline-Meetings. Der dramatische Unterschied besteht jedoch darin, dass die Teammitglieder einander auch nicht sehen, und damit auch von sich aus „sternförmig“ kommunizieren. Die Zusammenarbeit gelingt aber deutlich besser, wenn auch alle untereinander Fragen und Antworten beitragen können – eine Dynamik, die sich Online nicht automatisch einstellt, das muss ganz bewusst angestoßen werden. Laden Sie auch zum Chatten ein!

Gruppen- und Teamdynamik kann sich entwickeln – ein entscheidender Vorteil!

Tipp # 3: Moderation und Didaktik anpassen

Mal abgesehen von den bereits erwähnten Aspekten möchte ich gern folgende Erfahrungen teilen. Auch bei theoretischen Inputs / Informationsweitergabe sollte eine Person (auch nicht Trainer*in / Moderator*in) länger als 5 Minuten am Stück sprechen. Wir erkennen deutlich schwerer, ob wir noch gehört und genau verstanden werden. Rückfragen „Habt Ihr das verstanden?“ sind meines Erachtens unpassend. Stattdessen lieber: „Hans, was sagt Dir das genau? Sabine, kannst Du Deine Gedanken dazu mit uns kurz teilen?“ Oder „Gebt mir bitte ein kurzes Handzeichen, wie das bei Euch nun ankommt“ klappt an dieser Stelle deutlich besser. Auch um Tipp #2 zu verstärken – ruhig mal 2-3 Leute gleichzeitig einladen, sich untereinander auszutauschen, gezielte Standpunkte einzubringen oder sogar kontrovers zu diskutieren. Danach können Sie andere Teilnehmer*innen gezielt um deren Meinung / Feedback ansprechen.

Interaktion stellt sich nicht von alleine ein, weil die Körpersprache fehlt – hier bitte gezielt nachhelfen

Tipp # 4: Gemeinsam visualisieren

Ganz konkret – meine zwei LieblingsApps, mit denen Visualisierung äußerst einfach gelingt: Microsoft Whiteboard und OneNote. Das sind zwei sehr unkomplizierte Apps, die in der Microsoft-Office-Welt verfügbar und in den meisten Office Lizenzen ohnehin bereits enthalten sind: Hier kann eine Collage aus Texten, Bildern, Zeichnungen, Grafikelementen, … entstehen und alle können die Visualisierung sehen! Entweder dadurch, dass der / die Moderator*in den Bildschirm teilt oder sogar dadurch, dass das Dokument selbst an einem für alle zugänglichen Ort liegt. Gemeinsam sehen und hören ist von Vorteil – Willkommen Flipchart-Online!

Tipp # 5: Die Technik im Griff

Kamera ein – und das Gesicht im guten Licht: Die Kamera soll keinesfalls starkes Gegenlicht haben, sodass wir unser Gegenüber klar und deutlich mit allen Gesichtszügen sehen können.

Headset: Nicht alle Geräte sind mit Top-Sound-Equipment ausgestattet, und so kann es vorkommen, dass der Lautsprecher des Computers gleich wieder das Mikrofon füttert.

Die Meeting-App kennen: Teilnehmerliste sehen, Ansichten strukturieren – auf einem oder zwei Bildschirmen, den Chat aktivieren und nützen, Bilder anpinnen, etc.

Die Technik vorbereitet zu haben, ist Pflicht. Die Funktionen selbst können Sie zu Beginn des Meetings noch mal kurz klären.

Mein Fazit:

Noch vor zwei Monaten hätte ich geschworen, dass Online-Live-Meetings und Seminare, die die Gruppendynamik und das Miteinander brauchen, unmöglich sind. Dank der Herausforderungen der letzten Wochen habe ich mich viel damit auseinander gesetzt, meinen alten Glaubenssatz begraben und phänomenale neue Möglichkeiten entdeckt. Neben der Erfahrung, dass die vermeintlichen Nachteile alle super gut lösbar sind, sehe ich folgende Chancen:

  • Die Eigenverantwortung steigt, aus dem Seminar / Meeting echt was mitzunehmen.
  • Asynchrones Lernen und Erfahren ist leichter möglich
  • Virtuelle Teamarbeit wird gestärkt
  • Reiseaufwand wird vermieden

In diesem Sinne – PHYSICAL Distancing ist KEIN SOCIAL Distancing – bleiben wir gesund, bleiben wir verbunden. #wirsindzusammenhalt

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