Municipal Trends Rückblick #3: Regionale und kommunale Mobilität

by Stefan Wolf-Scholz

Austausch und Netzwerk: Das ist in den letzten Monaten einfach viel zu kurz gekommen. Um so spannender und angenehmer war es für die Teilnehmer*innen unserer Konferenz „Municipal Trends“, wo sich Bürgermeister*innen und Manager*Innen aus der kommunalen Wirtschaft trafen. Zu besprechen gab es viel, denn Gemeinden haben in der Zeit der Pandemie viel von der Last geschultert, die sich aus Corona ergeben haben und stehen vor großen Herausforderungen.

Regionale und kommunale Mobilität

Das multimodale Dilemma, damit startete Gudrun Kartnig in den dritten Themenblock der Konferenz. Für multimodalen Verkehr braucht es die richtigen Rahmenbedingen und Infrastruktur. Gerade beim Personenverkehr sind die rechtlichen Rahmenbedingungen bei weitem nicht mehr adäquat. Viele Lösungen können gar nicht entsprechend umgesetzt werden. Innovative Mobilitätslösungen (Apps usw.) sind rechtlich gar nicht vorgesehen. Mikroverkehrslösungen stoßen auch oft auf Hindernisse in Bezug auf die Gewerbsmäßigkeit. Im aktuellen Regierungsprogramm bekommt der Nahverkehr mehr Aufmerksamkeit. Die Länder haben sich dem Thema schon länger gewidmet. Eine Experimentierklausel soll das Erproben neuer Lösungen für die erste und die letzte Meile erleichtern.

Peter Plaimer, vom KEM & Mobilitätsbüro Unterkärnten, berichtet von einem Erdbeben in Sachen Verkehr in der Region Völkermarkt. Eine Schnellbahn wird die Verbindungen zu regionalen Zentren deutlich erleichtern. Mit diesen Änderungen will man den individuellen Verkehr zeitgemäß miteinbinden. Radfahrer und Fußgänger sollen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Gestaltung von Radständern, Ladestationen, Sonnenschutz, Radwegen; all das soll sanfte Mobilität fördern und ermöglichen.

Denn der motorisierte Individualverkehr ist eine der größten Herausforderungen für die Gemeinden, berichtet auch Herbert Janschka, Bürgermeister von Wiener Neudorf. Wiener Neudorf ist ständig einer enormen Lärm- und Schadstoffbelastung ausgesetzt. Ein General-Verkehrsplan soll Erleichterungen schaffen. Dafür wurden die Radwege ausgebaut, eine Lärmschutzwand ist im Entstehen und man arbeitet mit regionalen und überregionalen Verkehrsanbietern zusammen. Auch Wohnbauträger werden mit einbezogen. Statt in Tiefgaragen sollen diese z.B. in Jahreskarten für den öffentlichen Verkehr investieren und zur Verfügung stellen. Das Autofahren soll verunmöglicht werden, z.B. bei der letzten Meile. Dies mag unpopulär sein und ist doch unerlässlich.

Ein weiters spannendes Praxisbeispiel brachten Wolfgang Malik, Vorstandsvorsitzender und Gernot Kurrent, Leitung Konzernsteuerung & Kommunikation der Holding Graz mit der neuen Metro. Ein fahrerloses Metronetz soll den Mobilsplit in Richtung öffentlichen Verkehr verschieben und eine Nutzungssteigerung der öffentlichen Verkehrsmittel um 45% bewirken. Einer Investition von 6 Milliarden Euro stehen ein volkswirtschaftlicher Nutzen von 26 Milliarden gegenüber.

Der Verkehr mit dem eigenen und mit dem Zweit- und Drittwagen scheint mancherorts trotzdem noch alternativlos. Dieser Herausforderung widmet sich Karin Zipperer, Geschäftsführerin bei Verkehrsverbund Ost-Region. Welchen Hebel hat der ÖPNV: Preise, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit macht ÖPNV attraktiv. Alternative Anbindungen über smarte Mobilitätslösung sollen dazu beitragen. Diese ins Informationssystem mit einzubinden, ist ein aktueller Schwerpunkt.

Einen Ausblick in Sachen Verkehrssicherheit brachte Gerald Lanz von MABA Fertigteilindustrie, deren Betonelement viel dazu beitragen, dass Leitsysteme funktionieren und Verkehrsteilnehmer*innen geschützt werden.

 

Stefan Schnöll, Landesrat von Salzburg, berichtet über ein Einzugsgebiet für eine Million Menschen und den Mangel an adäquater Verkehrsinfrastruktur. Raumordnung kann nur bedingt Erleichterung schaffen, bzw. muss sie immer mit der Verkehrspolitik Hand in Hand gehen. Übermäßiges Wachstum muss gebremst werden. Es braucht eine bessere Schieneninfrastruktur, an der gerade gearbeitet wird. Und wir müssen uns auch an der eigenen Nase nehmen und das Auto öfter stehen lassen.

Erich Hofer, Bürgermeister von Auersthal, hat weniger Druck, was Durchzugsverkehr usw. betrifft. Bei ihm geht es darum frühzeitig auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren, um die Gemeinde attraktiv zu machen. Er sieht, dass die öffentlichen Verkehrsmittel gut gegeben, aber wenig genutzt sind – eine der weiteren großen Herausforderungen im öffentlichen Verkehr.

 

Der Bedarf in Sachen Mobilität ändert sich gerade: viele Menschen brauchen und wollen kein Auto mehr. Herbert Janschka berichtet, dass es Zielgruppen gibt, die keine Arbeitsplätz nutzen die nicht auch öffentlich erschlossen sind.

 

Das Wohlfühlen und der Erlebnisfaktor im öffentlichen Verkehr ist für Guido Flatz, Bürgermeister von Doren, eine wichtige Grundvoraussetzung. An smarten Lösungen im Microverkehr und bei der letzten und ersten Meile gilt es zu arbeiten.

 

 

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