Learnings aus 13 Jahren Energieausweis und Synergien zwischen Energie- und Immobilienwirtschaft

by Alexander Ghezzo

Die IfEA treibt seit 2007 das Thema Energieausweis und dessen Digitalisierung voran. Der mittlerweile 100%igen Tochter der Energie AG geht es darum, dass der Energieausweis als Mittel zur Einschätzung der Qualität von Gebäude und Haustechnik genutzt wird. Friedrich Mühlener – Geschäftsführer der IfEA – betont dabei zwei wichtige Aspekte:
1. Rechtssicherheit: der Auftraggeber haftet nämlich genauso wie der Energieausweis-Ersteller
2. Energieeffizienz: von Förderabwicklung bis zu technischen Detailfragen
Im Interview mit Friedrich Mühlener geht es weiters um alternative Energien, die Digitalisierung der Immobilienbranche und die Synergien zwischen Energie und Immobilienwirtschaft.

Ghezzo: Wie hat sich denn Corona und der Lockdown bis jetzt bei Ihnen ausgewirkt?

Mühlener: Mitte März 2020 wurde im Konzern der Energie AG festgelegt, dass Mitarbeiter – soweit möglich – ab sofort im Home Office arbeiten sollten. Bei der IfEA gab es zusätzlich die Herausforderung, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Laptop hatten, sondern wegen der höheren Leistung einen Stand-PC. In kürzester Zeit wurde die Herausforderung mit privaten Laptops bzw. PC gemeistert und die IT-Anbindung erfolgte über remote-access. Da bei IfEA schon in der Gründungsphase im Jahr 2006 Digitalisierung im Vordergrund stand, gab es diesbezüglich im Home-Office keine zusätzlichen Herausforderungen. Alles funktionierte einwandfrei. Ab 2. Juni waren wir wieder zurück im Büro, Vor-Ort-Befundungen haben wir schon ab Ende April wieder durchgeführt. Mit OneNote und TEAMS konnten wir die „kontaktlose“ Zeit nicht nur überbrücken, sondern auch für die Zukunft Vereinfachungen schaffen. Da wir sehr volle Auftragsbücher hatten, gab es keine wie immer gearteten negativen Auswirkungen.

Ghezzo: IFEA hat als Pionier der Digitalisierung des Energieausweises gestartet. Wo steht IFEA jetzt?

Mühlener: Bereits vor dem ersten Bundes-Energieausweisvorlagegesetz 2007 erfolgte die Gründung von IfEA mit dem Ziel, nicht nur den Energieausweis für die Immobilienwirtschaft zu erstellen, sondern sich als „digitaler“ Dienstleister zu etablieren. Schon im Zuge der Energieausweiserstellung wurde die Digitalisierung der Baupläne übernommen und die Pläne wurden auch in einer Cloud zur Verfügung gestellt. Bereits im Jahr 2008 hat sich die Energie AG Oberösterreich am Unternehmen beteiligt und schlussendlich im März 2010 zu 100 % übernommen.

War es am Anfang nur der Energieausweis, kamen in den Folgejahren eine Vielzahl von Produkten und damit Dienstleistungen dazu. Zuerst kamen „angrenzende“ Dienstleistungen wie die Förderabwicklung dazu, dann folgten schon schnell der Blower Door Test und die Gebäudethermografie sowie weitere kleinere Ingenieurbüro – Dienstleistungen. In den letzten Jahren sind noch die Objektsicherheitsprüfung, die technische Due Diligence Prüfung von Gebäuden und die § 82b Prüfung gemäß Gewerbeordnung dazugekommen.

Ghezzo: Was gibt es neues beim Energieausweis? Dieser ist ja durchaus umstritten, was Aussagekraft und Vergleichbarkeit angeht.

Mühlener: Der Energieausweis ist in der Zwischenzeit ein absolut taugliches Mittel, um den Gebäude- und Haustechnikstandard darzustellen – HWB (Heizwärmebedarf) und fGEE (Gesamt-Energie-Effizienz-Faktor). Einerseits ist dies notwendig, um zu wissen, ob es sich um ein „gutes“ oder „schlechtes“ Gebäude bzw. Haustechnik handelt, sowie um Gebäudestandards untereinander zu vergleichen.

Ich kenne keine Alternative zum Energieausweis – und es gibt auch keine Alternativen. Wichtig ist, dass der Ersteller des Energieausweises ein darauf spezialisiertes Unternehmen ist. Jedenfalls muss sichergestellt sein, dass es eine Vor-Ort-Befundung gibt. Auf die Studie rechtssichere Energieausweise von Mag. Dr. Popper möchte ich hinweisen – auf der Website der IfEA www.ifea.at/rechtsgutachten downloadbar.

 

Ghezzo: Wie sehen Sie den momentanen Fortschritt der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft? Wie offen sind die Unternehmen?

Mühlener: Die Digitalisierung ist in der Immobilienwirtschaft sehr, sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wir haben langjährige Kunden wie z.B. die OÖ Wohnbau, die auf dem Gebiet der Digitalisierung selber Vorreiter sind und daher auch unseren Initiativen gegenüber sehr aufgeschlossen waren. Papier verschicken wir schon seit Jahren nicht mehr – hätten wir im letzten Jahr unsere Energieausweise 1-fach bedruckt verschickt, wären dies ca. 18.000 Seiten gewesen. Hier sparen wir mehrfach, nämlich zeitliche und materielle Ressourcen – und die Nachvollziehbarkeit und Ordnung ist auch gegeben. Viele unserer Kunden „holen“ sich den aktuellen Energieausweis oder den Objektsicherheitsprüfungs-Bericht (als pdf oder Excel) auf unserem Kundenportal „Gebäudemanager“.

Ghezzo: Energieunternehmen und Immobilienwirtschaft haben immer größere Schnittflächen. Häuser werden Energieautark, E-Mobilität geht nicht ohne Immobilie…. Was macht die Energie AG Oberösterreich in Kooperation mit der Bau- und Immobilienwirtschaft?

Mühlener: Da unsere Konzernmutter und deren Tochtergesellschaften auf vielen Gebieten tätig sind, gibt es fast keinen Bereich, in dem unser Konzern als Landesenergieversorger keine Akzente setzt. Neben der Energieversorgung mit Strom, Erdgas und Wärme, zählen hierzu auch Fibre to the Home, Contracting von Heizungsanlagen und PV-Anlagen, sowie Lösungen für die E-Mobilität. Wie aus den Vorträgen am Immobilientag zu ersehen ist, bietet die Energie AG Oberösterreich auch noch umfangreiche Gebäudedienstleistungen an.
Mobilität beginnt vor der Haustüre – daher ist die Verbindung zwischen öffentlicher Ladeinfrastruktur und Mobilitätsangeboten in Wohnbausiedlungen unerlässlich! Der zunehmende Trend zur Elektromobilität erfordert die großflächige Errichtung von E-Ladeinfrastruktur im Wohnbau, da eine Abdeckung des steigenden Bedarfs allein über öffentlich zugängliche Ladestationen nicht möglich sein wird. Mit der Energie AG haben Kunden im Wohnbau einen kompetenten Ansprechpartner und Betreiber für Ladeinfrastruktur in der Wohnanlage.

Ghezzo: Alternative Energien sind ein essentielles Thema auch wenn es um Klimaziele usw. geht. Was gibt es hier aktuelles zu berichten?

Mühlener: Auch auf diesem Gebiet ist die Energie AG Oberösterreich ein Vorreiter: Wasserkraftanlagen und Windkraftanlagen spielen schon seit Jahrzehnten eine wesentliche Rolle im Konzern; vor ca. 15 Jahren wurde die erste Biogasanlage zur ausschließlichen Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz errichtet und betrieben wurde. Seit vielen Jahren ist die Energie AG als Generalunternehmer für die Errichtung von hocheffizienten Biogasanlagen im In- und Ausland tätig. Lösungen für Photovoltaik sind in der Zwischenzeit ein Standardprodukt – somit sind die Errichtung und der Betrieb von PV-Anlagen Routine.

Ghezzo: Was sind Ihre Ziele und Visionen? An welchen Innovationen arbeiten Sie?

Mühlener: Wir sind Teil eines Konzerns, der sich schon lange als Dienstleistungsunternehmen mit einer sehr hohen Affinität zu digitalen Lösungen versteht. Das wichtigste in den letzten Jahren war, dass die Strukturen des Konzerns so geschaffen wurden, dass nicht nur Innovation möglich ist, sondern diese forciert werden. Nicht nur die IfEA ist dafür ein Beispiel, sondern auch eine eigene Innovationsschmiede.
Hier alle geplanten Innovationen anzuführen würde zu aufwändig werden – lassen Sie sich überraschen.

Weitere Informationen:

Energie AG

 

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