Ghezzo Immobilientag 2021 – Rückblick Teil 1: Nachhaltigkeit und Klimaschutz für das Gemeinwohl und aus rechtlicher Notwendigkeit

by Alexander Ghezzo

Am 22. Juni – am ersten Sommertag bei einer Außentemperatur von 32°C – fand der zweite Ghezzo Immobilientag im Office Park des Flughafen Wien statt. Mehr als 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort und 443 Zuschauer*innen beim Online-Stream kamen für Netzwerk, Inspiration und Austausch zusammen. Herausforderungen und rasend schnelle Veränderungen können wir nur gemeinsam bewältigen – genau in diesem Zeichen stand der Ghezzo Immobilientag.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz für das Gemeinwohl und aus rechtlicher Notwendigkeit

Klimaschutz, Klimawandel und Klimaresilienz sind die Herausforderungen, die uns in den nächsten Jahren massiv begleiten werden. Die Immobilienwirtschaft stellt sich diesem Thema, da es einerseits um das Wohl unserer Kinder geht und andererseits, weil es Kund*innen, Gesellschaft und rechtliche Veränderungen einfordern.

Peter Engert, Geschäftsführer der ÖGNI, widmete seinen Vortrag der EU-Taxonomie Verordnung und den Konsequenzen für die Immobilienwirtschaft. Projekte, die einen Schwerpunkt im Bereich Nachhaltigkeit haben, erweisen sich als krisenfester und entsprechend muss dies auch bei der Risikobetrachtung der finanzierenden Banken berücksichtigt werden. Entsprechend lohnt es, Projekte Taxonomie-konform zu planen und zu errichten, sowie dies auch nachweisen zu können.

Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), Erneuerbaren-Wärme-Gesetz (EWG), Energieeffizienz-Gesetz (EEffG) sind weitere gesetzliche Grundlagen, die Energie- und Anlagekosten empfindlich steigern werden. Genau dazu hat Friedrich Mühlener, Energie AG/IfEA, einige Empfehlungen an Bestandshalter und Entwickler*innen: So sollten Bestandsgebäude einer technischen Due Diligence Prüfung unterzogen werden, um Potenziale zu erkennen und Kosten zu minimieren. Darüber hinaus dient der Energieausweis (bei dem darauf zu achten ist, dass er ordnungsgemäß durchgeführt ist) als wesentliche Grundlage für energietechnische Entscheidungen.

Benjamin Friedrich von ecocoach AG und Christian Pillwein von Beckhoff Automation GmbH haben dazu ein interessantes Beispiel aus der Schweiz mitgebracht, wo ein Vermieter mit einem Energie-Contracting-Modell Mehrwert für die Mieter schafft und Leerstand vermeidet.

 

 

 

 

Auch Elektromobilität ist weiter am Vormarsch: Die Kelag rüstet Wohnbauten mit Ladeinfrastruktur aus. Katharina Kohlweiß berichtet über die Komplexität im Umbau von Bestandsimmobilien. Deswegen sollten beim Neubau die technischen Möglichkeiten geschaffen werden, um spätere Erweiterungen einfach und rasch durchführen zu können.

Der moralische Kompass

In zwei Podiumsdiskussionen nahmen wir uns am Immobilientag Zeit für Themen, die sich mit den Veränderungen in der Branche selbst befassen. Zuerst ging es um das Geschäft und das Profil von Projektentwickler*innen.  Hohe Anforderungen, hohe Preise, schwierige Finanzierung und eine unsichere Verwertung sind Herausforderungen, die keinen Raum mehr für die Devise „billig bauen und teuer verkaufen“ lassen. Peter Ulm, allora Immobilien und VÖPE fordert eine Änderung des Mindsets in der Projektentwicklung. Ökologische und soziale Verantwortung müssen stärker in den Fokus rücken. Auch Claudia Nutz von Nutzeffekt spürt diese Veränderung und ortet ein neues Leitbild der Branche. Neue Konzepte bringen Grünes Land und verdichtete Stadt zusammen. Ganzheitlich werden Dinge wie Mobilität und Community miteinbezogen. Community verändert alles und Andreas Köttl, CEO, value one Holding AG stellt diese in den Mittelpunkt.

Gegen sinnvolle Reglementierung hat eigentlich niemand was, aber problematisch ist, dass Reglements in den Raum gestellt, aber viel zu spät konkret spezifiziert werden. Grenzüberschreitende Entwicklungen wie globale Mindeststeuern, Taxonomie usw. sind noch schwer einzuschätzen, so Gerald Kerbl, TPA Steuerberatung. Hier braucht es Organisationen wie VÖPE, um die Reglementierungsbildung entsprechend zu beeinflussen und zu beschleunigen.

Wer Immobilien selbst auch weiter betreibt, der ist automatisch langfristiger orientiert in seinen Entscheidungen, beschreibt Alexander Rössler die Sicht der Immofinanz AG. „Da ist Nachhaltigkeit in der DNA verankert.“

Peter Ulm beschreibt die Rolle der Projektentwickler*innen so: Man ist ein Servicebetrieb der Lebens- und Arbeitsräume zur Verfügung stellt. Mit diesem Ansatz können junge Menschen und bitte auch mehr Frauen für dieses Business begeistert werden.

Abschließend haben wir noch mal nachgefragt: Gibt es einen Paradigmenwechsel in der Immobilienwirtschaft? Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und Partnerschaften, um durch die Krise zu kommen?

Gerald Beck, UBM Development, begrüßt es, dass Green Deal, ESTGs, und strengere Reglements zur Verpflichtung werden. Schließlich geht es darum, unseren Kindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Längere Amortisationszeiten, Projekte in Holz auszuführen, etc. sind hier strategische Stoßrichtungen.

Trotzdem muss sich Nachhaltigkeit lohnen, damit sie in der Breite ankommt, so Peter Engert. Aber das ist möglich, wenn man Gebäude nicht auf 30 Jahre anlegt, sondern auf 130 Jahre.

Erich Benischek, Blaue Lagune und Caroline Mocker, VIG Asset Management, fordern eine langfristige Sichtweise auf die Immobilie. Das bedeutet mögliche Umnutzungen und Flexibilität von Anfang an mitzudenken und damit auch längere Amortisationszeiten in Kauf zu nehmen.

Regina M. Lettner, baukult ZT, fordert eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl. Wohnungen mit Freiraum, Holzbau, Verdichtung, Überbauungen von Retailflächen, keine Bürozellen mehr – das ist alles Ausdruck eines Paradigmenwechsels.

Fazit:

Der dringend notwendige Paradigmenwechsel ist angekommen. Das Ermutigende für die Zukunft ist, dass es einen klaren Konsens in Richtung Nachhaltigkeit im sozialen und ökologischen Sinne geht.

Damit laden wir auch ein: Wenn Sie an konkreten Dienstleistungen, Produkten und Projekten für die Nachhaltigkeit der Immobilienwirtschaft arbeiten, reichen Sie ein zum www.gbb-award.at.

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