Wasser ist das neue Gold: Warum die Hotellerie jetzt sparen muss

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Drei Dinge entscheiden über die Zukunft der Hotellerie: Ressourcenschonung, Gästeerlebnis und Betriebskosten. Der Wasserverbrauch liegt dabei im Zentrum – oft unterschätzt, selten gemessen. Peter Schmid von GROHE, erklärt im Gespräch mit Alexander Ghezzo, wie sich Hotels mit smarter Technik, Cradle-to-Cradle-Produkten und datenbasierter Aufklärung zukunftsfähig aufstellen ohne an Komfort zu verlieren.

Alexander Ghezzo: Wasserverbrauch verstehen: dazu hat Grohe wichtige Infos auf der Website. Warum ist das wichtig?

Peter Schmid: Wasserverbrauch zu verstehen ist wichtig, weil er eng mit Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Ressourcenschutz verknüpft ist. Grohe macht deutlich, dass viele Menschen ihren Verbrauch stark unterschätzen – tatsächlich liegt er bei rund 130 Litern pro Tag. Wer diese Zahl kennt, kann gezielt gegensteuern: Schon Technologien wie EcoJoy-Armaturen oder Sparduschköpfe senken den Wasserverbrauch um bis zu 50 %, ohne auf Komfort zu verzichten. Auch die Erwärmung von Wasser kostet Energie – weniger Verbrauch bedeutet also automatisch weniger CO₂-Emissionen und geringere Kosten. Angesichts klimawandelbedingter Wasserknappheit und immer häufiger auftretender Dürreperioden wird ein bewusster Umgang mit Wasser heute mehr denn je zur Notwendigkeit. Bewusstsein plus passende Technik schaffen so den größten Hebel für einen nachhaltigeren Umgang mit Wasser.

Alexander Ghezzo: Wie hoch ist der tatsächliche tägliche Wasserverbrauch pro Person – und warum wird er so oft unterschätzt?

Peter Schmid: Der tatsächliche tägliche Wasserverbrauch pro Person in österreichischen Haushalten liegt bei rund 130 Litern pro Tag. Viele unterschätzen diese Zahl, weil sie beim Wasserverbrauch in erster Linie nur an das Trinken oder vielleicht an das Duschen denken. Dabei fallen die größten Anteile im Alltag oft dort an, wo man es weniger bewusst wahrnimmt – etwa bei der Toilettenspülung (25 %), beim Wasserhahn in Bad, WC und Küche (27 %) oder beim Duschen (19 %).

Der Konsum verteilt sich also auf viele verschiedene Bereiche, von der Waschmaschine über das Gießen der Pflanzen bis hin zur Nutzung von Geschirrspüler und Badewanne. Gerade die unscheinbaren und routinemäßigen Anwendungen summieren sich erheblich, sodass der wahre Verbrauch oft deutlich höher liegt, als man spontan vermuten würde.

Alexander Ghezzo: Welche Unterschiede gibt es im Wasserverbrauch zwischen Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten?

Peter Schmid: Der Wasserverbrauch unterscheidet sich deutlich zwischen Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten – sowohl in absoluten Zahlen als auch in Ursachen, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit.

Europa weist einen moderaten Haushaltswasserverbrauch auf. Laut der European Environment Agency (EEA) liegt der durchschnittliche Verbrauch bei etwa 144 Litern pro Person und Tag, was Wasser für Trinken, Kochen, Baden und Waschen einschließt. Eurostat bestätigt diese Größenordnung mit 40–50 m³ pro Jahr, also etwa 110–140 Litern pro Tag. Innerhalb Europas gibt es jedoch große regionale Unterschiede: So verbraucht etwa Italien laut The Guardian mit rund 243 Litern täglich deutlich mehr als der Durchschnitt, während andere Länder sparsamer sind. Insgesamt bewegt sich Europa im Bereich 110–150 l/Tag, mit Spitzenwerten in Ländern wie Italien und Schottland.

Nordamerika, insbesondere die USA, liegt mit einem durchschnittlichen Haushaltsverbrauch von über 300 Litern pro Tag deutlich über dem europäischen Niveau. In trockenen Bundesstaaten wie Arizona oder Nevada sind es teils über 500 Liter täglich. Gründe dafür sind:

  • Günstige und jederzeit verfügbare Wasserversorgung
  • Wasserintensiver Lebensstil: Große Häuser mit mehreren Badezimmern, Pools und weitläufigen Gärten
  • Kulturelle Normen: Ein grüner Rasen gilt vielerorts als Statussymbol – selbst in Wüstenregionen
  • Landwirtschaftliche Nutzung: Besonders in trockenen Regionen wird viel Wasser für Bewässerung benötigt

Nordamerika verfügt nur über etwa 1 % der weltweiten erneuerbaren Süßwasserressourcen, stellt jedoch 6 % der Weltbevölkerung, was langfristig zu Problemen führen kann.

Im Nahen Osten ist die Situation deutlich komplexer. Die Region ist von extremer Wasserknappheit geprägt. Während in wohlhabenden Golfstaaten wie den VAE oder Katar der Pro-Kopf-Verbrauch teils über 400 Litern pro Tag liegt, erreichen ärmere oder konfliktreiche Länder wie Palästina, Jordanien oder Jemen teils nicht einmal die von der WHO empfohlenen 50 Liter pro Tag als Mindestversorgung. Die extremen Unterschiede lassen sich durch folgende Faktoren erklären:

  • Künstlich hoher Verbrauch durch Entsalzung und Subventionen in reichen Staaten
  • Fehlende Ressourcen und Infrastruktur in armen oder instabilen Ländern
  • Sehr hoher landwirtschaftlicher Wasserbedarf, oft nicht nachhaltig gedeckt

In Ländern wie Ägypten scheint der Pro-Kopf-Wasserverbrauch mit 1.560 Litern pro Tag extrem hoch zu sein – dieser Wert umfasst jedoch oft auch die landwirtschaftliche Nutzung, und das Wasser steht nicht in nachhaltiger Menge zur Verfügung.

Alexander Ghezzo: Wie hoch ist der Wasserverbrauch in Hotels – und wo entstehen die größten Einsparpotenziale?

Peter Schmid: Der Wasserverbrauch in Hotels ist deutlich höher als im privaten Haushalt und liegt je nach Quelle und Standort bei rund 290–350 Litern pro Gast und Übernachtung.

  • Laut Wasser-Management Austria und verschiedenen Umweltberichten kann der Verbrauch in Österreich bis zu 350 Liter betragen.
  • Die Rabmer-Gruppe verweist im Rahmen der EU-Taxonomie auf einen Durchschnitt von etwa 290 Litern.
  • Auch die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) sowie Studien aus dem Hotel- und Baugewerbe in Südtirol bestätigen Werte zwischen 290 und 320 Litern pro Übernachtung.

Die größten Einsparpotenziale liegen in Bereichen mit besonders hohem Durchfluss:

  • WC-Spülung durch Mengenregulierung und moderne Spültechnik
  • Wassersparende Armaturen bei Waschbecken und Duschen
  • Effizientere Betriebsabläufe im Housekeeping und in der Wäscherei

Damit können Hotels nicht nur Betriebskosten senken, sondern auch ihre Nachhaltigkeitsziele im Einklang mit EU-Vorgaben besser erfüllen.

Alexander Ghezzo: Wie funktioniert die EcoJoy-Technologie von GROHE, und welche Auswirkungen hat sie auf Wasser- und Energiekosten?

Peter Schmid: Die GROHE EcoJoy-Technologie funktioniert durch eine Kombination aus Durchflussbegrenzern und optimierter Düsentechnik.

Konkret bedeutet das:

  • In Duschköpfen und Armaturen sind kleinere Düsen sowie spezielle Regler verbaut, die den Wasserstrom reduzieren.
  • Gleichzeitig wird Luft beigemischt, sodass der Wasserstrahl weiterhin voll und angenehm wirkt – ohne Komfortverlust.
  • In Thermostaten und Mischern sorgt die präzise Technik dafür, dass die gewünschte Temperatur schneller erreicht wird und keine unnötige Wassermenge „wegläuft“.
  • Über zusätzliche Bedienelemente wie den EcoButton oder die SmartControl-Mengensteuerung kann der Wasserfluss jederzeit individuell angepasst werden.

Auswirkungen auf Wasser- und Energiekosten:

  • Der Wasserverbrauch kann je nach Produkt um bis zu 50 % reduziert werden.
  • Weniger Wasser bedeutet automatisch auch weniger Warmwasserverbrauch. Da Warmwasserbereitung in den meisten Haushalten zu den größten Energieposten gehört, senkt EcoJoy damit zusätzlich die Energiekosten.
  • Die Einsparung ist also doppelt wirksam: geringere Wasserrechnung und spürbare Reduktion der Heiz- bzw. Energiekosten.

Beispielhafte Wirkung:
Eine Standarddusche verbraucht ca. 12–15 Liter Wasser pro Minute. Mit EcoJoy sinkt dieser Wert auf etwa 6–9 Liter – bei gleicher Strahlqualität. Bei einem 10-minütigen Duschgang spart das rund 60 Liter Wasser ein.

Kurz gesagt: GROHE EcoJoy senkt Wasserverbrauch und Warmwasserkosten erheblich, ohne dass Nutzer beim Komfort Einbußen haben.

Alexander Ghezzo: Ab wann amortisieren sich Investitionen in wassersparende Produkte im Hotel?

Peter Schmid: Investitionen in wassersparende Produkte rechnen sich meist sehr schnell. Wassersparende Duschköpfe und Armaturen sind bereits für zwischen 20 und 100 Euro pro Stück erhältlich. Durch die Reduktion des Wasserverbrauchs um 30 bis 50 Prozent und durch die Einsparung von Warmwasser und damit Energiekosten, amortisiert sich die Investition oft bereits innerhalb eines Jahres. Toiletten mit Spartaste liegen im moderaten Kostenbereich und senken den Spülwasserbedarf um 30 bis 70 Prozent. Hier beträgt die Amortisationszeit in der Regel ein bis drei Jahre, abhängig von Investitionshöhe und Nutzungshäufigkeit. Insgesamt gehören diese Maßnahmen zu den wirtschaftlich attraktivsten Schritten im nachhaltigen Gebäudemanagement, da sie unmittelbar zur Senkung der Betriebskosten beitragen.

Alexander Ghezzo: Welche Erwartungen haben Gäste an Nachhaltigkeit im Hotel, speziell beim Thema Wasser?

Peter Schmid: Gäste erwarten von Hotels im Bereich Nachhaltigkeit vor allem Lösungen, die keinen Komfortverlust bedeuten. Besonders beim Thema Wasser ist wichtig, dass Maßnahmen zwar spürbar wirksam, aber nicht einschränkend sind. Viele Reisende honorieren es, wenn der Handtuchwechsel nur auf Wunsch erfolgt, wenn ein glaubwürdiges Umweltzertifikat vorliegt oder wenn das Hotel transparent über eingesparte Mengen informiert. Solche sichtbaren und nachvollziehbaren Schritte schaffen Vertrauen und zeigen, dass Nachhaltigkeit ernst genommen wird, ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen.

Alexander Ghezzo: Welche Best-Practice-Beispiele zeigen, dass Hotels Wasser sparen können, ohne den Komfort zu verringern?

Peter Schmid: Ein Best-Practice-Beispiel aus Deutschland ist das Vabali Spa & Hotel Hamburg, das zeigt, wie Hotels Wasser sparen können, ohne den Komfort der Gäste zu beeinträchtigen.

Ansatz im Vabali Spa & Hotel Hamburg:

  • Luxus & Nachhaltigkeit kombiniert: Das Hotel setzt in seinen Bädern und Spa-Bereichen auf GROHE Essence Armaturen sowie Euphoria Duschsysteme.
  • Technologie im Hintergrund:
    • GROHE SilkMove Kartusche sorgt für präzise Steuerung von Wassermenge und Temperatur. Gäste erleben fließende Bedienung ohne umständliches Nachregeln.
    • GROHE EcoJoy reduziert den Wasserverbrauch um bis zu 50 Prozent – durch integrierte Durchflussbegrenzer und Luftbeimischung – ohne dass das Duscherlebnis darunter leidet.
  • Komfort ohne Verzicht: Gäste genießen verschiedene Strahlarten und luxuriöses Design, während der geringere Wasserverbrauch keinen Komfortverlust entstehen lässt.
  • Langfristiger Effekt: Für das Hotel bedeutet der Einsatz solcher Technologien eine spürbare Senkung der Betriebskosten (Wasser + Energie für Warmwasser)

Euphoria Duschsystem

Vabali Spa & Hotel Hamburg

Vabali Spa & Hotel Hamburg

Alexander Ghezzo: Wie realisieren Sie Cradle2Cradle bei Grohe?

Peter Schmid: GROHE setzt beim Thema Nachhaltigkeit konsequent auf den Ansatz der zirkulären Wertschöpfung. Ein zentraler Bestandteil ist die Entwicklung von Cradle to Cradle Certified®-Produkten**, bei denen schon in der Herstellung die spätere Weiterverwendung und Wiederverwertung mitgedacht wird. So wird der Gedanke der Wegwerfwirtschaft durch ein Kreislaufprinzip ersetzt, das Ressourcen und Umwelt schont.

Ein Meilenstein auf diesem Weg sind die ersten zertifizierten Produkte von GROHE: Drei Armaturen und ein Duschsystem tragen die Zertifizierung der Stufe Gold, während eine Handbrause und der GROHE Blue Filter des Lieferanten BWT mit Bronze ausgezeichnet wurden. Ergänzend produziert die Marke CO₂-neutral*, setzt auf wasser- und energiesparende Technologien und verzichtet in den Produktverpackungen weitgehend auf unnötiges Plastik. Damit gehört GROHE zu den Sanitärmarken, die seit Jahren Schritt für Schritt die Transformation hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft vorantreiben.

* Inklusive CO₂-Kompensationsprojekte, mehr auf green.grohe.com
**Cradle to Cradle Certified® ist eine eingetragene Marke des Cradle to Cradle Products Innovation Institute.

Alexander Ghezzo: Welche Verantwortung trägt die HLK- und Wasserindustrie bei der

Peter Schmid: Aufklärung über und Verhinderung von Wasserknappheit?

Die HLK- (Heizung, Lüftung, Klima) und Wasserindustrie trägt eine mehrschichtige Verantwortung hinsichtlich der Aufklärung über und der Verhinderung von Wasserknappheit. Diese lässt sich in drei zentrale Handlungsfelder gliedern:

  1. Aufklärung
  • Endkunden sensibilisieren: Nutzer:innen müssen verstehen, dass jeder Liter Wasser und jede Kilowattstunde Warmwasser Energieverbrauch bedeuten. Kampagnen und Informationsmaterialien klären darüber auf, dass moderne Technologien wie Durchflussbegrenzer, Wärmerückgewinnung oder Kreislaufsysteme die Umwelt und den Geldbeutel schonen.
  • Fachpartner schulen: Installateur:innen, Planer:innen und Architekt:innen sind Multiplikatoren. Sie müssen im Detail wissen, welche Produkte tatsächlich Wasser sparen, wie sie installiert und gewartet werden – und wie Komfort und Nachhaltigkeit in Einklang gebracht werden.
  • Kommunikationspflicht: Transparenz zu Wasserverbrauch, Energieeffizienz und Einsparpotenzialen muss zur Pflicht werden, nicht nur Marketing.

 

  1. Innovation
  • Technologien entwickeln: Armaturen mit EcoJoy, wassersparende Duschköpfe, Thermostate mit EcoButton oder Wärmerückgewinnungssysteme wie GROHE Rapido Heat Recovery sind Beispiele dafür, wie Effizienz ohne Komfortverlust möglich ist.
  • Systemlösungen fördern: Kreislaufduschen (Everstream) oder Sanitärsysteme mit 2-Mengenspülung zeigen, dass Innovation über das Einzelprodukt hinausgeht.
  • Digitale Integration: Vernetzte Systeme, die Wasserverbrauch in Echtzeit messen und visualisieren, schaffen Bewusstsein und Anreize zur Reduktion.

 

  1. Rahmenbedingungen
  • Nachhaltige Lieferketten: Die Industrie muss auch den eigenen Wasserverbrauch in Produktion und Galvanikprozessen reduzieren, transparent berichten und so Vorbildfunktion einnehmen.
  • Standards mitgestalten: Durch aktives Mitwirken an EU-Taxonomie, Ökodesign-Richtlinien oder Zertifizierungen (LEED, BREEAM, EU Ecolabel) übernimmt die Branche Verantwortung dafür, dass Nachhaltigkeit nicht optional bleibt, sondern Standard wird.
  • Partner für Politik und Bauwirtschaft: Hotellerie, Wohnungsbau und öffentliche Hand benötigen verlässliche Technik, die Kosten spart und Zertifizierungen erleichtert – die Industrie muss diese Lösungen proaktiv bereitstellen.

Bedeutung für die Gesellschaft

  • Endverbraucher:innen: erwarten Komfort + Nachhaltigkeit – ein Duscherlebnis darf nicht schlechter sein, nur weil weniger Wasser verbraucht wird.
  • Bau- und Hotelbranche: braucht robuste, normkonforme Lösungen, die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit verbinden.
  • Politik: erwartet, dass Industrie nicht reagiert, sondern Innovationsmotor ist.


Die HLK- und Wasserindustrie trägt Verantwortung auf drei Ebenen: Sie muss aufklären (Bewusstsein schaffen), innovieren (Technologien entwickeln, die Wasserknappheit praktisch verhindern helfen) und Rahmenbedingungen sichern (nachhaltige Lieferketten, Regulierung aktiv mitgestalten). Damit ist sie nicht nur Anbieter von Produkten, sondern auch Gestalter der Wasserzukunft.

Grohe treffen Sie auf der Hotel Optimal Holiday am 25.09.25 in Innsbruck. Mit dabei sind Michael Neuner (Project Manager Tirol, Vorarlberg) & Alexander Wohinz (Area Sales Manager Tirol, Vorarlberg) Jetzt anmelden!

 

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