Wasser als Ressource – ESG, Effizienz und der Klimawandel

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Das Badezimmer als ESG-relevanter Faktor: klingt ungewohnt, ist aber Realität. Energieeffizienz, Wasserverbrauch und Produktlebenszyklen fließen zunehmend in Nachhaltigkeitsbewertungen von Immobilien ein. Und wer ineffiziente Armaturen verbaut, riskiert nicht nur höhere Betriebskosten, sondern auch Wertabschläge bei der Finanzierung. Patrick Prokop von Grohe erklärt, wie die Branche das anders denken kann.

Alexander Ghezzo: Das Problem bei Nachhaltigkeit: Trotz Ressourcenschonung, trotz Energieeffizienz sind nachhaltige Produkte teurer als nicht nachhaltige. Wie geht Ihr mit diesem Paradoxon um? Gibt es eine Lösung?

Patrick Prokop: Bei Grohe ist Nachhaltigkeit kein Luxusgut, sondern Standard. Wir haben das Paradoxon gelöst, indem wir Preisparität für viele grüne Schlüsseltechnologien geschaffen haben. So kosten wassersparende Armaturen, Handbrausen oder Duschsysteme bei uns nicht mehr als konventionelle Modelle. Zum Beispiel sind unsere wassersparenden Technologien wie z.B. EcoJoy in fast alle Produktlinien integriert. Ein nachhaltiges Produkt ist für den Kunden unterm Strich sogar günstiger. Eine vierköpfige Familie kann durch einen wassersparenden Duschkopf jährlich über 500 € an Wasser- und Energiekosten sparen – das amortisiert die Anschaffung oft in wenigen Monaten.

Alexander Ghezzo: Was macht Grohe um nachhaltig zu sein? Welche Ansätze sind Euch besonders wichtig?

Patrick Prokop: Wir verfolgen einen 360-Grad-Nachhaltigkeitsansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst. Drei Säulen sind dabei zentral:

  • Zirkularität (Cradle to Cradle Certified®): Wir entwickeln Produkte, die am Ende ihres Lebenszyklus nicht zu Abfall werden, sondern als Ressource in den Kreislauf zurückkehren.
  • CO₂-Neutralität: Seit 2020 produzieren wir in allen Werken weltweit CO₂-neutral. Das erreichen wir durch Solarstrom, modernste Blockheizkraftwerke und die Kompensation unvermeidbarer Emissionen.
  • Plastikvermeidung: Mit der „Less Plastic“-Initiative haben wir bereits rund 37 Millionen Plastikteile aus unseren Produktverpackungen verbannt.

Alexander Ghezzo: Welche Folgen hat der Klimawandel schon jetzt auf die Grohe Kunden und was bedeutet das für Euch?

Patrick Prokop: Der Klimawandel ist im Badezimmer angekommen. Unsere Kunden spüren ihn durch steigende Wasserpreise und ein wachsendes Bewusstsein für lokale Wasserknappheit.

  • Der Klimawandel macht das Thema Wasser von einer Selbstverständlichkeit zu einer bewussten Entscheidung. Unsere Kunden spüren das durch steigende Kosten und die emotionale Belastung, die mit Ressourcenknappheit einhergeht.
    • Aufklärung als Kernaufgabe: Wir sehen es als unsere Verantwortung, das Bewusstsein für den Wasser- und Energieverbrauch im Bad zu schärfen. Viele wissen nicht, dass das Erhitzen von Wasser der zweitgrößte Energiefaktor im Haushalt ist. Hier setzen wir an: Wir informieren, ohne den Zeigefinger zu heben.
    • Technik ohne Kompromisse: Unsere Antwort auf den Klimawandel ist das Versprechen, dass Nachhaltigkeit nicht Verzicht bedeuten muss. Wir entwickeln Produkte, die den Wasserfluss so präzise steuern und mit Luft anreichern, dass der Kunde das gleiche volle Strahlbild erlebt, aber bis zu 50% weniger Ressourcen verbraucht.
    • Vom passiven Nutzer zum bewussten Konsumenten: Wir bieten die Werkzeuge, damit jeder in seinem Alltag einen Beitrag leisten kann – ganz natürlich, durch die tägliche Routine, ohne dass der gewohnte Komfort im Badezimmer verloren geht. Für uns bedeutet das: Wir gestalten den Wandel aktiv mit, indem wir Nachhaltigkeit "unsichtbar" und mühelos in den Alltag integrieren.

Alexander Ghezzo: Wasser ist besonders sensibel. Schon jetzt gibt es immer mehr Trockenheit und selbst in Österreich gab es schon für Gemeinden Zeiten von Knappheit. Muss sich unser Umgang mit Wasser generell ändern?

Patrick Prokop: Definitiv. Wir müssen Wasser als kostbare Energiequelle begreifen. Ein Großteil des Energieverbrauchs im Haushalt entfällt auf die Warmwasserbereitung.

  • Verhaltensänderung durch Technik: Wie bieten z.B. Produkte mit SilkMove ES, diese  liefern in der Mittelstellung nur kaltes Wasser, was unnötiges Anspringen der Therme verhindert.
  • Innovation: Mit Systemen zur Wärmerückgewinnung (wie Rapido Heat Recovery) nutzen wir die Wärme des abfließenden Duschwassers, um das frische Wasser vorzuwärmen. Das ist Kreislaufwirtschaft auf energetischer Ebene.

Alexander Ghezzo: Die Welt ist aktuell in einer massiven Transformation. Was bedeutet das globale Durcheinander für Grohe? Wie geht Ihr mit internationalen Lieferketten und Abhängigkeiten um?

Patrick Prokop: Wir reagieren mit einer konsequenten Anpassung unserer Lieferketten und dem gezielten Ausbau unseres Logistiknetzwerkes in Europa. Das schafft Unabhängigkeit, verkürzt Wege und sichert die Verfügbarkeit für unsere Kunden.  

Alexander Ghezzo: Was sind aktuelle regulatorische Themen, die Immobilienverantwortliche beachten müssen?

Patrick Prokop: Das Jahr 2026 steht im Zeichen von ESG und der EU-Taxonomie.

  • EU-Gebäuderichtlinie (EPD): Bis Mai 2026 muss diese in nationales Recht umgesetzt sein. Das bedeutet strengere Anforderungen an die Energieeffizienz.
  • Finanzierung: Banken bewerten Immobilien heute nach ihrer „Grünheit“. Wer ineffiziente Armaturen verbaut, riskiert Wertabschläge und schlechtere Kreditkonditionen. Wir unterstützen Profis mit EPDs (Environmental Product Declarations), die genau belegen, wie nachhaltig ein Produkt über seinen Lebenszyklus ist.

   

Alexander Ghezzo: Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz? Wo trifft man auf Grohe und wie spürt man diese Begegnung?

Patrick Prokop: Stolz sind wir auf Projekte, in denen wir die "Pure Freude an Wasser" mit extremer Effizienz verbinden. Ein Beispiel hier ist der Austro Tower: Armaturen wurden nach Lead Platin Zertifizierung ausgewählt.

Alexander Ghezzo: Was sind die Megatrends, die die Zukunft von Armaturen und von Wasser im Gebäude prägen? Wie hat sich das im Laufe der Zeit verändert und wo geht die Reise hin?

Patrick Prokop: Wir sehen drei große Trends, die alles verändern:

  1. Urbanisierung & Modularität: Badezimmer werden kleiner, aber hochwertiger. Lösungen wie der Rapido Duschrahmen machen die Installation schnell und fehlerfrei. Weiters bietet unsere Aqua Booster Technologie in unserer neuen Euphoria Handbrause ein optimiertes Duscherlebnis. Diese neue Technologie intensiviert das Duscherlebnis mit einem kraftvollen, belebenden Strahlbild – selbst bei reduziertem Durchfluss. So genießt man ein revitalisierendes Duscherlebnis und spart dabei gleichzeitig Wasser.
  2. Health & Wellness:  Das Bad wird zum privaten Rückzugsort für die Gesundheit. Multisensorische Erlebnisse mit Licht und Dampf gewinnen an Bedeutung.
  3. Intelligente Ressourcennutzung: Die Zukunft gehört Systemen, die Wasser im Kreislauf denken – von der Wärmerückgewinnung bis hin zur smarten Steuerung, die Verschwendung eliminiert, bevor sie entsteht.

Patrick Prokop von Grohe treffen Sie dazu beim 7. Ghezzo Immobilientag am 19. Mai und auf der 17. Green and Blue Building Conference am 05.11. in Wien.

 

Mehr erfahren und anmelden:

7. Ghezzo Immobilientag 2026

17. GBB - Green & Blue Building Conference

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