Wärmepumpe statt Gasheizung

von

Fossile Heizungen ersetzen klingt einfacher als es ist – besonders im Bestand. Alte Heizkörper, beengte Technikräume, Denkmalschutz, fehlende Fachkräfte. Panasonic hat sein Portfolio in den letzten Jahren konsequent auf genau diese Realität ausgerichtet: mit Lösungen, die dort funktionieren, wo klassische Wärmepumpen scheitern. Roland Kerschbaum erklärt, was das für die Immobilienwirtschaft bedeutet – heute und in zehn Jahren.

Alexander Ghezzo: Der 7. Ghezzo Immobilientag steht unter dem Motto „Wissen rockt" – und ein zentrales Thema ist, wie der Immobilienmarkt mit den Herausforderungen von Dekarbonisierung und ESG umgeht. Wie ordnet Panasonic seine Rolle in dieser Transformation ein?

Roland Kerschbaum: Die Immobilienbranche steht vor einer tiefgreifenden Aufgabe: Der Gebäudebestand muss bis 2040 – in Österreich sogar ambitionierter – klimaneutral werden. Wir sehen uns dabei nicht als reinen Produktlieferanten, sondern als Systempartner entlang der gesamten Prozesskette. Ob Neubau oder Sanierung, ob Einfamilienhaus oder Wohnhausanlage – wir bieten heute für nahezu jeden Anwendungsfall eine ausgereifte, elektrische Heiz- und Kühllösung. Das Ziel ist immer dasselbe: fossile Energieträger ersetzen, Betriebskosten senken und gleichzeitig den Komfort erhalten oder verbessern.

Alexander Ghezzo: Wie lebt Ihr bei Panasonic selbst das Thema Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit? Was treibt Euch an?

Roland Kerschbaum: Nachhaltigkeit und Dekarbonisierung sind bei Panasonic kein Trendthema, sondern seit Jahrzehnten Teil unserer Haltung. Unser Gründer Konosuke Matsushita hat bereits in den 1970er‑Jahren formuliert, dass ein Unternehmen der Gesellschaft dienen muss – dieser Gedanke prägt uns bis heute und ist die Basis unserer globalen Umweltvision

Konkret bedeutet das: Wir schauen zuerst auf uns selbst. Panasonic verfolgt das Ziel, die eigenen CO₂‑Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette konsequent zu senken – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Betrieb unserer Standorte. In Europa setzen wir dabei stark auf erneuerbare Energien, etwa durch Photovoltaikanlagen an unseren Standorten, und auf eine zunehmend klimaneutrale Produktion. Unser Wärmepumpenwerk in Pilsen in Tschechien wird aktuell als Net‑Zero‑Fabrik positioniert.

Gleichzeitig wissen wir: Unser größter Hebel liegt nicht nur in unserem eigenen Footprint, sondern vor allem in dem, was wir mit unseren Technologien in der Gesellschaft bewirken. Als Anbieter von Heiz‑, Kühl‑ und Wärmepumpenlösungen tragen wir direkt zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors bei – einem der entscheidenden Schlüsselbereiche der Energiewende. Unsere Systeme nutzen erneuerbare Energien, arbeiten mit natürlichen oder besonders klimafreundlichen Kältemitteln wie R290 und erreichen eine sehr hohe Energieeffizienz. Dadurch helfen wir Kunden, Emissionen dauerhaft und messbar zu senken.

Was uns antreibt, ist die Kombination aus Verantwortung und Gestaltungsspielraum. Wir sind überzeugt, dass technologische Innovation ein zentraler Teil der Lösung für den Klimawandel ist – und dass wir als Unternehmen die Pflicht haben, diesen Beitrag aktiv zu leisten. Unser erklärtes Ziel ist es, bis 2050 durch eigene Maßnahmen und durch unsere Produkte weltweit mindestens 300 Millionen Tonnen CO₂ zu vermeiden oder einzusparen.

Für uns heißt Nachhaltigkeit daher nicht Verzicht, sondern Fortschritt: besseres Leben, moderne Technologien und Klimaschutz gemeinsam zu denken – und genau daran arbeiten wir jeden Tag.

Panasonic Aquarea Außen- und Innengerät

Alexander Ghezzo: Ein konkretes Thema auf dem Immobilientag ist die Sanierung des Bestands – dort steckt das größte Potenzial, aber auch die größten Hürden. Welche Lösung bietet Panasonic speziell für schwierige Sanierungsumgebungen?

Roland Kerschbaum: Das ist tatsächlich die technisch anspruchsvollste Aufgabe. Viele Bestandsgebäude haben alte Heizkörper, beengte Technikräume, keine Möglichkeit für aufwendige Leitungsführung – und trotzdem müssen sie dekarbonisiert werden. Für genau diese Situation haben wir zwei Produkte entwickelt, die ich besonders hervorheben möchte.

Das erste ist der Aquarea Loop – eine dezentrale Wasser-Luft-Wärmepumpe, die über einen zentralen Niedertemperatur-Wasserkreislauf von 20 bis 30 Grad funktioniert. Das System kann mit vorhandenen Rohrleitungen installiert werden, ersetzt herkömmliche Heizkörper und lässt sich in bestehende zentrale Wärmequellen integrieren. Die Inneneinheit ist nur 140 mm tief – das ist ein entscheidender Vorteil in Sanierungsprojekten mit begrenztem Platz. Geeignet ist das System nicht nur für Wohngebäude, sondern auch für Hotels, Krankenhäuser und Gewerbeimmobilien.

Das zweite ist der RAC Solo – eine Luft-Luft-Wärmepumpe, die völlig ohne Außengerät auskommt. Für die Installation sind lediglich zwei kleine Öffnungen in der Außenwand notwendig. Für Gebäude, bei denen Außengeräte aus optischen, denkmalschutzbezogenen oder platzbedingten Gründen nicht möglich sind, ist das oft die einzige umsetzbare Lösung.

Alexander Ghezzo: Stichwort Kältemittel – das Thema Propan, also R290, ist in der Branche angekommen, aber viele wissen noch nicht genau, was es für Planung und Installation bedeutet. Was ändert sich konkret?

Roland Kerschbaum: R290 hat einen globalen Erwärmungspotenzial-Wert von nur 3 – zum Vergleich: herkömmliche synthetische Kältemittel liegen bei einem Vielfachen davon. Das macht R290 aus regulatorischer und ökologischer Sicht zur klaren Zukunftsoption. In unserer Aquarea T-CAP M Series setzen wir bereits vollständig auf R290. Ein wesentlicher praktischer Vorteil: Die hydraulische Verbindung zwischen Innen- und Außeneinheit kommt ohne Kältemitteleintrag ins Gebäude aus. Das bedeutet, es ist keine F-Gas-Zertifizierung für die Installation erforderlich – ein erheblicher Vorteil bei der Planung und Ausführung durch Fachhandwerksbetriebe.

Die M Series ist dabei in Leistungsgrößen von 9 bis 30 kW verfügbar, erreicht Energieeffizienzklasse A+++ bei 35 Grad Vorlauftemperatur und liefert Heizleistung bis zu -28 Grad Außentemperatur. Die Vorlauftemperatur kann bis auf 75 Grad angehoben werden – was die Lösung auch für unsanierte Altbauten mit konventioneller Wärmeverteilung tauglich macht.

Alexander Ghezzo: Für größere Wohnbauprojekte und Mehrfamilienhäuser stellt sich die Frage der Skalierbarkeit. Wie geht Panasonic mit dem Thema Systemgröße und Speicherkapazität um?

Roland Kerschbaum: Das ist ein Bereich, in dem wir unser Angebot zuletzt deutlich ausgebaut haben. Die Aquarea All-in-One Innengeräte gibt es jetzt in drei Speichergrößen – 120, 185 und 260 Liter – bei einer identischen Stellfläche von nur 599 × 602 mm. Die Geräte sind werksseitig komplett vormontiert, inklusive Hocheffizienzpumpe, Drei-Wege-Ventil, Magnetfilter und 9-kW-Heizstab. Der Montageaufwand vor Ort reduziert sich dadurch erheblich – was bei der Skalierung auf viele Einheiten wirtschaftlich relevant ist.

Für noch größere Systeme – etwa in Hotels, Supermärkten oder Wohngebäuden mit zentraler Versorgung – bietet der Aquarea Cascade Edge eine Steuerungslösung für Kaskadensysteme mit bis zu zehn Aquarea-Außengeräten. Die Lösung kombiniert lokale und webbasierte Fernsteuerung über P-Smart Edge mit standortübergreifender Verwaltung über P-Smart Nexus. Facilitymanager können Energieverbrauch und Betriebszustand aller Anlagen in Echtzeit einsehen – von überall, per Smartphone oder Laptop.

Panasonic FK1 Innengerät S19

Alexander Ghezzo: Biodiversität und Raumluftqualität sind beim diesjährigen Immobilientag eigene Themenpunkte – Gebäude sollen nicht nur energieeffizient sein, sondern auch gesund. Welche Antwort hat Panasonic auf das Thema Innenraumqualität?

Roland Kerschbaum: Mit dem FK1 Wandkonvektor haben wir ein Gerät entwickelt, das Heizen, Kühlen und Luftreinigung in einem vereint. Der FK1 ist ein wassergeführter Gebläsekonvektor – eine kompakte Alternative zu Fußbodenheizungen, die besonders dort relevant ist, wo bauliche Einschränkungen eine Flächenheizung unmöglich machen.

Integriert ist der nanoe™ X Mark 3 Generator, der bis zu 48 Billionen Hydroxylradikale pro Sekunde freisetzt. Diese neutralisieren nachweislich Viren, Bakterien, Pollen, Allergene, Schimmelsporen und Gerüche – rund um die Uhr, auch wenn das Gerät nicht im Heiz- oder Kühlbetrieb läuft. Die Technologie ist nach VDI 6022 zertifiziert und für Allergiker geeignet. Für Projekte mit Fokus auf Nutzerwohlbefinden – Pflegeeinrichtungen, Hotels, Wohnprojekte mit hohem Qualitätsanspruch – ist das ein konkretes, messbares Argument.

Alexander Ghezzo: Fossile Heizungen ersetzen heißt auch Warmwasserversorgung neu denken. Gibt es eine Lösung, die beides – Heizung und Warmwasser – vollständig elektrisch abdeckt, ohne zwingend eine Luft-Wasser-Wärmepumpe zu erfordern?

Roland Kerschbaum: Ja – und das ist eine Lücke, die wir bewusst geschlossen haben. Viele Menschen suchen heute eine erschwingliche Möglichkeit, ihre Öl- oder Gasheizung zu ersetzen, ohne den Aufwand und die Kosten einer vollständigen Wärmepumpenanlage. Dafür haben wir die Kombination aus Power Heat Multi – einem Multisplit-Luft-Luft-System mit SCOP 4,6 und Heizleistung bis -25 Grad – und den neuen Aquarea Brauchwasser-Wärmepumpen entwickelt.

Die Brauchwasser-Wärmepumpen sind in sechs Varianten von 100 bis 260 Litern verfügbar, erreichen Energieeffizienzklasse A+ und arbeiten bis -7 Grad ohne Heizstab. Die Bodenvarianten verfügen über einen zusätzlichen Wärmetauscher für die Integration einer Photovoltaikanlage. Das Ergebnis ist ein vollständig elektrisches System für Heizung und Warmwasser – ohne Gasanschluss, ohne Öltank, mit deutlich reduziertem Wartungsaufwand.

Alexander Ghezzo: Ein wachsendes Thema für Bauträger und Hausverwaltungen ist der Serviceaufwand nach der Inbetriebnahme. Wie löst Panasonic das Problem der laufenden Betreuung von Wärmepumpenanlagen im Bestand?

Roland Kerschbaum: Das ist ein Punkt, der in der Planung oft unterschätzt wird. Eine Wärmepumpe ist kein wartungsfreies Gerät – und gerade in Phasen hoher Auslastung, also im Winter, sind Servicekapazitäten beim Fachhandwerk knapp. Mit Aquarea Service+ bieten wir ein cloudbasiertes Servicepaket an, das dieses Problem adressiert.

Die Grundlage ist die Anbindung der Aquarea-Systeme an die Panasonic Cloud. Bei einer Störung wird automatisch benachrichtigt, das System kann aus der Ferne analysiert und häufig auch zurückgesetzt werden – ohne dass ein Techniker vor Ort sein muss. Für Bauträger bedeutet das konkret: Technische Fragen und Störungen in der Gewährleistungszeit werden von Panasonic direkt mit dem Endkunden abgewickelt, ohne dass der Bauträger involviert sein muss.

Das Angebot ist in drei Paketen verfügbar – Comfort, Smart und Premium – mit gestaffelten Leistungen von der Jahreswartung bis zur Garantieverlängerung auf fünf Jahre und priorisiertem Support.

Panasonic Aquarea Home App und Panasonic Aquarea Service+

Alexander Ghezzo: Zum Abschluss: Der Markt kommt laut unserem Advisory Board zurück – aber nicht wie früher. Projektentwicklung bleibt schwierig, ESG und Taxonomie gewinnen an Gewicht. Was raten Sie Immobilienverantwortlichen, die jetzt Entscheidungen über Heizsysteme treffen müssen?

Roland Kerschbaum: Wer jetzt plant, sollte zwei Dinge im Blick behalten. Erstens: Die regulatorischen Anforderungen verschärfen sich weiter – an Energieeffizienz, an Kältemittel, an Dokumentation. Systeme, die heute verbaut werden, müssen noch in zehn oder fünfzehn Jahren taxonomiekonform sein. R290 als Kältemittel, hohe SCOP-Werte, EPD-Dokumentation – das sind keine Nice-to-haves, sondern zunehmend Voraussetzungen für Finanzierungen und Zertifizierungen.

Zweitens: Die smarte Steuerung wird unterschätzt. Mit der Aquarea Home App können Nutzer Heizung, Kühlung und Warmwasser zonenweise und zeitgesteuert verwalten – das senkt den Energieverbrauch im Betrieb messbar. In Kombination mit dem Aquarea Cascade Edge für größere Anlagen entsteht eine Transparenz über Energieverbräuche, die für das Reporting im ESG-Kontext direkt verwertbar ist. Wer das heute einplant, spart sich später aufwendige Nachrüstungen.

Panasonic Heating & Cooling Solutions ist Sponsor des 7. Ghezzo Immobilientags. Weitere Informationen zum Produktportfolio unter www.aircon.panasonic.eu

 

Zurück