Wärmeplanung ohne Gesetz: trotzdem den Überblick gewinnen
Wer eine Gemeinde klimaneutral heizen will, braucht zuerst verlässliche Daten. Wo wird wie viel Energie verbraucht, welche Gebäude kommen für Fernwärme in Frage, wo lohnt sich der Ausbau erneuerbarer Energie? In Deutschland regelt das mittlerweile ein eigenes Gesetz, in Österreich liegt die Verantwortung bei den Gemeinden selbst. Mirko Warzecha von Mensch und Maschine erklärt, welche Werkzeuge es dafür braucht und wo Datenschutz und Datensouveränität zur echten Hürde werden.
Alexander Ghezzo: In Deutschland gibt es das kommunale Wärmeplanungsgesetz. In Österreich ist die Lösung sehr dezentral. Was können Österreichs Gemeinden schon aus der deutschen Umsetzung lernen?
Mirko Warzecha: Auch in DE ist die Umsetzung Ländersache. Jedes Bundesland kann selbst steuern, wie und wann die Daten erhoben werden. Grundsätzlich ist immer die zentrale Frage, wer hat diese Daten und wie komme ich an diese Daten. Die Beteiligten sind eine Vielzahl an Personenkreisen und die rechtlichen Aspekte (Stichwort DSGVO) sollten nicht vergessen werden.
Alexander Ghezzo: Welchen Beitrag kann MuM dabei leisten?
Mirko Warzecha: Die MuM kann in diesem Umfeld die Werkzeuge liefern diese Daten zu verarbeiten und zu visualisieren. Durch die offenen Schnittstellen können die Daten Use-Cases zu gewiesen und analysiert werden. Das hängt dann an den Gemeinden und Bezirken.
Alexander Ghezzo: Bei den Simulationen: was waren überraschende Ergebnisse für dich?
Mirko Warzecha: Durch die Auswertungen der Daten entstanden sehr gute Grundlagen für weitere Anwendungsfälle. Da Feld, welches zum Anfang bespielt wurde, erzeugte weitere Ideen wie zum Beispiel der Fernwärmeausbau, Quartierskonzepte, etc.
Alexander Ghezzo: Wo sind die größten Hindernisse und Hebel?
Mirko Warzecha: Die Datenerhebung ist ein sehr langwieriger Prozess mit vielen Beteiligten. Das wiederum erzeugt ein gewisses Maß an Liquidität bei den Kommunen. Auch die unterschiedlichen Standards zwischen den Bundesländern erzeugt nicht immer eine Vergleichbarkeit zwischen ähnlichen Städten. Rechtlich ist die Herausforderung die Datenbeschaffung wegen der DSGVO und das eine gebäudescharfe Information an Externe Personen verboten ist.
Alexander Ghezzo: Beim Einsatz regenerativer Energie spielt die Digitalisierung eine ganz besonders wichtige Rolle. Wie steht es dabei um die digitale Kompetenz und Infrastruktur in den Gemeinden?
Mirko Warzecha: Hier ist ganz klar zu erkennen, dass noch nicht alle Gemeinden auf die Digitalisierung setzen. Es gibt immer wieder Gemeinden, die das Potential ausnutzen.
Das ist nach unserer Erfahrung aber noch der kleinere Teil. Die Tools, die heute am Markt sind, können oft helfen den Einsatz an regenerativer Energie zu unterstützen. Sie sind auch skalierbar für kleinere Gemeinden bzw. Gemeindeverbänden.
Alexander Ghezzo: Welches Potential hat die KI dabei? Sie ist ja irgendwo zwischen dem „Blechtrottel“ und dem „Orakel von Delphi“?
Mirko Warzecha: Die KI bzw. das Potential der KI wächst fast täglich. Allerdings hat man nun gemerkt, dass die Datengrundlage entscheidend ist, ob es ein Orakel wird oder der angesprochene Blechtrottel. Wir müssen die KI noch "füttern" bevor wir wirklich gute Einsatzmöglichkeiten haben die KI sinnvoll zu nutzen.
Alexander Ghezzo: Wie beurteilst du das Thema Datensouveränität?
Mirko Warzecha: Es ist ein sehr wichtiges und komplexes Thema. Ich denke, hierbei nicht nur an den Speicherort, sondern auch das eine Transparenz bei den Daten gegeben ist. Zumindest wenn ich die Daten verarbeiten soll. Ebenso spielt die rechtliche Frage eine sehr große Rolle. Wer darf auf die Daten zugreifen, sie analysieren, etc. Diese Punkte sollten immer im Kopf sein und mit den jeweiligen Beteiligten diskutiert werden.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte: Mirko Warzecha von Mensch und Maschine spricht bei Municipal Trends und steht dort für Fragen zur Verfügung. Vernetzen kann man sich aber auch schon jetzt – über LinkedIn oder direkt über mum.at.

