Vom geretteten Lebensmittel zum Hotelprodukt

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Jedes Jahr landen große Mengen genießbarer Lebensmittel im Abfall. Gleichzeitig suchen Hotels und Gastronomiebetriebe nach nachhaltigen Produkten, die sich unkompliziert in den Betrieb integrieren lassen und Gästen einen echten Mehrwert bieten.

Das Wiener Startup Bananig verbindet beides. Aus geretteten Bananen entsteht veganes Bananenbrot, das bereits in Cafés und Hotels angeboten wird. Gründer Levi Taglieber spricht über Lebensmittelrettung, soziale Verantwortung und darüber, warum Nachhaltigkeit manchmal überraschend einfach sein kann.

 

Alexander Ghezzo: Was ist Bananig?

Levi Taglieber: Wir sind ein Wiener Startup und machen veganes Bananenbrot aus geretteten Bananen. Dafür verwenden wir Bananen, die es nicht in den Supermarkt schaffen, weil sie zu reif sind, nicht der Norm entsprechen oder schlicht Überschussware sind. Daraus machen wir dann das beste Bananenbrot Wiens, das köstlichen Geschmack und Nachhaltigkeit vereint.

Wir beliefern derzeit schon einige Wiener Gastronomiebetriebe, darunter Specialty-Coffee-Shops und Hotels. Unser Bananenbrot liefern wir bereits gebacken und tiefgekühlt alle zwei Wochen, sodass unsere Partner*innen das Brot ganz nach Bedarf bestellen, auftauen und anbieten können.

Außerdem gehören ökologische und soziale Nachhaltigkeit für uns zusammen: Pro Kilo Bananenbrot, das wir verkaufen, spenden wir eine Portion an bedürftige Personen. Hier kooperieren wir mit dem neunerhaus Café und der Gruft der Caritas Wien.

Alexander Ghezzo: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Levi Taglieber: Der Anfang von Bananig war eigentlich recht simpel: Ich stand im Supermarkt vor dem Obstregal und habe braune Bananen gesehen. Völlig in Ordnung, aber offensichtlich hatte sie niemand mehr genommen. Da habe ich mich gefragt: Was passiert eigentlich mit denen? Und welche Initiativen gibt es schon gegen Lebensmittelverschwendung? Nach einer kurzen Marktrecherche war mir klar: es gibt durchaus Unternehmen, die Lebensmittel retten und zu Produkten weiterverarbeiten. Jedoch hat keines dieser Unternehmen aussortierte Bananen weiter zu Produkten verarbeitet. So war die Idee zu Bananig geboren.

Zudem koche und backe ich selbst sehr gern. Also habe ich angefangen, eine Lösung zu entwickeln. Erst habe ich quer durch Wien alle Bananenbrote probiert, die ich finden konnte und dann unser eigenes entwickelt - so lange, bis es besser war als alles, was ich probiert hatte. Heute bekommen wir genau diese Rückmeldung von unseren Kund*innen und darauf bin ich stolz.

Im Juli 2025 habe ich dann die ersten Bananenbrote an ein paar Cafés und Hotels in Wien geliefert. Seitdem sind viele dazugekommen und wir verbessern sowie erweitern unser Angebot stetig, angepasst an das Feedback unserer tollen Kund*innen.

Alexander Ghezzo: Wie funktioniert Euer Prozess und welche Allianzen braucht Ihr?

Levi Taglieber: Unsere Bananen werden bereits auf den Anbauplantagen aussortiert, weil sie zu reif, unförmig oder Überschuss sind. Hier arbeiten wir mit einem familiengeführten Produzenten in Guatemala zusammen. Dort werden diese Überschuss-Bananen und Bananen, die die optischen Handelsnormen nicht erfüllen, in einer eigenen Anlage zu hochwertigstem Püree verarbeitet.

Gebacken wird in Wien bei einer etablierten Partner-Bäckerei, nach unserem Rezept. Von dort geht unser Bananenbrot tiefgekühlt zu unseren Partner*innen, die das Bananenbrot dann ihren Kund*innen anbieten. Wie bereits erwähnt, spenden wir für jedes Kilo, das wir verkaufen eine Portion Bananenbrot und liefern diese Brote auch direkt an das neunerhaus Café und die Gruft.

Alexander Ghezzo: Was haben Hoteliers und Caféhäuser davon, mit Euch zusammenzuarbeiten?

Levi Taglieber: Ein veganes Angebot, das niemand als Kompromiss erlebt. Die meisten Häuser haben pflanzliche Optionen, um einfach irgendwie die Nachfrage abzudecken. Unser Bananenbrot wird jedoch bestellt, weil die Gäste bei unseren Partner*innen es wirklich wollen. Dass unser Bananenbrot vegan ist, fällt einem nicht durch den Geschmack auf, sondern nur, wenn man die Zutatenliste überprüft.

Zudem bieten wir eine gewisse Convenience und unser Produkt kann ohne großen Aufwand in den Gastronomie-Alltag integriert werden. Unser Bananenbrot muss nicht gebacken, sondern nur aufgetaut werden - ganz nach individuellem Bedarf. Dadurch verhindern wir wiederum Lebensmittelverschwendung und die Betriebe können genau berechnen, was sie mit unserem Produkt verdienen.

Zu guter Letzt ist das Bananig Bananenbrot nicht nur eine Backware, sondern bringt eine Story mit, wie Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, sondern auch sozial gedacht wird. Sie bekommen somit eine Geschichte, die sie an ihre Gäste weitergeben können und die zeigt, für welche Werte Sie stehen.

Alexander Ghezzo: Wie lebt Ihr bei Euch im Team das Thema Nachhaltigkeit?

Levi Taglieber: Es sind eher viele Kleinigkeiten: Wir fahren viel mit dem Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln, in Wien geht das schließlich sehr gut. Beim Einkauf achten wir auf Regionalität und Saisonalität, wo es geht. Zudem überlegen wir uns vorher genau, ob Käufe wirklich notwendig sind und ob es dafür vielleicht auch Secondhand-Optionen gibt, wie beispielsweise auf willhaben oder Vinted. Und wir achten natürlich besonders darauf, dass kein Essen im Müll landet.

Selbstverständlich sind wir auch sehr stolz darauf, Nachhaltigkeit als Teil unseres Jobs betrachten und leben zu können.

Alexander Ghezzo: Was steht bei Euch noch auf dem Speiseplan der Innovation?

Levi Taglieber: Derzeit bieten wir nur eine Sorte Bananenbrot an: unsere klassische Sorte, mit einem Hauch Zimt und Schokoladenstückchen. Ab Oktober sollen zwei neue Sorten dazu kommen, unter anderem etwas Fruchtiges – um schon mal einen Vorgeschmack zu geben.

Ebenso arbeiten wir gerade daran, unser Bananenbrot als Mini-Portion verfügbar zu machen, sodass es optimal für Events oder Seminare, beispielsweise in Hotels, genutzt werden kann.

Mittelfristig wollen wir unser Bananenbrot und Angebot nicht nur in Wien behalten, sondern auch in die anderen Bundesländer expandieren. Denn jeder* neue Partner*in bedeutet automatisch mehr gerettete Bananen und mehr gespendete Portionen. Mehr Wachstum bedeutet bei uns auch mehr Wirkung.

Wachstum bedeutet bei uns auch mehr Wirkung.

Alexander Ghezzo: Welche Tipps gegen Lebensmittelverschwendung hast Du für Hoteliers und Caféhausbetreiber*innen?

Levi Taglieber: Ehrlich gesagt bin ich der Falsche für Betriebstipps. Ich führe kein Hotel und keine Küche. Was ich habe, sind Zahlen, weil ich mich sehr gerne damit beschäftige. Und ein paar davon haben mich selbst überrascht:

In der österreichischen Außer-Haus-Verpflegung fallen jährlich rund 175.000 Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle an, davon 50.000 Tonnen in der Beherbergung und 45.000 in der Gastronomie. Das entspricht einem Warenwert von rund 320 Millionen Euro pro Jahr, im Schnitt 5,2 Tonnen und 9.600 Euro pro Betrieb.

Eine Untersuchung mit der Universität für Bodenkultur hat gezeigt, dass die vermeidbaren Abfälle in Testbetrieben zwischen 5 und 45 Prozent lagen. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen, welche Lebensmittel im Abfall landen.

Beindruckt hat mich auch eine Feldstudie aus Finnland, weil die angewandten Maßnahmen so einfach waren. Der Tellerdurchmesser am Buffet wurde von 24 auf 21 Zentimeter reduziert und das allein senkte den Abfall um fast 20 Prozent. Dieselbe Studie hat auch ergeben, dass ein Tischschild, welches Gäste ausdrücklich ermutigt, lieber mehrmals zu holen anstatt nur einmal, viel bewirken kann. Ergebnis: 21 Prozent weniger Abfall.

Das Erstaunliche an all dem ist, wie unspektakulär es ist. Kein Gerät, keine Software, kein Beratungsprojekt. Ein kleineres Geschirr, ein Schild, und genau schauen, was tatsächlich im Müll landet.

Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass viele von Ihren Häuser längst Maßnahmen haben, die weit über das hinausgehen, was ich hier aufzählen kann. Dinge, die im Alltag entstanden sind, sich über Jahre bewährt haben und nirgendwo aufgeschrieben stehen. Genau diese würden mich selbst sehr interessieren und ich hoffe auch auf Austausch dazu in der Zukunft.

Deshalb eine Bitte zum Schluss: Erzählen Sie einander davon. Lebensmittelverschwendung ist kein Thema, bei dem Wissen ein Wettbewerbsvorteil sein sollte - im Gegenteil. Das Know-How hat erst dann große Wirkung, wenn es weitergegeben wird. Jede Maßnahme, die eine Kollegin oder ein Kollege übernimmt, spart langfristig Ressourcen.

Treffen Sie Bananig auf der Hotel Optimal City am 22.10 in Wien: Programm 2026

Wie lassen sich Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden? Welche Rolle spielen Lebensmittelrettung und soziale Verantwortung in der Gastronomie? Und wie können Hotels Lebensmittelabfälle reduzieren?

Treffen Sie die Menschen hinter Bananig auf der Hotel Optimal Holiday und diskutieren Sie praktische Ansätze für mehr Nachhaltigkeit in Hotellerie und Gastronomie.

 

 

Quellen: https://www.global2000.at/united-against-waste Kallbekken & Sælen (2013), „Nudging hotel guests to reduce food waste as a win–win environmental measure"

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