Second-Hand sagt Ja! Revels macht den Hochzeitsmarkt zirkulär

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Ein Kleid, das tausende Liter Wasser verschlingt, aus einer intransparenten Lieferkette stammt und nur ein einziges Mal getragen wird? Gründerin Stephanie Gruber fand das 2024 bei der Suche nach ihrem eigenen Brautkleid nicht mehr zeitgemäß – und startete revels, eine spezialisierte Plattform für den Wiederverkauf hochwertiger Brautmode.
Im Interview spricht sie über kulturelle Vorurteile gegen Second Hand, digitale Barrieren beim Brautkleidkauf und warum sie an eine Zukunft glaubt, in der Kreislaufwirtschaft nicht Verzicht bedeutet, sondern bessere Wahlmöglichkeiten für alle.

Vincent Hahne: Was war die Geburtsstunde Ihrer Idee?

Stephanie Gruber: Die Geburtsstunde meiner Idee war die Suche nach meinem eigenen Brautkleid aus zweiter Hand im Jahr 2024. Ich habe festgestellt, wie schwierig es ist ein Second Hand Kleid zu kaufen. Herkömmliche Wiederverkaufsplattformen haben eingeschränkte Funktionalitäten (zB. keine entsprechenden Filter für Körpergröße und co). Deswegen ist die Suche sehr zeitintensiv und mühselig. Darüber hinaus gibt es nur ganz wenige Möglichkeiten in Österreich Brautmode auf zweiter Hand in physischen Geschäften zu kaufen.

Das hat mich aus vielerlei Gründen geärgert. Vorrangig weil es Menschen schwerer gemacht wird second hand zu kaufen, als sich für Primärware zu entscheiden. De facto hat man als Konsumentin wenig bis keine Wahl. Zweitens weil es sich bei einem Brautkleid um ein irrsinnig aufwändiges und teures Produkt handelt mit einer irrsinnig intransparenten Lieferkette, das in seinem Kern ein Einwegprodukt ist. Das empfinde ich als absurd und wirklich nicht zeitgemäß.

Vincent Hahne: Wie hilft Ihre Lösung dabei, Kreislaufwirtschaft umzusetzen?

Stephanie Gruber: Meine Plattform fördert Reuse, weil es Brautkleider zurück in den Kreislauf bringt, sowie Reduce, da durch weniger Konsum von Primärware Materialien- und Wasserverbrauch und damit Emissionen eingespart werden.

Vincent Hahne: Was hebt Sie von Ihren Mitbewerber*innen ab?

Stephanie Gruber: Wir sind eine hochspezialisierte Plattform, die exakt auf den Kauf und Verkauf von Brautkleidern zu geschnitten ist. Wir kennen die Zielgruppe, wissen worauf es ankommt beim Brautkleid-Kauf und bieten Kundinnen eine High-End Lösung ohne Werbung.

Vincent Hahne: Vor welchen Hürden stehen Sie aktuell?

Stephanie Gruber: In Österreich ist das Stigma und die Vorurteile zu einem Brautkleid aus zweiter Hand noch eine sehr große Hürde. Während es in Deutschland bereits sehr “normal” ist Second Hand Brautmode zu kaufen. Dort gibt es in jeder mittelgroßen Stadt einen physischen Laden dafür. In Österreich ist das Thema noch nicht wirklich präsent.

Meine Hoffnung ist, dass diese Mentalität zu uns überschwappt. Mit revels wollen wir zukünftigen Bräuten Kleider aus zweiter Hand zugänglich machen. Mit einer werbungsfreien Plattform, mit vielen Filter-Möglichkeiten und einer hochwertigen, stilvollen Präsenz. Dabei können Kundinnen für Markenkleider im Durchschnitt 53% sparen, tun damit also nicht nur dem Planeten etwas gutes, sondern auch ihrer Geldbörse. Darüber hinaus ist sogar jedes sechste Kleid auf revels komplett neu und wurde nie getragen. Aus zweiter Hand bedeutet also nicht immer automatisch, dass es schon mal getragen wurde. Auch das wissen sehr viele nicht.

Vincent Hahne: Was treibt Sie persönlich an, sich dem Thema zu widmen?

Stephanie Gruber: Ich glaube fest daran, dass viele Menschen eine “bessere” Wahl treffen würden, wenn sie eine gleichwertige oder bessere Möglichkeit haben.

Ich befasse mich - aus privater Natur - bereits mein halbes Leben lang mit dem Thema Nachhaltigkeit im Mode-Bereich und kaufe seit rund 5 Jahren meine Kleidung nur noch Second Hand. Mit 10% der globalen Emissionen, die die Fashion-Industrie verursacht, braucht es hier leicht zugängliche, ansprechende Lösungen und einen Mindset-Shift bei den Konsumentinnen und Konsumenten.

Als ich die erste Version von revels im September 2024 gelaunched habe und binnen 10 Wochen mehr als 100 Kleider online waren - und das obwohl uns de facto niemand kannte - wusste ich, hier gibt es ein Angebot, dass man breiter zugänglich machen muss.

Vincent Hahne: Was wünschen sie sich von Politik und Gesellschaft im Punkto Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft?

Stephanie Gruber: Von der Gesellschaft wünsche ich mir mehr Reflexion und Bewusstsein beim Kauf von Textilien. Wir haben aktuell genug Kleidung als Gesellschaft, um die kommenden 6 Generationen auszustatten. Die erste Frage sollte also immer sein, brauche ich dieses Stück wirklich oder gibt es vielleicht andere Möglichkeiten? Zum Beispiel ein Stück ausborgen, tauschen oder es Second Hand zu erwerben. Der zweite Punkt sollte immer der Invest in hochwertige Stücke sein. Einerseits weil sie länger halten, andererseits weil sie dementsprechend auch leichter wiederverkauft werden können, wenn sie nicht mehr passen oder nicht mehr getragen werden.

Von der Politik würde ich mir zwei Dinge wünschen: Erstens, dass das Thema Nachhaltigkeit als das Querschnittsthema betrachtet wird, das es ist. Also das jedes Ministerium, als Expertin auf seinem Gebiet, eigenen Maßnahmen und Initiativen leisten muss, um die Klimaziele zu erreichen. Nachhaltigkeit soll kein

Alleinkämpfer Thema sein, weder in der Gesellschaft noch in der Politik. Wir würden viel mehr Wirkung erzielen, wenn wir alle ein bisschen was machen würden, als die Last von einigen wenigen tragen zu lassen. Am Ende des Tages wollen wir aber alle auf diesem Planeten leben.

Zweitens, würde ich mir wünschen von der Politik in der Zukunft mehr Visionen und zukunftsfähige Bilder zu zeichnen, wie wir als Gesellschaft leben können. Der politische Diskurs und unsere Wahlkämpfe der letzten Jahre waren sehr gezeichnet von Verboten, Horrorszenarien und co. Fakt ist, wir können als Gesellschaft nicht mehr so weiter agieren und leben, wie wir es die letzten 50 Jahre getan haben. Ich verstehe es als Aufgabe der Politik Visionen aufzuzeigen, wie unsere Zukunft aussehen kann, sodass sich Bürgerinnen und Bürger diese vorstellen können und sich für Dinge entscheiden, als permanent mit Angst und Verboten konfrontiert zu sein.

Revels hat zum CTC Award 2025 eingereicht. Jetzt ist die Frist für nächstes Jahr offen. Reichen Sie ein!

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