Sanierung, Modulbau und frühe Planung prägen die Zukunft der Immobilienbranche
Die Herausforderungen der vergangenen Jahre haben die Bau- und Immobilienbranche verändert. Projekte werden kritischer geprüft, Finanzierungen komplexer und Nachhaltigkeitsanforderungen konkreter. Gleichzeitig entstehen neue Chancen – insbesondere im Bestand, in der Sanierung und bei industriell vorgefertigten Bauweisen. Im Gespräch beim Ghezzo Immobilientag erläutert Michael Jahodinsky von Würth Österreich, warum technisches Know-how, frühe Planung und verlässliche Partnerschaften heute entscheidende Erfolgsfaktoren sind.
Alexander Ghezzo: Handwerk rockt! Was für ein schöner Claim und so passend zu Wissen rockt! Wie füllen Sie diese Worte mit Leben?
Michael Jahodinsky: „Handwerk rockt!“ trifft für uns genau den Kern. Denn Handwerk ist nicht nur Arbeit mit den Händen – es ist Leidenschaft, Können, Präzision und ganz viel Verantwortung. Bei Würth Österreich erleben wir jeden Tag, mit wie viel Einsatz, Kreativität und Professionalität Menschen im Handwerk anpacken und Dinge möglich machen.
Diese Worte mit Leben zu füllen, heißt für uns vor allem: echte Wertschätzung zeigen. Für die Leistungen des Handwerks, für die Menschen dahinter und für ihren Beitrag zu unserem Alltag und zu unserer Zukunft. Ob auf der Baustelle, in der Werkstatt oder im Service – das Handwerk hält unser Land am Laufen.
Als Partner des Handwerks wollen wir genau das unterstützen: mit Produkten und Services, auf die man sich verlassen kann, mit persönlicher Nähe und mit dem Anspruch, den Arbeitsalltag unserer Kundinnen und Kunden spürbar einfacher zu machen. Gleichzeitig möchten wir Begeisterung für das Handwerk stärken – nach innen wie nach außen.
Denn gerade in Zeiten großer Veränderungen wird sichtbar, wie relevant das Handwerk wirklich ist: für Innovation, für Lebensqualität und auch für eine nachhaltige Zukunft. Wenn wir über Sanierung, Energieeffizienz oder langlebige Lösungen sprechen, dann sprechen wir immer auch über Menschen im Handwerk, die diese Zukunft ganz praktisch umsetzen.
„Handwerk rockt!“ heißt für uns deshalb: Das Handwerk verdient Aufmerksamkeit und starke Partner an seiner Seite – und genau das wollen wir bei Würth jeden Tag leben.
Alexander Ghezzo: Die letzten Jahre waren für die Bau- und Immobilienbranche schwierig. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und welche Prognosen haben Sie?
Michael Jahodinsky: Die letzten Jahre waren für die Bau- und Immobilienbranche in vielerlei Hinsicht eine Belastungsprobe. Die wirtschaftliche und geopolitische Lage, steigende Kosten, Unsicherheiten in der Finanzierung und eine insgesamt größere Zurückhaltung bei Investitionen haben den Markt deutlich erschwert. Viele Projekte werden heute vorsichtiger bewertet, verschoben oder in ihrer Dimension angepasst.
Gleichzeitig zeigt diese Phase sehr klar, worauf es in einem volatilen Umfeld ankommt: auf Verlässlichkeit, partnerschaftliche Zusammenarbeit und echten persönlichen Kontakt. Trotz aller digitalen Möglichkeiten erleben wir, dass gerade in schwierigen Zeiten der direkte Austausch noch wichtiger wird. Kundinnen und Kunden suchen nicht nur Produkte und Lösungen, sondern Orientierung und Vertrauen.
Für uns bedeutet das, dass wir uns konsequent an die Marktgegebenheiten anpassen müssen – mit einem klaren Blick auf die tatsächlichen Bedürfnisse am Markt. Wir sind überzeugt, dass es wieder zu einem Aufschwung kommen wird. Entscheidend ist aber, dass dieser Aufschwung nicht einfach eine Rückkehr zum Alten ist, sondern mit neuen Anforderungen verbunden sein wird: wirtschaftlich tragfähig, ressourcenschonender und langfristig gedacht.
Genau hier sehen wir großes Potenzial im Bereich Sanierung. Aus unserer Sicht wird die Sanierung in den kommenden Jahren eines der zentralen Themen der Branche sein. Wir beobachten schon jetzt, dass die Nachfrage in diesem Bereich deutlich zunimmt. Gleichzeitig rücken Fragen wie Energieeffizienz, Werterhalt, Modernisierung bestehender Gebäude und ein bewussterer Umgang mit Flächenversiegelung stärker in den Mittelpunkt.
Das ist auch aus Nachhaltigkeitssicht ein wichtiger Wandel: Der Fokus verschiebt sich stärker auf den Bestand, auf langlebige Lösungen und auf die intelligente Nutzung vorhandener Ressourcen. Nicht immer ist Neubau die beste Antwort – oft liegt die nachhaltigere Lösung darin, Bestehendes weiterzuentwickeln und zukunftsfit zu machen.
Unsere Prognose ist deshalb: Kurzfristig bleibt das Umfeld anspruchsvoll, aber mittel- und langfristig sehen wir gerade in der Sanierung und in nachhaltigen Bestandslösungen klare Wachstumschancen. Wer wirtschaftliche Vernunft und nachhaltige Entwicklung zusammenbringt, wird in diesem Markt künftig besonders erfolgreich sein.

v.l.n.r.: Fertigteileverbinder (c) Würth Österreich; Holz Hybridbau (c) SWIE Timber; Landesdienstleistungszentrum Salzburg (c) Burtscher_Durig ZT GmbH
Alexander Ghezzo: Eines Ihrer aktuellen Referenzprojekte ist das Landesdienstleistungszentrum Salzburg - Holz-Hybrid in Modulbauweise. Welche Ihrer Lösungen sind im Einsatz? Welche Herausforderungen waren dabei zu meistern?
Michael Jahodinsky: Beim Landesdienstleistungszentrum Salzburg – einem Holz-Hybrid-Projekt in Modulbauweise – kommen FT-Verbinder von Würth zum Einsatz. Diese Verbindungslösungen sind ein wesentlicher Bestandteil der konstruktiven Umsetzung und zugleich auch unter Nachhaltigkeitsaspekten relevant. Mehr dazu hier: Holz-Beton-Verbund: Das Beste zweier Materialien in einer neuen Bauweise vereint - Würth Österreich
Technisch besonders interessant ist das Projekt aufgrund der Kombination aus Holzskelettbauweise und Holz-Beton-Verbundkonstruktion. Errichtet wurden ein Holzskelett aus Stützen und Unterzügen sowie HBV-Decken. Dabei wurden unter anderem 542 Stützen aus Blaubuche, 537 Unterzüge aus BSH Fichte, 23 Hybridträger und 2.076 HBV-Rippen aus BSH Fichte verbaut. Solche Konstruktionen stellen hohe Anforderungen an die Verbindungstechnik – sowohl hinsichtlich Tragfähigkeit als auch in Bezug auf Präzision und Ausführbarkeit.
Al einen der größten Vorteile bei diesem Projekt ist hervorzuheben, dass mit dem Einsatz von FT-Verbinder die geringste erforderliche Stückzahl erreich werden konnte und somit wirtschaftlich gesehen die effizienteste Lösung für den Kunden realisiert werden konnte.
Die zentrale Herausforderung lag in der frühzeitigen technischen Abstimmung. Gerade bei Holz-Hybrid-Projekten in Modulbauweise ist es entscheidend, die Verbindungslösungen und begleitenden Serviceleistungen bereits in einer frühen Planungsphase mitzudenken. Nur so können Schnittstellen sauber definiert, Montageabläufe optimiert und Zeit- sowie Kostenpotenziale realisiert werden.
Aus unserer Sicht zeigt dieses Projekt sehr deutlich, dass nachhaltige Baukonzepte, technische Präzision und eine frühzeitige, lösungsorientierte Beratung eng zusammengehören.
Alexander Ghezzo: Wie bringt sich Würth in so ein Projekt ein? Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Michael Jahodinsky: Würth bringt sich in solche Projekte vor allem mit technischem Know-how, umfassenden Serviceleistungen und praxisnaher Beratung ein. Gerade bei innovativen Bauprojekten wie diesem steht für uns nicht nur das Produkt im Vordergrund, sondern vor allem die Frage, wie wir unsere Kundinnen und Kunden bestmöglich in der Planung und Umsetzung unterstützen können.
Die Zusammenarbeit funktioniert dann besonders gut, wenn wir frühzeitig in den Projektprozess eingebunden sind. Denn je eher technische Anforderungen, Schnittstellen und passende Lösungen gemeinsam betrachtet werden, desto effizienter lässt sich das Projekt umsetzen. Unser Anspruch ist es, nicht nur Verbindungslösungen bereitzustellen, sondern auch mit fachlicher Expertise dazu beizutragen, dass Planungssicherheit entsteht und Prozesse reibungslos ablaufen.
Gerade in anspruchsvollen Holz-Hybrid-Projekten zeigt sich, wie wichtig ein Partner ist, der Beratung, Produktkompetenz und Serviceleistungen aus einer Hand anbieten kann. So entsteht eine Zusammenarbeit, die auf Vertrauen, technischem Verständnis und gemeinsamer Lösungsorientierung basiert.
Alexander Ghezzo: Welche Rolle spielen dabei Forschung und Entwicklung?
Michael Jahodinsky: Bei Würth spielen Forschung und Entwicklung eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, innovative Bauweisen technisch zuverlässig, wirtschaftlich und nachhaltig zu unterstützen. Gerade in Projekten wie dem Landesdienstleistungszentrum Salzburg zeigt sich, dass sich Anforderungen im Bau laufend weiterentwickeln – etwa durch neue Materialien, hybride Konstruktionen, Vorfertigung oder höhere Nachhaltigkeitsstandards.
Forschung und Entwicklung sind für uns daher wichtig, um Verbindungslösungen und Systemangebote kontinuierlich weiterzuentwickeln und an neue Marktanforderungen anzupassen. Es geht darum, Produkte nicht nur leistungsfähig, sondern auch möglichst montagefreundlich, präzise einsetzbar und nachhaltig zu gestalten.
Gleichzeitig schafft Forschung und Entwicklung die Grundlage dafür, dass wir unsere Kundinnen und Kunden nicht nur mit Produkten, sondern auch mit technischer Kompetenz und zukunftsorientierten Lösungen unterstützen können. Gerade bei neuen Baukonzepten ist es entscheidend, frühzeitig zu verstehen, welche Anforderungen aus Planung, Ausführung und Nachhaltigkeit zusammenkommen.
Kurz gesagt: Forschung und Entwicklung sind für uns ein wesentlicher Hebel, um Innovation in praktikable Lösungen für die Baustelle zu übersetzen – und damit auch ein wichtiger Baustein für die Zukunft des Bauens. Die Vergangenheit hat viele Erfolgsbeispiele hervorgebracht, so z.B. die Würth ASSY®-Schraube, die Anfang der 1990er-Jahre als innovative Holzbauschraube entwickelt wurde und das Handwerk revolutionierte. Durch ihr spezielles Gewinde und die Bohrspitze ließ sie sich schneller verarbeiten, reduzierte das Spalten des Holzes und machte Vorbohren oft überflüssig. Besonders Zimmereien und Tischlereien erkannten schnell die Vorteile im täglichen Einsatz. Seit ihrer Markteinführung entwickelte Würth die ASSY® Schraube kontinuierlich weiter und optimierte Geometrie, Spitze und Antriebssysteme für noch bessere Stabilität und Verarbeitung. Mit mehreren Generationen wie ASSY® 2.0, 3.0 und 4 wurde sie zu einem festen Bestandteil des modernen Holzbaus und zählt heute zu den bekanntesten Profischrauben im Handwerk.
Alexander Ghezzo: Modulbauweise ist eine der Antworten auf die Herausforderungen der Bauwirtschaft. Wo sehen Sie die Chancen und die Herausforderungen?
Michael Jahodinsky: Die Modulbauweise bietet aus unserer Sicht große Chancen für die Bauwirtschaft. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Vorfertigung unter kontrollierten Bedingungen. Dadurch kann in vielen Bereichen eine gleichbleibend hohe Qualität erreicht werden – oft sogar besser und präziser, als es unter den wechselnden Bedingungen auf der Baustelle möglich ist. Gleichzeitig lassen sich Bauzeiten verkürzen, Abläufe besser planen und Prozesse insgesamt effizienter gestalten.
Gerade vor dem Hintergrund von Kostendruck, Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit ist die Modulbauweise daher ein sehr interessanter Ansatz. Sie kann helfen, Projekte strukturierter, planbarer und wirtschaftlicher umzusetzen.
Die Herausforderung besteht allerdings darin, das Thema sehr früh im Projekt zu platzieren. Der Mehrwert der Modulbauweise entsteht vor allem dann, wenn sie bereits zu Beginn in der Projektentwicklung und in den Vertragsmodellen mitgedacht wird – also im Sinne eines frühen, partnerschaftlichen Zusammenwirkens aller Beteiligten. Wenn solche Entscheidungen erst sehr spät getroffen werden, lassen sich viele Vorteile nicht mehr vollständig heben.
Wichtig ist deshalb, den Mehrwert früh auch beim Auftraggeber und in der Projektsteuerung zu verankern. Manche Projektentwickler und Immobilienakteure beschäftigen sich bereits intensiv mit diesem Ansatz, bei anderen ist das Thema noch nicht in der notwendigen Tiefe angekommen. Genau hier braucht es aus unserer Sicht noch mehr Aufklärung, Erfahrungsaustausch und eine stärkere Integration in die frühe Planungsphase.
Die Chancen der Modulbauweise liegen also in Qualität, Effizienz und Planbarkeit – die größte Herausforderung ist, sie früh genug strategisch und organisatorisch im Projekt zu verankern.
Alexander Ghezzo: Internationale Lieferketten werden immer brüchiger. Wie sichern Sie sich ab?
Michael Jahodinsky: Brüchigere internationale Lieferketten sind für viele Unternehmen zu einem zentralen Risikofaktor geworden – und für uns ist das ein Thema, das wir sehr bewusst und strategisch angehen. Denn in der gesamten Würth-Gruppe hat Liefersicherheit einen hohen Stellenwert.
Unsere Absicherung beginnt deshalb nicht erst im Krisenfall, sondern schon in der strategischen Verankerung des Themas im Unternehmen. Nachhaltigkeit ist bei uns Teil der Unternehmensstrategie, und Maßnahmen werden bereichsübergreifend unter anderem auch im Einkauf, Qualitätswesen und Produktmanagement umgesetzt. Genau diese enge Verzahnung ist entscheidend, um Lieferketten robuster zu machen. Konkret bedeutet das für uns: Risiken früh erkennen, partnerschaftlich mit Lieferanten arbeiten, Qualität konsequent absichern und unsere Prozesse laufend weiterentwickeln. In einem volatilen Umfeld geht es darum, Resilienz aufzubauen – also Lieferketten so aufzustellen, dass sie auch unter schwierigen Rahmenbedingungen möglichst stabil funktionieren. Ein professionelles, kontinuierliches Monitoring unserer Lieferanten mittels IntegrityNext ist bereits Standard. Auf den Ergebnissen der Lieferantenbewertung in diesem Tool folgen Maßnahmen zur Weiterentwicklung unserer Lieferanten.
Alexander Ghezzo: Wie sehen Sie das Thema Nachhaltigkeit? Spielt das überhaupt noch eine Rolle?
Michael Jahodinsky: Ja, definitiv – Nachhaltigkeit spielt weiterhin eine große Rolle, und zwar sehr konkret. Gerade für Immobilienentwickler ist das Thema nach wie vor hochrelevant, nicht zuletzt auch in der Finanzierung, weil zahlreiche Vorgaben, Nachweise und Kriterien berücksichtigt werden müssen. Auch wenn das Thema medial vielleicht etwas leiser geworden ist, sind die regulatorischen Anforderungen und die Erwartungen des Marktes weiterhin klar vorhanden.
Das bedeutet auch: Nachhaltigkeit ist längst kein reines Kommunikationsthema mehr, sondern ein sehr praktisches Umsetzungsthema. Produkte und Lösungen müssen heute Anforderungen erfüllen, die im Projekt tatsächlich gefordert werden. Und wenn diese Kriterien in der Ausführung nicht eingehalten werden, hat das ganz konkrete Konsequenzen. Genau deshalb braucht es Partner, die nicht nur liefern, sondern auch fachlich begleiten.
Für uns ist es daher besonders wichtig, nicht nur als Lieferant, sondern als Projektpartner wahrgenommen zu werden. Unsere Stärke liegt darin, unterschiedliche Kompetenzen zu bündeln – von Beratung und Produktmanagement über Engineering und Planungsleistungen bis hin zum Technikbüro. So können wir Projekte schon sehr früh unterstützen und helfen, technische, wirtschaftliche und nachhaltigkeitsbezogene Anforderungen zusammenzubringen.
Das zeigt sich ganz praktisch in unseren Leistungen: etwa bei Lastenberechnungen, bei der Auslegung von Schächten, bei Montagesystemen wie Varifix® oder in der Begleitung von Brandschutzlösungen auf Basis aktueller Rahmenbedingungen und Zulassungen. Auch im Bereich Photovoltaik ist das sehr greifbar: Hier können wir beispielsweise die Unterkonstruktion planen sowie Schnee- und Windlasten berechnen und bereits frühzeitig eine Material- und Kostenschätzung liefern. Das schafft nicht nur technische Sicherheit, sondern auch eine bessere Kostenplanung im Projekt.
Nachhaltigkeit spielt also nicht nur noch eine Rolle – sie ist in vielen Projekten längst ein fester Teil der Anforderungen. Und genau deshalb wird es immer wichtiger, Nachhaltigkeit mit technischer Kompetenz, Planungssicherheit und praxisnaher Beratung zu verbinden.
