Wie der Pride Month für mehr Sichtbarkeit von Diversität und Vielfalt in der Arbeitswelt sorgt

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Der Juni ist Pride Month und wird in vielen Unternehmen gefeiert. Daniel Koch, Marketing Manager bei der Ghezzo GmbH und Gründer einer LGBTQ+ Freizeitgruppe in Wien, spricht mit Gudrun über seine Erfahrungen mit Vielfalt, Gleichstellung und Akzeptanz im Berufsleben und wie Unternehmen inklusiver werden können.

Gudrun Ghezzo: Hallo Daniel, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, um über den Pride Month zu sprechen. Mich würde sehr interessieren, wie du es in der Arbeitswelt erlebt hast, dich als Teil der LGBTQ+ Community zu zeigen? Welche Herausforderungen und positiven Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Daniel Koch: Ich hatte fast immer Vorgesetzte, die offen gegenüber meiner LGBTQ+ Identität waren. Gleichzeitig habe ich mir aber immer sehr genau überlegt, wem ich das offenlege. Ich spüre immer sehr schnell, ob es da eine gewisse Offenheit gibt oder nicht. Anfangs fiel es mir enorm schwer, mit Kolleg*innen oder Führungskräften über mein Privatleben zu sprechen, aus Sorge, dass ich dafür ausgegrenzt oder sogar gemobbt werde. Das hat sich mittlerweile gelegt. Es kann aber immer noch einem passieren, dass man damit aneckt. Ich habe einmal in einem Vorstellungsgespräch mit einer Führungskraft offen über meine LGBTQ+ Freizeitgruppe gesprochen, und danach konnte man im Raum für einige Sekunden eine Stecknadel fallen hören. Es war eine ungute Situation, und mir war klar, dass die Person damit Schwierigkeiten hatte.

Gudrun Ghezzo: Du hast es eben angesprochen, dass du sehr aktiv in der LGBTQ+ Community bist. Kannst du mehr darüber von dir erzählen?

2015 gründete ich in Wien die Freizeitgruppe „LGBTQ+ Friends Vienna“, in der Freunde von mir und ich kulturelle und sportliche Aktivitäten organisieren. Es geht darum, dass man gemeinsam eine schöne Zeit verbringt und etwas mit Gleichgesinnten unternimmt, die man allein nicht so gerne unternehmen würde oder wo sich im eigenen Freundeskreis niemand findet, der sich dafür interessiert. Dazu zählen Museumsbesuche, Wanderungen, Tagesausflüge oder auch Brettspiel- und Kegelabende. Zudem schafft man damit auch einen Bereich, in dem jeder offen über verschiedene Themen aus einer queeren Sicht sprechen kann. Das ist es, was das Wort „Pride“ für mich ausmacht. Wir leben den Pride Month über den Juni hinaus.

Gudrun Ghezzo: Woher kommt eigentlich der Begriff Pride?

Daniel Koch: Der Begriff Pride entstand nach den Stonewall Riots vom 28. Juni 1969. Damals wurden in New York City Hunderte von Menschen von der Polizei belästigt und verhaftet, was zu massiven Protesten führte. Ein Jahr später, 1970, fand die erste gewaltfreie Parade, der „Christopher Street Liberation Day“, statt. Diese beiden Ereignisse legten den Grundstein für die jährlichen Pride-Demonstrationen, die wir heute kennen. Daraus ist dann auch die Idee des Pride Month entstanden.

Gudrun Ghezzo: Die Regenbogenflagge ist ein bekanntes Symbol des Pride Month. Kannst du uns mehr über ihre Bedeutung erzählen?

Daniel Koch: Ja, die Regenbogenflagge wurde vom US-Designer Gilbert Baker entworfen und symbolisiert Frieden und Veränderung. Jede Farbe bedeutet etwas: Rot steht für Leben, Orange für Gesundheit, Gelb für Sonne, Grün für Natur, Indigo für Harmonie und Violett für Spiritualität. Die aktualisierte „Progress Pride Flag“, die mit dem Dreieck auf der linken Seite, enthält zudem Weiß, Gelb, Blau, Braun und Schwarz, und schließt weitere Teile der Community ein: Asexuelle, Nonbinäre, Transpersonen, Farbige und die Opfer von Krankheit und Gewalt.

Gudrun Ghezzo: Wie steht es um Österreichs Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft?

Daniel Koch: Österreich hat in den letzten Jahren aufgeholt. 2009 wurde das Lebenspartnerschaftsgesetz eingeführt, das gleichgeschlechtlichen Paaren viele Rechte zusichert. 2017 wurde das Gleichstellungsgesetz erneuert. 2019 wurde die Ehe für alle Paare unabhängig von der sexuellen Orientierung erlaubt. Österreich ist auf dem Weg zu mehr Vielfalt, Gleichstellung und Akzeptanz ist. Das ermutigt auch immer mehr Personen, Pride-Veranstaltungen außerhalb Wiens zu organisieren. Über 20 Regenbodenparaden gibt es in Österreich, davon vier allein in Niederösterreich, und zwar in Mistelbach, Sankt Pölten, Wiener Neustadt und heuer erstmals auch in Baden.

Dennoch: Wir müssen wachsam sein und aufpassen, dass diese Gesetze nicht durch künftige Regierungen und intolerante Strömungen wieder angetastet werden. Auch das motiviert Menschen, auf die Straße zu gehen.

Gudrun Ghezzo: Was können Unternehmen tun, um mehr für die Pride-Bewegung zu tun?

Daniel Koch: Das „S“ in ESG steht für „Social“. Unternehmen müssen die Bedürfnisse der LGBTQ+ Community nach Akzeptanz und Gleichstellung ernst nehmen. Betriebe wie Wiener Linien, die ÖBB und Erste Bank unterstützen Pride-Paraden als Sponsoren und sorgen auf diese Weise dafür, die Bewegung zu unterstützen.

Gudrun Ghezzo: Welche Herausforderungen gibt es in der Arbeitswelt?

Daniel Koch: Es ist wichtig, eine offene und diskriminierungsfreie Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Dazu muss man als Führungskraft erstens Position beziehen und zweitens die Selbstwahrnehmung der Mitarbeiter*innen akzeptieren und fördern und kulturbildend für alle Kolleg*innen sein. Das schließt auch die respektvolle Anrede entsprechend Ihrer gewählten Geschlechtsidentität ein. Hier ist mein Rat: Fragen Sie LGBTQ+ Personen, wie sie angesprochen werden möchten. Das ist viel wert und hebt die Stimmung.

Gudrun Ghezzo: An wen können sich Führungskräfte wenden, um Unterstützung zu erhalten?

Daniel Koch:Pride Biz Austria“ ist hier für Unternehmen ein wichtiger Partner. Der Verband fördert die LGBTQ+ Diversität in Wirtschaft und Arbeitswelt. Er bietet Initiativen wie die Pride Networking Lounge an und fördert wissenschaftliche Arbeiten zur Situation von LGBTQ+ Personen in der Arbeitswelt. Im Zweifel würde ich Mitarbeiter*innen der Pride Biz Austria fragen, da es ihnen eine Herzenssache ist, dass LGBTQ+ Personen sich in der Arbeitswelt wohlfühlen.

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