Muffige Zimmer kosten Gästebewertungen: Lüften ist die Antwort

von

Komfort beginnt oft bei Dingen, die Gäste gar nicht bewusst wahrnehmen. Die Qualität der Raumluft gehört dazu. Gerade in Hotels können stickige Zimmer, hohe Luftfeuchtigkeit oder überhitzte Räume den Aufenthalt negativ beeinflussen, noch bevor das Bett oder das Frühstück bewertet werden.

Betreiber stehen vor der Herausforderung, Komfort, Energieeffizienz und Klimaziele miteinander zu verbinden. Christian Husch von KL Lufttechnik/Holter erklärt im Interview, wie moderne Lüftungssysteme heute funktionieren, welche Rolle Sensorik spielt und warum Klimaresilienz zunehmend zum Pflichtprogramm für Hotels wird.

Alexander Ghezzo: Komfort heißt in geschlossenen Räumen insbesondere auch frische Luft. Kommt man zum Beispiel in ein muffiges Hotelzimmer, ist der erste Eindruck negativ. Was ist in Sachen Frischluft State of the Art?

Christian Husch: Die Erwartungen der Gäste sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Ein angenehmes Raumklima wird heute als selbstverständlich angesehen. Moderne Lüftungssysteme sorgen deshalb kontinuierlich für frische, vorgewärmte Luft in den Aufenthaltsräumen und führen die verbrauchte, feuchte Luft aus Bad und WC automatisch ab, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen.

State of the Art ist dabei eine bedarfsgerechte Lüftung, die sich an der tatsächlichen Nutzung eines Raumes orientiert. Ein Sensor in der Abluft erkennt die vorhandene Luftqualität im Raum und regelt so die Luftmenge, um jederzeit eine hohe Luftqualität bereitzustellen und gleichzeitig den Energieeinsatz so gering wie möglich zu gestalten.

Alexander Ghezzo: Wie steht es bei der Frischluftversorgung um die Energieeffizienz?

Christian Husch: Frische Luft und Energieeffizienz schließen sich heute nicht mehr aus. Moderne Lüftungssysteme nutzen die Wärme der Abluft, um die einströmende Frischluft vorzuwärmen. Dadurch lassen sich Wärmeverluste die z. B. durch Fensterlüftung entstehen, deutlich reduzieren. Bei Verwendung eines sogenannten Enthalpie-Wärmetauschers wird zusätzlich auch ein Teil der Abluftfeuchte auf die Frischluft übertragen. Das ist besonders im Winter angenehm, weil die Raumluft nicht so stark austrocknet.

Gerade in Hotels ist das interessant, da Zimmer über das ganze Jahr hinweg genutzt werden. Eine gut geplante Lüftungslösung trägt dazu bei, den Heizenergiebedarf zu senken und gleichzeitig den Komfort für die Gäste zu verbessern.

Alexander Ghezzo: Welchen Raum muss ich als Betreiber für das Lüftungssystem zur Verfügung stellen?

Christian Husch: Bei dezentralen Systemen faktisch keinen. Es wird keine abgehängte Decke, Schächte und auch kein eigener Raum für die Lüftungstechnik benötigt. Die Gerätetechnik wird pro Hotelzimmer in die Außenwand integriert und Bad bzw. WC über 75mm Leitungen angeschlossen. Somit zeichnet sich diese Lösung durch ihre hohe Kosteneffizienz aus.

Motel Schlafraum Weng: 46 Airvolution-Lüftungsgeräte mit Wärme- und Feuchterückgewinnung der Firma KL-Lufttechnik sorgen für stets optimale Luftqualität in den Zimmern und den Bädern. Im Gegensatz zu zentralen Anlagen sind keine abgehängten Decken, Schächte, Brandschutz oder ein zusätzlicher Aufstellungsraum für das Lüftungsgerät erforderlich. Das Ergebnis: Beste Luftqualität bei maximaler Energie- und Kosteneffizienz.

Aussen- und Fortluftgitter Fassade und Fensterlaibung | Raum-Innenblende

Alexander Ghezzo: Im Neubau ist es sicher leicht, entsprechende Systeme zu installieren. Aber wie sieht es bei bestehenden Häusern aus?

Christian Husch: Tatsächlich ist die Nachrüstung heute oft einfacher als viele Betreiber vermuten. Gerade im Hotelbereich ist es wichtig, Modernisierungen mit möglichst wenig Eingriffen in den laufenden Betrieb umzusetzen.

Dezentrale Lüftungslösungen können hier eine interessante Option sein, weil sie häufig ohne umfangreiche Luftkanalsysteme auskommen. Dadurch lassen sich einzelne Zimmer oder Gebäudebereiche schrittweise modernisieren, was insbesondere bei Bestandsgebäuden Vorteile bietet.

Alexander Ghezzo: Sensorik liefert Unmengen an Daten. Was hat der Hotelier von diesen Daten?

Christian Husch: Entscheidend sind nicht die Daten selbst, sondern die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Über die verbauten Sensoren wird beispielsweise der CO₂-Gehalt, die Temperaturen oder auch die vorhandene Luftfeuchtigkeit gemessen und liefert damit ein Bild der tatsächlichen Raumnutzung. Außerdem werden Filtermeldungen oder Störungen an z.B. den Gebäude-beauftragten weitergegeben, der somit unmittelbar darauf reagieren kann.

Die Luftqualität wird somit immer konstant auf Top-Niveau gehalten, unnötiger Energieverbrauch vermieden und der Betreiber hat den Zustand seiner Gebäudetechnik stets im Blick.

Alexander Ghezzo: Der Hitzesommer hat viele technische Systeme an die Grenzen gebracht. Wie sehen Sie das Thema Klimaresilienz? Haben Sie Tipps für Hoteliers?

Christian Husch: Klimaresilienz wird künftig ein wichtiger Bestandteil jeder Gebäudestrategie sein. Dabei geht es nicht nur um Lüftung, sondern um das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen wie Verschattung, Gebäudehülle, Kühlung und intelligente Regelungstechnik.

Mein Rat an Hoteliers ist, das Gebäude als Gesamtsystem zu betrachten. Oft lässt sich bereits durch optimierte Luftführung, Nachtlüftung und eine intelligente Steuerung viel erreichen. Wer frühzeitig investiert, schafft bessere Voraussetzungen für zukünftige Wetterextreme und erhöht gleichzeitig den Komfort für seine Gäste.

Alexander Ghezzo:  Was bringt die Zukunft? Wie wird KI und Innovation die Technik verändern?

Christian Husch: Wir werden in Zukunft eine noch stärkere Vernetzung von Gebäudetechnik, Sensorik und digitalen Systemen sehen. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Betriebsdaten auszuwerten und Anlagen automatisch an veränderte Bedingungen anzupassen. Für Betreiber bedeutet das vor allem mehr Transparenz und bessere Entscheidungsgrundlagen. Die Technik wird zunehmend vorausschauend arbeiten, Energie effizienter nutzen und dabei unterstützen, Komfort und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.

 

 

Zurück