Luft, die wirkt: Gebäudetechnik als Klima- und Gesundheitslösung

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90 % unserer Zeit verbringen wir in Innenräumen. Durch den Klimawandel wird diese Zahl weiter steigen. Doch Luftqualität ist kein Selbstläufer. Sie muss geplant, gemessen, geregelt und technisch ermöglicht werden.
Mathias Gleitsmann von TROX erklärt im Interview, was moderne Lüftungstechnik heute leisten muss. Zwischen CO₂-Reduktion, Klimaneutralitätszielen und rechtlichen Anforderungen ist „Luft“ längst kein Lifestyle-Produkt mehr, sondern essenzielle Infrastruktur. Von der Sanierung im Altbau bis zur vorausschauenden Wartung im Hochhaus: Gebäudetechnik ist ein unterschätzter Hebel für die Kreislaufwirtschaft.

RLT Gerät mit Planung

Alexander Ghezzo: Der Klimawandel macht uns für Raumluft sensibler. Es heißt, wie werden in Zukunft noch mehr Zeit Indoor verbringen: Was heißt das für die Anforderungen an die Gebäudetechnik?

Mathias Gleitsmann: Die veränderten klimatischen Rahmenbedingungen (mehr Hitzetage, starke Temperaturschwankungen, häufigere Extremwetterereignisse) und die Tatsache, dass Menschen ca. 90 % Ihrer Lebenszeit in Innenräumen verbringen, erhöhen die Anforderungen an Lüftung, thermischen Komfort, Luftqualität und Betriebssicherheit von Gebäuden. Gebäudetechnik muss deshalb gleichzeitig drei Ziele erfüllen:

  1. zuverlässige Frischluftversorgung und hohe Innenraumluftqualität (IAQ) zur Minimierung von Gesundheitsrisiken
  2. Energieeffizienz und CO₂-Reduktion durch Wärmerückgewinnung, effiziente Antriebe und Regelungssysteme und
  3. Klimaresilienz durch einen geringen CO2-Fußabdruck des gesamten Unternehmens.


Praktisch bedeutet das: CO₂- und Feinstaub-/VOC-Sensorik, bedarfsgeführte Lüftung (DCV), hocheffiziente Wärmerückgewinnung in RLT-Geräten, partikel- und bakterienfilternde Filterlösungen (z. B. HEPA-Klassen dort, wo nötig) sowie digitale Betriebsoptimierung und Fernüberwachung. Und um überhaupt eine Berechtigung als seriöser Hersteller zu haben, müssen die eigenen Anstrengungen auf eine Nettonull zu kommen, auch dokumentiert und publiziert sein. TROX ist beispielsweise bei IntegrityNext gelistet und verfügt unter anderem über einer umfassenden Anzahl an Umweltproduktdeklarationen (EPD), die den Fußabdruck auf Produktebene darlegen.

Eines ist klar: Ohne Gebäudetechnik kein Klimaschutz.

Alexander Ghezzo: Das eine ist die Klimaresilienz, das andere der Klimaschutz. Trox hat das Ziel der Klimaneutralität. Was machen Sie dafür?

Mathias Gleitsmann: Wir machen jede Menge und ich kann unseren Nachhaltigkeitsbericht jedem ans Herz legen.

Auch wenn gerade die Omnibus Verordnung der EU die Berichtspflichten reduziert hat, bleiben wir am Ball: unser Netto CO2 Impact als Gesamtunternehmen wird bereits in 2040 – als 10 Jahre früher als geplant – auf null gestellt sein.

Oder auch unsere Produktionswerke: dort wollen wir das bereits bis 2030 erreicht haben. In unserem Schweizer und Norweger Werk, ist das übrigens bereits Realität

Die am schwierigsten zu erreichenden Einsparungen, sind die SCOPE3 Emissionen, da wir dort auch auf Lieferanten angewiesen sind: Bis 2035 sollen das minus 35 % verglichen zu 2020 sein. Ambitioniert? Ja. Aber sehr wichtig für alle, darum tun wir das.

RLT Gerät mit Planung

Alexander Ghezzo: Wie steht es um den Gebäudebestand? Welchen Herausforderungen begegnet ihr da?

Mathias Gleitsmann: Insgesamt ist der Gebäudebestand in der EU für rund 40 % des gesamten CO2 verantwortlich – in Österreich ist der Wert deutlich kleiner, trotzdem ist viel zu machen und das ist schwierig; wir einen sehr inhomogenen Bestand haben. Durch Sanierungsanforderungen (Stichwort Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie, dazu kommen wir ja noch später) wird es einen großen Bedarf an Planungs-Knowhow geben:  Herausforderungen für die Gebäudetechnik sind typische Altbau-Probleme: enge Einbausituationen, fehlender Platz für zentrale RLT-Anlagen, unzureichende Hüllendämmung, veraltete Heizungssysteme sowie Budget- und Nutzungsrestriktionen. Technisch heißt das: maßgeschneiderte Retrofit-Lösungen, modulare Lüftungseinheiten, hybride Systeme (zentral und dezentrale in einem Objekt) und intelligentes Monitoring sind nötig, um Energieziele und IAQ – Innenraumluftqualität gleichzeitig zu erreichen.

Alexander Ghezzo: Was ist State of the Art in Sachen Raumluft?

Mathias Gleitsmann: State of the art kombiniert mehrere Ebenen, deren Kombination hohe Luftqualität bei gleichzeitig sparsamem Betrieb ermöglichen:

  • Sensorik & Regelung: CO₂-, Feinstaub-(PM2.5), Temperatur-, Feuchte- und VOC-Sensoren plus bedarfsgeführte Regelung. Das wäre das non-plus Nonplusultra.
  • Energieeffiziente Filtration: Filtersysteme mit hoher Abscheideleistung
  • Energierückgewinnung: Hocheffiziente Rückgewinnungssysteme mit geringen Leckagewerten. Nicht nur Wärme, sondern auch Feuchte! Auf die wird gerne vergessen.
  • Digitale Services: Fernüberwachung, vorausschauende Wartung und Innenraumluft-Dashboards für Betreiber.

Und abschließend darf man auch nicht auf die gesetzlich festgelegten Prüfungen vergessen: Unter anderem liefert die Arbeitsstättenverordnung klare Vorgaben.

Gebäude: Gotthard-Müller-School Filderstadt

Alexander Ghezzo: Was sind Eure aktuellen Leuchtturmprojekte?

Mathias Gleitsmann: Ob wir einen echten Leuchtturm im Portfolio haben, weiß ich leider nicht. Aber beispielsweise die TrIIIple Hochhäuser, das Danube Flats oder das ICON in Wien sind sehr schöne Gebäude mit TROX-Technik.

Aktuell ist auch gerade die Süderweiterung des Terminal 3 am Flughafen Wien in der Umsetzung. Oder wer schon Mal in der Oper Budapest oder dem Louvre in Paris war: TROX-Inside. In mehr als 70 Jahren TROX Geschichte ist schon einiges zusammenkommen und wir dürfen uns nicht ganz zu Unrecht als Weltmarktführer bezeichnen.

Alexander Ghezzo: Wie sehen die gesetzlichen Vorgaben aus? Was muss man und wofür gibt es Förderungen?

Mathias Gleitsmann: Es ist leider nicht sehr einfach, wenn wir nur von Österreich sprechen:  Die OIB Richtlinien liefern da Vorgaben, die Länderbaugesetze sehen nicht alle gleich aus und wir haben eine Unzahl an Normen wie z.B. die ÖNORMEN oder die TRVB wenn es um vorbeugenden Brandschutz geht. Zu alldem kommen noch neue Energieeffizienzvorgaben (ECODesign Verordnung) oder die Gebäudeenergieeffizienz-Richtlinie der EU, die ins nationale Recht übersetzt wird und einiges verändern wird. Ein Beispiel: §66 des steirischen Baugesetzes spricht von „Räume sind ihrem Verwendungszweck entsprechend lüftbar (…) einzurichten“. Was soll das genau bedeuten?  Es ist kompliziert und dadurch mit Risiko behaftet.

Fazit: Frag den Fachplaner und gerne auch uns. Wir haben in nahezu allen Gremien unsere ExpertInnen sitzen, da unsere Produktentwicklung und Kundenberatung immer am neuesten Stand sein muss.

Zu den Förderungen: Es ist schade, dass das Thema Förderung immer im Vordergrund steht, das ist wohl etwas urtypisch Österreichisches. Es geht bei der Lüftung im Gebäude schließlich doch um Gesundheit und Wohlbefinden. Die dichte Bauart neuer Gebäude macht einen geregelten Luftaustausch mit Lüftungsanlagen ja auch notwendig. Lüftung ist kein Lifestyleprodukt, Luft ist lebensnotwendig.

Ich empfehle bei Interesse einen Förderrechner im Internet aufzusuchen. Durch den Föderalismus in Österreich und die Unterteilung in Sanierung/Neubau und Einfamilien- bzw. Mehrfamilienhaus ist da in der Kürze keine klare Antwort möglich. Auf gewerblicher Seite lohnt es sich damit der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) Kontakt aufzunehmen.

TROX war Partner bei der 16. GBB und konnte mit seinem Auftritt neue Leads von sich überzeugen. Nutzen auch Sie unsere Veranstaltungen für Ihre Neukundenakquise: Unsere Konferenzen 2026

 

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