Nachbericht zum 7. Ghezzo Immobilientag: Die Branche im Aufbruch!
Am 19.05.2026 war es wieder so weit – DER Frühjahrstreffpunkt der Bau- und Immobilienbranche, der Ghezzo Immobilientag, ist zum 7. Mal am Flughafen Wien über die Bühne gegangen. Gleich vorweg das Fazit: Ende der Krise in Sicht? NEIN. Lösungswege in Sicht? VIELE. Aber auch entsprechend herausfordernde Stolpersteine, die nur in starken Allianzen geeint, mit den richtigen Innovationen angereichert und vor allem in einem stabilen, rechtssicheren Rahmen zu bewältigen sind. Die Stimmung? AUFBRUCH und MUT!
45 Speaker aus allen Bereichen der Branche haben ihre Expertise, Prognosen, Emotionen und Wünsche auf der Bühne geteilt – insgesamt durften wir über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei uns begrüßen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Themenblöcke, Erkenntnisse und Zitate.
P.S: Die Vorträge zum Nachlesen finden Sie am Ende der Seite.
MARKTENTWICKLUNG, ZINSEN, RENDITEN, FINANZIERUNG
Was sind für Sie gerade besonders spannende Standorte? Das haben wir die Community gefragt – hier sehen Sie die Antwort: Abgesehen vom Fokus auf Österreich wird die Ukraine zunehmend spannender, nicht nur der Wiederaufbau, sondern auch die Professionalisierung der Infrastruktur wird ein großes Aufgabengebiet werden – hoffentlich schon sehr bald.
Doch auch der ganze CEE Raum und weitere außereuropäische Regionen rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Und welche Assetklassen haben die Nase vorn? Wohnen ist nach wie vor heiß umkämpft und unter massivem Kostendruck. Immer kritischer wird die Betrachtung von Wohnraum als finanzielles Asset – und auch der Wunsch der jüngeren Generation, eine eigene Immobilie zu besitzen, rückt für andere Werte in den Hintergrund, sei es Reisen oder andere Selbstverwirklichung. Ob das wirklich eine Werteverschiebung ist, oder ob schlichtweg die Aussichtslosigkeit auf eine eigene Immobilie dafür verantwortlich ist?
Datencenter kommen immer stärker ins Gespräch. Immer damit verbunden ist die Energiefrage, denn als Energieerzeuger brauchen sie ein starkes Abnehmernetz, um den enormen Energiebedarf auch effizient zu nützen.
Und wie steht’s um die Büroimmobilie? Hier zählt nach wie vor Lage, Lage, Lage – aber auch die Ausstattung. Die Angst vor sanierungsbedürftigen oder gar stranded Assets ist groß, und die Unternehmen wollen ihren Mitarbeiter*innen ein Arbeitserlebnis bieten.
Gretchenfrage der Finanzierung: Investoren haben bei der Zinslage andere Möglichkeiten am Kapitalmarkt, die Banken sind im Druck der Regulatorik nicht gerade freizügig mit Krediten. Welche Rolle spielen hier alternative Finanzierungsmöglichkeiten?

LEISTBARES WOHNEN
Gerade dieses Thema wird uns noch sehr lange begleiten. Zwar sind wir in Wien und in Österreich in einer sehr guten Ausgangslage, doch diese ist seit langem sehr angespannt. Drohenden Beispielen wie München oder Berlin will man nicht folgen. Dass dramatisch wenig Wohnraum in den letzten Jahren fertig gestellt worden ist, spitzt die Lage noch zu.
„Wir werden erst Mitte der 30er Jahre Entspannung sehen, wenn die Boomer Generation langsam die Wohnungen freimacht“, äußert sich Christian Crain, der Faktenchecker. Müssen wir also wirklich auf eine biologische Lösung der Wohnungskrise warten? NEIN, sagen weitere Expert*innen, denn es gibt immer noch Handlungsmöglichkeiten: Förderungen sind auf einem historisch niedrigen Stand im Vergleich zum BIP.
Dabei gäbe es viele Ansatzpunkte für leistbaren Wohnraum: Die Grundstückspreise sind überteuert, die Wohnkosten in Relation zur Miete überproportional gestiegen. Der Staat könnte regulierte Wohnungen gezielt an Menschen mit weniger Einkommen zu vergeben. Auch in der Planung und Genehmigung gäbe es weitere kreative Wege gehen, um mehr Wohnraum im Bestand zu schaffen.
Der Leistbarkeit steht immer auch der Anspruch gegenüber. Wir dürfen nicht vergessen, was wir in den letzten Jahrzehnten alles erreicht haben. So hat sich Wien von einer grauen in eine grüne Stadt entwickelt, ähnliches gilt auch für Linz.
NORMEN UND RECHTLICHER RAHMEN
Vielfach wurde die labile Rechtslage als Kostentreiber und als Bedrohung für die stabile Strategie- und damit Immobilienentwicklung angesprochen. Der vielzitierte „Omnibus“ kam natürlich zur Sprache, und dass ein Hin und Her in der Klimagesetzgebung irritiert, ist verständlich. Doch die EU Klimaziele, die EU Taxonomieverordnung sind ja deswegen nicht abgekündigt. Diese Klarheit braucht es immer wieder! Da sprechen auch die neue OIB Richtlinie 6 und der Entwurf zum W-EGUG 2026 eine klare Sprache mit klaren Terminen.
Auch in der Frage der Genehmigungsverfahren sind sich alle einig: sie gehen zu langsam, teils aus unklarer Zielepriorisierung, aus Überlastung, aus einer Überzahl an Vorschriften oder schlicht aus unkoordinierten Vorgehensweisen heraus.
Weiters zu erwähnen wäre dann der sogenannte GIGABIT ACT, der bereits geltendes europäisches Recht ist, und dennoch erst in 2 von 9 Bundesländern in der Bauordnung integriert ist.
Wie viel Reglementierung ist aber überhaupt gesund für den Markt in Summe? Das möchten wir gern auf unserer nächsten Konferenz gemeinsam mit Politiker*innen und Branchenvertreter*innen diskutieren. Und dann steht auch noch die deutliche Forderung im Raum, die Wohnbauförderungsbeiträge ENDLICH zweckzuwidmen, damit leistbares Wohnen für alle realistischer wird und der Staat eine gestaltende statt verwaltende Rolle einnimmt.
PROFESSIONALITÄT WIRD DER SCHLÜSSEL SEIN
Vielfach wurde klar, dass fehlende Kompetenzen ein Garant zum Scheitern sein werden. Klingt logisch und wenig überraschend. Hört man genauer zu, so ist das Kompetenzspektrum schon ganz schön anspruchsvoll: Von den spezifischen Kennzahlen der Immobilienbewertung, deren Trends, Anforderungen der Banken (und des dahinterliegenden Reglements) über dynamische Cash-Flow-Analysen hin zu Prognosemodellen der Wertentwicklung strecken sich die Anforderungen für die Business Case Analyse. Tausende Seiten von Leitfäden und Bestimmungen liegen dahinter. Auch auf der technischen Seite müssen die Kompetenzen steigen, nicht zuletzt durch die Innovationen, die Möglichkeiten und die immer höhere technische Komplexität. Wer Gewerke wieder einzeln vergeben möchte und den Dialog auf Augenhöhe mit allen Professionisten führen möchte, muss auch das nötige Wissen mitbringen – und wann werden wir dies auch auf Universitäten und Fachhochschulen in den Lehrplänen finden?
Mit der OIB Richtlinie 6 gelten auch neue Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden sowie Sanierungspflichten. Professionelle Entscheidungen kann man dann treffen, wenn die Bestandsdaten auch sauber erfasst, digitalisiert und digital auswertbar sind.
DIGITALISIERUNG UND TECHNISCHE INNOVATIONEN
Digitalisierung und der Einsatz unterschiedlicher KI Systeme kann viele Potenziale heben, entscheidend ist die richtige Anwendung. Gerade im Heizungs- und Energiebedarf kann die gesteigerte Transparenz und dadurch die smarte Steuerung bis zu 60% des Energiebedarfs einsparen. Wenn man dabei bedenkt, dass die Energiekosten sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt haben, ein absolutes MUST HAVE.
Aber auch dann, wenn erneuerbare Energieformen zum Einsatz kommen, ist Optimierung von Beginn an mitzudenken. Gerade bei niedrigen Vorlauftemperaturen spielt der Leitungsverlust eine große Rolle.
Auch das Thema Leistbarkeit wird durch die gezielte Sanierung des Bestands Aufschwung erleben. Die Sanierungsquote ist nach wie vor beschämend gering, doch die Kosten des Neubaus für viele unbezahlbar.
Sanieren kann viele Gesichter haben, und das prominenteste Gesicht einer Immobilie ist und bleibt ihre Fassade: Die Mischung aus Schmutz und einer biologischen Patina durch zu viel Kondenswasser auf der Fassade wird schnell zum Hingucker im negativen Sinn.
Sanieren macht die Immobilie zukunftsfit und sicher: Die Glasfaser als Datenleiter im weitesten Sinne kommt nicht nur dem Gigabit Act zugute, sondern kann vielfältig genützt werden: Über die Glasfaser können neben Daten der Internet- und Telekommunikationsprovider auch Informationen über Druck, Temperatur und Schall weitergegeben werden.
NACHHALTIGKEIT UND RESSOURCENSCHONUNG
Sehr heterogen diskutierte wir diesmal das Thema Gebäudezertifizierung. Hohe Prüfkosten, keine Verpflichtungen und kein direkter ROI stehen Standpunkten des Wettbewerbsvorteils, Nutzernachfragen und Eigenverantwortung gegenüber. Schön zu hören, dass auch das Bundesheer – ohne an private Investoren oder den freien Markt gebunden zu sein, seine Gebäude im GOLD Standard errichtet.
Und wir hören von einer großen Baumarktkette, die gar die erste internationale DGNB Mehrfachzertifizierung in Europa erreicht haben. Und das als klaren wirtschaftlichen Vorteil: Standardisierung schafft einheitliche Optimierungsmöglichkeiten im Betrieb, und Finanzierungsvorteile steigern direkt die Renditen. Und genau darum dreht sich die gesamte Nachhaltigkeitsdiskussion: Der finanzielle Mehrwert muss klar darstellbar sein.
Dennoch ist das Thema Nachhaltigkeit zumindest bei einer bestimmten Käufer- resp. Nutzer*innenschicht als MUST HAVE angekommen. Und das wird sich in Zukunft noch verstärken.
Die wirtschaftliche Seite der Nachhaltigkeit rückt in den Fokus der Interessen, oder besser gesagt wir reden jetzt offener und ehrlicher darüber. Unternehmen werden nur das umsetzen, was gesetzlich verpflichtend ist, so lange es keinen (kurz bis mittelfristigen) finanziellen Mehrwert hat. Nachhaltigkeit allein als strategischen Vorteil zu sehen, ist zur Randerscheinung geworden.
PROZESSE OPTIMIEREN
Auf jeder Ebene und in allen Phasen des Lebenszyklus der Immobilie finden sich Effizienzsteigerungspotenziale in den klassischen Prozessen, so wie wir sie heute (noch) kennen.
KI und Robotik sind hier sicherlich Gamechanger, aber bei weitem keine Allheilmittel. Doch in vielen Unternehmen spielt die KI schon eine entscheidende Rolle, wenn es um die Leistungsfähigkeit der internen Prozesse geht: bei 3SI setzt man auf eine Lösung, die alle Daten aus sauber optimierten End-to-End Prozessen zusammenträgt, und so Entscheidungen nicht nur schneller, sondern auch transparenter und risikoärmer macht. Und Iris Einwaller von EP Media zeigte uns, wie sie ihre Agentur durch kluges Prompting und vibe Coding schneller, kostensparend und rechtssicher führt.
Auch in Hausverwaltungen steckt ungeheures Potenzial zur Digitalisierung – mit dem tollen „Nebeneffekt“, dass der Job des Hausverwalters wieder spannender wird.
Prozesse optimieren heißt auch, Ziele zu harmonisieren und am Gleichen zu arbeiten.
WELCHE TUGENDEN, WELCHE PRÄMISSEN, WELCHE WERTE FÜHREN UNS IN DIE ZUKUNFT?
Dazu haben wir gefragt, was denn die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit sind, denn die müssen wir auch mit den vereinten Kräften der Branche angehen.
Dies waren die Antworten:

Was also ist zu tun? Auch dazu haben wir zahlreiche, teils ungewöhnliche Antworten bekommen.
Zur Frage der Gerechtigkeit, Bildung, Integration und Sozialsystem haben wir seitens der BIG neue Zahlen zum Bedarf an Schulplätzen gehört. Angesichts der Tatsache, dass es in Wien Schulen gibt, in denen bis zu 92 Sprachen gesprochen werden, ist dies wenig verwunderlich.
Wie also wollen wir die Gebäude der Zukunft entwickeln?
In der Key Note der Generaldirektorin des Naturhistorischen Museums in Wien, Katrin Vohland, ging es viel um Bio-Inspiration, um Analogien zwischen Immobilien, Technik und Natur, und auch um die Verantwortung der Branche für die intakte Umwelt.
So wenig wie möglich Boden verbauen, lautet die Empfehlung der Wissenschaft. Der unverbaute Boden kann Wasser speichern, kann Biodiversität beheimaten, kann Wetterextreme abfangen, ist Lebensraum für Schatten und Kühlung spendende Bäume.
Unter dem Stichwort Bio-Inspiration lassen sich aber auch Gebäude entwerfen, die im Einklang mit der Natur stehen. Das Gebäude, in dem der Ghezzo Immobilientag stattfand – also der Office Park IV des Flughafen Wien, ist ein solches Beispiel.
Doch nicht nur die Natur, auch der Mensch selbst liefert Bio-Inspiration – besonders schön sichtbar an einem Beispiel, das in der Blauen Lagune co-kreiert wurde und dort erlebt werden kann: Die Wings For Life® Küche passt sich Lebensumständen an.
Auch kam hier das Thema KREISLAUFWIRTSCHAFT zur Sprache – ein der Natur inhärentes Prinzip.
FAZIT:
Die Stimmung in der Branche ist nicht gerade euphorisch. Der Professionalisierungsschub ist längst im Gange, die eigenen Prozesse werden hinterfragt und erneuert, die Kompetenzen in allen Bereichen gesteigert. Was noch fehlt, ist ein gemeinsamer, zielgerichteter klarer Dialog auf Augenhöhe mit der Politik, denn aus der Krise in eine lebenswerte und leistbare Zukunft kommen wir nur gemeinsam.
Diesen Dialog werden wir auf der 17. GBB – Green and Blue Building Conference fortsetzen.
IHR FEEDBACK
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