Das war die 16. Green & Blue Building Conference 2025
Das war die 16. GBB Green and Blue Building Conference am 6.11.2025 – nachhaltig in allen Dimensionen!
Am 06.11.2025 ging im Anantara Palais Hansen unsere 16. Green & Blue Building Conference über die Bühne.
Hier nun der Rückblick zum Nachlesen. Aus vielen unterschiedlichen Branchen durften wir Praxisbeispiele zusammentragen, die aktuelle und zukünftige Trends der wichtigsten Expert*innen der Branche vorstellen.

16 Jahre GBB – 16 Jahre Nachhaltigkeit
16 Jahre GBB – 16 Jahre Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft der Bau- und Immobilienbranche im Visier. So lässt sich der Konferenztag zusammenfassen: 50+ Speaker und 200+ Teilnehmer*innen, Expert*innen und Innovator*innen der Branche haben sich – am Folgetag des EHL Ganslessen – bei uns getroffen. Die Grundstimmung? Im Aufbruch! Die Branche möchte mehr Eigenverantwortung und Lösungswege als nur Probleme zu beschreiben und sich auf die Politik ausreden. Am Ende des Tages haben wir die 14. GBB Awards vergeben!
Wie jede Konferenz, die im Zeichen von Nachhaltigkeit steht, sind auch wir unterschiedlichen Gesichtspunkten gefolgt, um gemeinsame Wege in eine nachhaltige Zukunft der Branche aufzuzeigen.
- Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
- Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit - Investmentpotenziale und Renditen
- Nutzer*innenperspektive und Leistbarkeit
- Digitalisierung und KI als wichtige Treiber
- Technische Innovationen und deren praktische Umsetzung
- Tugenden und Kompetenzen – von Entwicklung über Nutzung zu Sanierung zum Lebenszyklusende
Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
„Der Fahrplan bis 2050 ist klar – wir brauchen bis dahin NULL-Emissions-Gebäude, denn der Gebäudesektor ist für 30% der Emissionen verantwortlich“, so klar äußert sich Michael Aumer, BMWET, zum Zielefahrplan der Politik. Wollen wir hier zu viel? Auf die Frage „Manövrieren wir uns – international gesehen – in Europa durch die Regulatorik in eine Vorreiterrolle oder in einen wirtschaftlichen Nachteil?“ hat die GBB Community folgendermaßen geantwortet:

Spannend, dass die Antworten kurz nach der Festlegung der europäischen Klimaziele so ausgefallen sind!
Doch wo besteht noch Bedarf an der politischen / regulatorischen Arbeit? Einmal mehr wird Stabilität im politischen Willen gefordert: „Wir brauchen einen politischen Diskurs mit klarer Richtung und Planbarkeit, und keine sprunghaften Änderungen in der Regulatorik“, forderte beispielsweise Nadja Holzer, STC Development. Franz Pöltl, EHL, beansprucht von der Politik auch klare wirtschaftsfördernde Maßnahmen: „Wir werden von anderen europäischen Ländern im Osten und im Westen mittlerweile outperformt. Jetzt muss auch ökonomischer Rückenwind von der Politik kommen“. Auch in spezielleren Themen, wie z.B. im Energiesektor, braucht es ein regulatorisches Nachschärfen: „Für das bidirektionale Laden und den Netzausbau muss an den rechtlichen Grundlagen noch nachgeschärft werden“, erinnert Alexander Schultmeyer, AKELA RechtsanwältInnen. Generell gebe es in der Energiewende politischen Aufholbedarf – auch in der Dauer der Verfahren. Hannes Schlager, AKELA RechtsanwältInnen, bringt’s auf den Punkt: „Für die Energiewende müssen wir in den nächsten 15 Jahren etwa 53 Mrd EUR investieren – europaweit. Wenn die Realisierung eines Großprojektes mehr als ein Jahrzehnt dauert, wobei mehr als die Hälfte für Planung und Genehmigungen draufgeht, dann stimmt etwas nicht in diesem Land.“ Und dabei spricht er von realen Erfahrungen.
Auch die Förderungen sind noch nicht punktgenau angepasst, erinnert Gerald Ebner, ÖVW: „Der Neubau ist – abgesehen vom Sozialbereich – eher abgemeldet, und ganz generell brauchen wir Vereinfachungen bei den Förderverfahren“. Wir erleben aber kein Unverständnis oder Abwälzen der Verantwortung an die Politik. „Ich möchte mit niemandem in der Politik tauschen“ hören wir ebenso wie Lob: „die städtebaulichen Verträge sind super schlau“, sagt beispielsweise Antonia Roither-Voigt, ARWAG.
Stabile Rahmenbedingungen, wenn aufgeschlossen, sind natürlich wünschenswert – doch wir müssen auch mit unbeeinflussbaren Fakten arbeiten: „Wir dürfen die geopolitschen Schwankungen nicht ignorieren – sie werden einen großen Effekt auf die zukünftige Finanzierbarkeit haben“, erinnert Mario Stöckel, Colliers.
Und welche gesellschaftlichen Entwicklungen werden uns betreffen? Auch hier ergibt die Publikumsumfrage klare Antworten:

Katrin Gögele-Celeda, CPI Europe, nimmt auf die Überalterung in der Arbeitswelt Bezug: „Der Unterschied zwischen Jung und Alt in den Arbeitswelten ist unübersehbar: barrierefrei analog und digital, voll digitalisiert und erlebnisreich, das Bedürfnis nach lauten Zusammenkünften und nach Ruhe – all das soll eine Büroimmobilie liefern. Wichtig ist, die Stärken und Bedürfnisse aller zu kombinieren.“
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit - Investmentpotenziale und Renditen
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit wird gar nicht mehr getrennt voneinander diskutiert. Die klare Ausrichtung spricht von beidem gleichzeitig – man muss nur die richtigen Ausprägungen finden - Kompromisse also. Ja, gerade hier wurde Alexander van der Bellen zitiert! „Die Frage ist nicht, ob oder wie viel Nachhaltigkeit wir uns leisten können, sondern wie es uns gelingt, in diese zu investieren. Und dafür müssen wir alle Prozesse überdenken – schlankere Prozesse in Bürokratie und Papierkram, mehr Fokus auf eine Nachhaltigkeitskultur im Team – das sind unsere Strategien“, erzählt Barbara Freiler, Handler Bau. „Schauen wir uns ehrlich in die Augen: Wir sind in Europa Schlusslicht geworden, was die Investmentlaune angeht. Von außen gesehen sind wir als Standort investorenfeindlich, und das liegt an den politischen Rahmenbedingungen. Also bitte – wann immer Ihr die Gelegenheit habt, mit Politiker*innen dazu inhaltlich zu sprechen, tut das!“ So setzt Andreas Holler, BUWOG, auf Dialog und Verständnis, aber auch auf Klarheit. Die BUWOG selbst hat wieder stark zu bauen begonnen, um frühzeitig Produkte am Markt zu haben.
Sich an den Kundenanforderungen bezüglich Nachhaltigkeit zu orientieren, macht durchaus Sinn: „Klar halten wir uns an die Gesetze, doch setzen wir die Projekte um, wie sie die Kunden wünschen. Unser Anspruch ist die klare ökologische und leistbare Ausrichtung“, sagt Rainer Scheidle, Renowate, der später an diesem Tag einen der beiden begehrten GBB Awards mit nach Hause genommen hat.
In puncto Büroimmobilien ist und bleibt Wien ein Umsiedlermarkt, sagen uns die Expert*innen, jedoch gibt es kaum oder gar keine Büroflächen, die nachweislich klimaneutral sind und akzeptable Betriebskosten haben. Hier liegt DIE Chance für die Zukunft!
Und wo sind die institutionellen Investoren? „Die Vermögenskassen haben im letzten Jahr kaum investiert, in ihren Portfolios gibt es viel Abwertungsbedarf. Das trübt die Lage. Dennoch werden die großen Investoren 2026 wieder zurückkommen“, schätzt Peter Karl, Erste Immobilien, die Lage ein. Die privaten Anleger werden aber nicht so schnell zurückkommen, dafür muss sich die Zinslage am Kapitalmarkt wieder stark verändern. „Jeder Bestandshalter will die Immobilie im Wert erhalten – und das geht über die Taxonomie! Wer nicht klimaresilient baut oder saniert, wird drastische Wertverluste hinnehmen müssen. Auch da finden sich Klimaziele und Wirtschaftlichkeit wieder“, zeigt Peter Engert, ÖGNI, die wirtschaftliche Seite des Nicht-Handelns auf.
Was schlussendlich rentabel ist, entscheiden unter anderem auch Förderungen. Zwar sollte man sich nie auf eine Rentabilität durch Förderungen verlassen, dennoch sind sie ein wichtiger Treiber für die nachhaltige Transformation. „Nach der Zauderphase im letzten Jahr haben wir nun wieder etwas mehr Klarheit und auch starke nationale und europäische Förderoffensiven“, macht Gottfried Heneis, Energy Climate, Mut. Wenngleich der Neubau nicht mehr viele Zugänge zu Förderungen hat, so doch die Sanierung, sagen die Expert*innen.
Und was sagen unsere Teilnehmer*innen über die Entwicklung der Branche? Wird 2026 eine echte Trendwende sichtbar sein?

Nutzer*innenperspektive und Leistbarkeit
Dass sich mittelfristig Investitionen in Nachhaltigkeit auch lohnen können, ist allen klar. Dass es in der Projektrealisierung erstmal teurer ist, auch. Und hier liegt nun mal ein sehr wichtiger Parameter für Miet- und Verkaufspreise. „Wir werden in absehbarer Zeit eine Wohnungsnot sehen, die Mieten werden hochgehen – da ist es aktuell wichtiger, Projekte zu beginnen, als dass zu hohe Ansprüche die Projekte verhindern.“ So bringt Clemens Biffl, Sedlak Bau, seine Perspektive ins Spiel. Eine Lebenszyklus-Kostenwahrheit auf den Mieten ist also noch nicht absehbar. Einen Kontrapunkt setzt Karl-Heinz Daurer, Realtreuhand: „Nachhaltigkeit muss nicht teuer sein. Wir schaffen es auch, die Baukosten trotz hoher Nachhaltigkeitsstandards unter 2000 EUR pro m² zu halten.“
Und wohin gehen die Ansprüche der Nutzer*innen? „Im Wohnungsmarkt sehen wir einen weiterhin starken Trend zu Single-Wohnungen – ein Trend, der weder der Leistbarkeit, noch meinem Verständnis von guter sozialer Entwicklung einschließt“, äußert sich Gerhild Bensch-König, Raiffeisen Wohnbau, kritisch. Dies unterstreicht auch Dieter Johs, WEGRAZ: „Es gibt dann auch wieder Phasen, wo sich Single Haushalte zusammenschließen – etwa im Alter. Das ideale Haus ist somit modular aufgebaut.“ Generationenübergreifendes Wohnen liegt auch bei den ÖBB Immobilien im Fokus, wie Daniela Ammer über ihre Leuchttürme erzählend beschreibt: „Leistbarkeit entsteht auch dann, wenn wir ausreichend Grünräume und Begegnungsmöglichkeiten schaffen“.
Immobilien, die die Bedarfe aller Nutzer*innen abbilden, entstehen nur dann, wenn es einen inklusiven Entwicklungsprozess gibt. „Und da gibt es tolle Leuchttürme! Sehen wir uns nur die Sargfabrik an – hier sehen wir seit 20 Jahren Generationenwohnen, Arbeiten, Gemeinschaft, (…) der in einem Immobilienkomplex stattfinden kann“, beleuchtet Hans Peter Kranz, Immobilienexperte, seine Sicht. Und Veronika Hackl-Pedrini, COCOON Architektur, übernimmt Verantwortung: „Die Architektur bestimmt doch, ob sich Menschen in den Räumen wohlfühlen. Wir müssen genau das richtig verstehen und planen, damit soziale Orte und Orte des Wohlbefindens entstehen.“
Auch im Betrieb steht die ständige Verantwortung, die Immobilie an die neuesten Standards anzupassen, im Mittelpunkt. Das weiß auch Kerstin Robausch-Löffelmann, BWSG: „Als eine der größten gemeinnützigen Wohnbauträger Österreichs verwalten wir über 38.000 Wohneinheiten. Steigende Energiekosten und ineffiziente Heizsysteme führten zu hohen Betriebskosten und unzufriedenen Mieter*innen – daher unser Auftrag, aktiv zu werden!“ Durch gezielte Sanierung und Optimierung konnten schließlich die Betriebskosten drastisch gesenkt werden – auch dieses Projekt hat die Jury bei den GBB Awards bewertet.
Digitalisierung und KI als wichtige Treiber
Die „twin transition“, die nun begonnen hat, zeigt Digitalisierung und KI als Enabler für Nachhaltigkeit einerseits, und als Steuerungsinstrument und Transparenz-Tool andererseits. Keine Nachhaltigkeit ohne Digitalisierung also! Klaus Sonnenschein, OPTIMUSE, verdeutlicht das: „Jeder Stakeholder am Bau soll die Möglichkeit haben, durch digitale Planung Nachhaltigkeit einzuplanen und transparent zu machen. Wir schaffen es durch frühzeitige kluge Planung, Investitionsausgaben um >10% zu senken und Energieeinsparungen im Betrieb von >25% zu erzielen.“
Martin Schröder, Moderan, bringt seine internationale Erfahrung ein, und eröffnet gleichzeitig eine weitere Dimension: „Digitalisierung und KI werden uns auch helfen, energieautark zu sein. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt – also sollten wir unsere Gebäude als dezentrale Versorgungseinheiten verstehen, auslegen und managen.“
Wie Digitalisierung die Transparenz fördert, und somit Optimierungspotenziale im Bestand sichtbar macht, demonstriert Kevin Bauer, Wohnio, deutlich an Beispielen: „durch lückenloses Monitoring kann man ganz schnell und einfach erkennen, wo Elemente der Gebäudetechnik gewartet, repariert, getauscht oder Systeme gänzlich neu gemacht werden müssen.“ Das führe neben der Einsparung von Energie- und Betriebskosten auch zu minimalinvasiven Erneuerungen, die dafür punktgenau sind.
Was ist nun mit BIM? Wann wird es seine volle Wirkung endlich entfalten? Auch diese Frage haben wir allen gestellt:

Wie und wann BIM durch KI nun den echten Boost erfährt, hören wir hoffentlich auf unseren nächsten Konferenzen.
Technische Innovationen und deren praktische Umsetzung
Es gibt so kluge und praktische Innovationen und Technologien, die Nachhaltigkeit entlang des Lebenszyklus befeuern. Denken wir nur an BIM, KI und integrative Planungstools, die das Gebäude über digitale Zwillinge schon frühzeitig zum Leben erweckt. Denken wir auch an die technischen Lösungen zur Energiewende: „Mit PV Anlagen und Batteriespeichern und klugen Regelungen dazu haben wir schon alle technischen Lösungen am Markt“, berichten Rupert Wychera, Energy-Climate GmbH, und Martin Sautner, ABB AG. Martin Sautner ergänzt auch: „Unsere Kunden fordern immer stärker, dass auch unsere Produkte selbst nachhaltig sind und nicht nur bei der Energiewende helfen. So haben wir bereits mit unseren Partnern den Rezyklatanteil in den Produkten drastisch erhöht, und unsere weltweit verteilten Produktionen arbeiten alle aktiv an der konzernweiten „mission to zero“ “.
Da ist es auch gut, dass Technologien und Innovationen entwickelt werden, die eine bestimmte Resilienz gegenüber den sich ändernden legistischen Rahmenbedingungen aufweisen, meint Gerald Stangl, Roots Energy, und ist stolz drauf, dass die von ihnen entwickelte Lösung zur Energiewende in alle Rechtssysteme passt. Das hat ihnen auch eine Auszeichnung bei den GBB Awards eingebracht!
Neben der Energiewende gibt es weitere wesentliche Technologien für Nachhaltigkeit – ein Blick in die Stoffkreisläufe macht das deutlich: „Materialien sind nicht von Natur aus gut oder böse. Für jedes Material gibt es berechtigte Einsatzmöglichkeiten, die ausgelotet werden müssen“, erinnert Erich Benischek, Blaue Lagune, an Technologieoffenheit. „Kreislaufwirtschaft gibt es bei uns seit den 60er Jahren“, beschreibt Thomas Glanzer, Alukönigstahl, ihr Geschäftsmodell – denn tatsächlich hatte es damals wirtschaftliche Gründe, Rezyklatanteile zu erhöhen. Die Details liegen heute in den Produktionsparametern und natürlich in der Frage, wie man logistisch zu den Sekundärmaterialien kommt. Gabriela Straka, respACT, mahnt zu mehr Drive in der Kreislaufwirtschaft: „Wir haben hier einen starken politischen Plan – die Kreislaufwirtschaftsstrategie ist gesetzt – doch sie muss auch mit den Managern der Branchen diskutiert werden, denn sie sind die Akteure. Und was nicht rentabel ist, wird sich als Wirtschaftsmodell nicht durchsetzen.“
Und manche Innovationen bestechen auch durch smarte Einfachheit: „Gesunde Luft im Wohnraum, die nutzerunabhängig und vortemperiert einströmen kann, ist das Ziel“, weiß Christian Husch, KL Lufttechnik. Dass die Systeme zudem leicht installierbar sind, hilft schon in der Errichtung Kosten zu sparen. Genau dieses System wurde im Village im Dritten eingesetzt, mit einem weiteren Vorteil für die Vermieter: Schimmel- oder Kondensatprobleme gibt es dadurch nicht mehr, beschreibt Markus Stockinger, teamgmi, seine Erfahrungen damit.
Auch im aufrechten Betrieb geht es ständig um Innovationen: „Als Betreiber des Flughafens und der Airport City haben wir Nachhaltigkeit ganz oben in der Strategie verankert. Aktuell suchen wir noch nach passenden Innovationen im Bereich Batteriespeicher für unsere Größenordnungen“, gibt Wolfgang Scheibenpflug, Flughafen Wien, einen Innovationsauftrag ab. Mit diesen Speicherlösungen will der Flughafen unter anderem Elektromobilität für alle bereitstellen, egal ob sie ihr Auto für eine Stunde oder für 10 Tage parken. Dass E-Mobilität eine Aufwertung für jeden Standort sein kann, unterstreicht auch Dominik Wegmayer, PAYUCA: „Auch ohne Förderungen wird sich E-Mobilität durchsetzen. Wer früh mit dabei ist und die Infrastruktur zum komfortablen Laden bereitstellt, wertet auch seine Immobilie auf.“
Noch sind wir auch in unseren Kompetenzen nicht exakt dort, wo wir alle Technologien perfekt nützen können, bringt Klara Ritter, RSI Square, ein: „Wir haben noch nicht ausreichend Erfahrung, eine Immobilie als Energieerzeuger und als Trader zu sehen, aber dort müssen wir hin!“
Also – wie weit sind wir aktuell schon mit den Technologien für die Wende? Diese Frage haben wir auch unserem Publikum gestellt: Wo liegen noch die größten Hürden?

Schön zu sehen, wenn wir Leuchtturmprojekte und Vorzeigeinitiativen auf der Bühne haben, die Mut machen. Sabine Müller, Wien 3420 Aspern Development, gibt uns Einblicke in die Seestadt: „Im größten Stadentwicklungsgebiet Europas haben wir auf 240 ha Gesamtfläche ein Gebiet geschaffen, wo Menschen arbeiten, lernen, wohnen und ihre Freizeit verbringen.“ Alles, was zum klimaresilienten Leben erforderlich ist, werde umgesetzt. Das Spannende: die Seestadt Aspern sei zum lebendigen und lernenden Stadtteil geworden, wo Planen, Leben, Bauen, Sanieren, Optimieren, Monitoren, … stets gleichzeitig passiert.
Ein anderes Beispiel bringen Karl Zimota, TÜV SÜD, und Bernhard Pointinger, Pointinger Bau: „Mit Green Harmony verbinden wir in einem Projekt soziale und ökologische Nachhaltigkeit – dass das auch wirtschaftlich ist, sehen wir an den Finanzierungskosten.“ Wer nachweislich die Taxonomiekriterien einhält, finanziert günstiger – die Banken haben hier selbst viel dazugelernt. „Wichtig ist es immer zu wissen, wie nachhaltig ich tatsächlich lebe“ wirft Karl Zimota ein: „Wer weiß schon, wie viel Liter pro Minute seine Dusche auswirft? Und das ist nur eines von sehr vielen Beispielen für die Taxonomiekonformität einer Immobilie.“ Seine Kollegin Daniela Karnebogen, TÜV SÜD, ergänzt das Bild: „Erst wenn unabhängige Dritte die Prozesse, die Pläne, die tatsächliche Realisierung bestätigt haben, entstehen belastbare Umweltaussagen zur Immobilie – und das schafft Verlässlichkeit, Sicherheit und Vertrauen.“
Tugenden und Kompetenzen – von Entwicklung über Nutzung zu Sanierung zum Lebenszyklusende
Für den zukünftigen Markt zu entwickeln, ist DIE Herausforderung für die Branche. Dynamik macht sich breit! Inklusion der Nutzer*innen, 2,8 Grad Erwärmung als wahrscheinliches Szenario, Energiewende, Sanierung statt Neubau, Verantwortung über den gesamten Lebenszyklus, Ressourcenknappheit, … sind weiter zu beachten.
Wie werden wir in diese Ära bestmöglich eintreten? „Nur wer versteht, wie Menschen wirklich leben und arbeiten, kann Räume schaffen, die mehr sind als Bestand – nämlich Orte, die Zukunft ermöglichen: verantwortungsvoll, nachhaltig und mit echtem Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt“, plädiert Michaela Mischek-Lainer, Immobilienexpertin und Vorständin von CEOs for FUTURE, an die Branche. Wie das praktisch geht? Wir brauchen mehr Dialog und Zeit in der Planung, Reallabore, Einbindung von Forschungseinrichtungen, … als Treiber für tragfähige Entwicklungsprozesse. „Die EU fördert diese Planungsphasen durchaus – und wer sich frühzeitig Gedanken macht, wie man Nachhaltigkeit in die Projekte hineinbringt, kann dafür auch Förderungen lukrieren“, bekräftigt Andrea Pramböck, KPMG, Mut zu neuen Wegen.
In die Planung müssen also auch alle Disziplinen frühzeitig eingebunden werden. „Klar werden die Planungsprozesse immer komplexer, aber auch wir als Technik-Partner wollen frühzeitig eingebunden werden. Der Hebel der Einsparungen im Betrieb ist gigantisch, wenn wir frühzeitig mitreden können“, appelliert Matthias Gleitsmann, TROX. Helmut Poppe, POPPE-PREHAL ARCHITEKTEN, lebt diesen Prozess bereits seit der Gründung seines Unternehmens -zustimmend, dass mit der Zeit auch die Komplexität drastisch gestiegen ist. Auch Wolfgang Kradischnig, DELTA, betont: „Klar bin ich ein Fan von BIM und Digitalisierung. Die Systeme werden es uns aber nicht abnehmen, ehrlich, offen, unter gemeinsamen Zielen und Werten für ein Projekt in die richtige Richtung zu rudern. Das ist und bleibt eine Frage der Kultur!“ und plädiert damit lautstark für mehr Kooperation am Bau. Und welche Tugenden sind dafür nötig? „Die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, wo Menschen über unterschiedliche Disziplinen und Sprachen hinweg freudvoll und freiwillig ehrlich und offen diskutieren“, sagt Christian Pillwein, Beckhoff. Wenn’s denn so einfach wäre… Da muss auch in der Lehre schon der ein oder andere Grundstein gelegt werden: „Wir bauen gezielt Kompetenzen auf, die gemeinsame Arbeit erleichtern und die Diskussionsfähigkeit stärken“, berichtet Karina Breitwieser, TU Wien. Und Regina Lettner, baukult ZT, ergänzt wichtige Kompetenzen: „Jede Planung braucht einen Menschen, der alle Stakeholder durch den Planungsprozess führt und sich bei Finanzierung, Förderung, Behörden, … auch entsprechend Gehör verschaffen kann.“
Nachhaltigkeit ist und bleibt eine Frage der Haltung – Wer Nachhaltigkeit als Wert hochhält, und die Business Chancen darin sucht, wird auch erfolgreich sein. Hier sind Ehrlichkeit, Offenheit und Partnerschaftlichkeit DIE Erfolgsgaranten, weiß auch Walter Hammertinger, re-nxt development. Und Thomas Sommerauer, FH Campus Wien, pointiert: „Wenn wir heute mit Themen von gestern ins Rennen gehen, wird nichts klappen. Wir müssen mit Kommunikation und Kooperation in die Zukunft gehen!“
Und welche Zukunft soll das sein? Was sind die TOP 3 Chancen für Österreichs Immobilienwirtschaft – das wollten wir zum Abschluss noch von allen wissen:

FAZIT
Auch nach 16 Jahren Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft gehen uns die Diskussionsthemen nicht aus. Mehr denn je braucht es multiperspektivische Diskussionen, die sich an gemeinsamen Werten und Zielen orientieren – nämlich EINE lebenswerte Zukunft mit den dazu passenden LEBENSRÄUMEN zu schaffen. Einfach ist das sicher nicht – aber Dialog, Inspiration, Wissenstransfer und offener Austausch helfen dabei. Wir sind am 5.11.2026 mit der 17. GBB wieder am Start. Sie auch? #wissenROCKT
Vorträge zum Nachlesen
- Bereit für die Herausforderungen nach der Immobilien-Krise? Klimaneutralität, Technologie und gesellschaftlicher Wandel als Aufträge an die Bau- und Immobilienbranche (Michaela Mischek, CEOs for Future)
- Der rechtlichen Rahmen der Energiewende (Hannes Schlager, AKELA)
- Klimaziele treffen auf Lebensqualität. Ohne gesunde Luft kein grünes Gebäude (Mathias Gleitsmann, TROX)
- Klimafitness in der Stadtentwicklung: Alternativlos oder überschießend? Ein Debattenbeitrag aus aspern Seestadt (Sabine Müller, Wien 3420 aspern Development)
- Leistbarkeit im Betrieb sichern (Kevin Bauer, Wohnio & Kerstin Robausch-Löffelmann, BWSG)
- Nachhaltigkeit durch Digitalisierung transparent machen (Klaus Sonnenschein, OPTIMUSE)
- SHOW CASING EU-Taxonomie: Wie es in der Praxis wirklich funktioniert! (Daniela Karnebogen & Karl Zimota, TÜV SÜD & Bernhard Pointinger, Pointinger GmbH)