CTC-Award Einreichung: Denner
Manchmal entstehen große Ideen aus kleinen Gesten, wie etwa dem Sammeln leerer Druckerpatronen in der Schulzeit. Aus dieser frühen Leidenschaft für Technik und Umweltschutz entwickelte Geschäftsführer Gottfried Denner ein Geschäftsmodell, das heute europaweit Maßstäbe setzt: ein vollständig geschlossener Kreislauf für Druckerleergut.
Von der Sammlung über die Wiederaufbereitung bis zum Recycling bietet die Denner Group alles aus einer Hand und zeigt, dass Kreislaufwirtschaft keine Vision, sondern gelebte Praxis sein kann. Statt wertvolle Materialien zu verbrennen, fließen sie zurück in den Wirtschaftskreislauf.
Vincent Hahne: Was war die Geburtsstunde Ihrer Idee?
Linnea Olsen: Die Geburtsstunde unserer Idee liegt bereits in der Schulzeit unseres Geschäftsführers Gottfried Denner. Schon damals – im Alter von 17 Jahren – begann er damit, leere Druckerpatronen zu sammeln. Ihn faszinierte die technische Komplexität dieser Produkte, aber auch der Gedanke, dass darin wertvolle Rohstoffe stecken, die viel zu häufig im Müll landen. Gleichzeitig war ihm der Umweltschutz ein großes Anliegen – und er erkannte früh, dass Wiederverwertung ein entscheidender Beitrag für eine nachhaltige Zukunft ist.
Die Frage, warum man solch hochwertige Komponenten nicht sinnvoll wiederverwertet, ließ ihn nicht mehr los. Aus dieser Überzeugung heraus gründete er 2008 das Unternehmen – und stellte schon bald seine erste Mitarbeiterin ein. Gemeinsam legten sie den Grundstein für das, was heute als Denner Group europaweit als Vorreiter für Kreislaufwirtschaft im Druckbereich gilt.
Vincent Hahne: Wie hilft Ihre Lösung dabei, Kreislaufwirtschaft umzusetzen?
Linnea Olsen: Unsere Lösung setzt die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konsequent um – von der Sammlung bis zum Recycling. Wir bilden den gesamten Kreislauf rund um Druckerleergut ab: Europaweit sammeln wir leere Druckerpatronen und Tonerkartuschen, prüfen diese sorgfältig und bereiten sie – sofern möglich – wieder auf. Die recycelten Druckerpatronen verkaufen wir dann in unserem Onlineshop Druckmittel unter der Marke Call me new. Nicht wiederbefüllbare Tonerkartuschen werden in unserer firmeneigenen Recyclinganlage in Laa an der Thaya unter höchsten Umweltstandards geschreddert und in ihre Einzelteile zerlegt. So stellen wir sicher, dass wertvolle Rohstoffe nicht in der Müllverbrennung verloren gehen, sondern dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden.
Mit diesem geschlossenen System schaffen wir eine ressourcenschonende, nachhaltige Alternative zum linearen Wegwerfmodell – und leisten damit einen aktiven Beitrag zur Kreislaufwirtschaft in Europa.
Vincent Hahne: Was hebt Sie von Ihren Mitbewerber*innen ab?
Linnea Olsen: Wir sind das einzige Unternehmen in Österreich, das den gesamten Kreislauf für Druckerleergut abbildet – alles aus einer Hand. Von der Sammlung über die Wiederaufbereitung bis hin zum fachgerechten Recycling nicht wiederverwendbarer Komponenten: Unsere Kund*innen profitieren von einem geschlossenen, nachhaltigen System, das höchste Qualitätsstandards mit gelebtem Umweltschutz verbindet. Dabei setzen wir konsequent auf „Made in Europe“
Vincent Hahne: Vor welchen Hürden stehen Sie aktuell?
Linnea Olsen: Eine der größten Herausforderungen liegt aktuell in der zunehmenden Verknappung von hochwertigem Druckerleergut. Die Konkurrenz um verfügbare Rohware steigt, während gleichzeitig immer mehr Originalhersteller versuchen, den freien Markt durch technische Barrieren und restriktive Maßnahmen einzuschränken. Hinzu kommt, dass der europäische Markt zunehmend von Nachbauten aus Fernost überschwemmt wird, die oft minderwertige Qualität aufweisen und weder nachhaltig noch reparaturfähig sind.
Wir setzen dem bewusst etwas entgegen: Bei uns kommt ausschließlich originales Druckerleergut namhafter Hersteller zum Einsatz – das ist entscheidend, um höchste Qualitätsstandards, Kompatibilität und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sicherzustellen.
Auch gesetzliche Rahmenbedingungen in Europa hinken oft hinterher, wenn es um die Förderung echter Kreislaufwirtschaft geht. Zudem erfordert der Aufbau nachhaltiger und digitalisierter Prozesse – insbesondere im internationalen Kontext – laufend Investitionen in Forschung, Entwicklung und Infrastruktur.
Trotz dieser Hürden sehen wir großes Potenzial: Der steigende Bedarf an ESG-konformen Lösungen und CO₂-Einsparungen eröffnet neue Chancen, um unser Modell der Kreislaufwirtschaft weiter auszubauen und zukunftssicher aufzustellen.
Vincent Hahne: Was treibt Sie persönlich an, sich dem Thema zu widmen?
Linnea Olsen: Hinter dem Engagement der Denner Group steht die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und ökologische Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind. Was die Unternehmensführung und das gesamte Team antreibt, ist der Wunsch, echten Wandel zu schaffen – nicht nur zu reden, sondern aktiv nachhaltige Lösungen umzusetzen.
Schon früh wurde erkannt, welches Potenzial in der Wiederverwendung von Druckerleergut steckt – sowohl im Hinblick auf den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen als auch auf die Reduktion von CO₂-Emissionen. Die Vision war und ist es, ein funktionierendes Kreislaufsystem zu etablieren, das zeigt, dass Nachhaltigkeit kein Kompromiss, sondern eine Zukunftsstrategie ist.
Vincent Hahne: Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft im Punkto Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft?
Linnea Olsen: Wir wünschen uns von Politik und Gesellschaft einen klareren Fokus auf echte Kreislaufwirtschaft – mit fairen Rahmenbedingungen und mehr Bewusstsein für nachhaltigen Konsum. Die Politik ist gefordert, Wiederverwendung und Recycling nicht nur in Strategiepapieren zu verankern, sondern auch praktisch zu fördern: durch gesetzliche Anreize, strengere Importkontrollen für minderwertige Nachbauten und verbindliche Quoten für Rezyklate. Außerdem braucht es mehr Unterstützung für Unternehmen, die auf regionale, europäische Produktion und langlebige Produkte setzen.
Von der Gesellschaft wünschen wir uns ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass jede Kaufentscheidung auch eine ökologische ist – und dass Druckerpatronen kein Fall für den Restmüll sind. Millionen Tonnen wertvoller Rohstoffe gehen jährlich verloren, weil gebrauchte Patronen falsch entsorgt werden. Jeder kann hier einen Beitrag leisten, indem er Leergut richtig sammelt und sich für wiederaufbereitete Produkte entscheidet. Es braucht dringend mehr Aufklärung darüber, wie einfach und wirksam nachhaltiges Handeln im Alltag sein kann.
Denner hat dieses Jahr für den 5. CTC Award eingereicht. Seien auch Sie nächstes Jahr dabei, am 04.11.2025!