CTC-Award Einreichung: Compuritas
Elektronikgeräte gehören zu den ressourcenintensivsten Produkten unserer Zeit – sie enthalten wertvolle Rohstoffe, deren Herstellung enorme Mengen an Energie benötigt. Die Gründer von Compuritas stellten sich schon vor über einem Jahrzehnt die Frage, warum funktionierende Geräte so häufig entsorgt werden, obwohl sie noch jahrelang genutzt werden könnten.
Aus dieser Überzeugung entstand ein Geschäftsmodell, das ökologische Verantwortung mit sozialer Wirkung verbindet. Compuritas bereitet gebrauchte IT-Hardware professionell auf, führt sie in den Kreislauf zurück und unterstützt damit zugleich Schulen, soziale Organisationen und Bildungsinitiativen.
Der Ansatz zeigt, wie Kreislaufwirtschaft im digitalen Zeitalter aussehen kann: Geräte werden nicht ersetzt, sondern erhalten eine zweite Lebensphase – als Werkzeuge für Bildung, Teilhabe und Ressourcenschonung.
Vincent Hahne: Was war die Geburtsstunde Ihrer Idee?
Matthias Di Felice: Zu Beginn vor fast 13 Jahren als IT-Repair-Unternehmen konnten wir den Gedanken nicht ertragen, funktionsfähige, gute Geräte einfach wegzuwerfen. Gleichzeitig sahen wir, dass viele Schulen nur sehr unzureichend ausgestattet waren. Das Thema der digitalen Kluft steht bei Compuritas seit dem ersten Tag im Mittelpunkt.
Mir liegt die Natur seit meiner Kindheit sehr am Herzen, was sich später in Umweltaktivismus verwandelte - und bei Compuritas fügte sich alles zusammen. IT ist meine Leidenschaft und Nachhaltigkeit meine Berufung, also bot sich hier die Möglichkeit, beides zu verbinden, und es war nur logisch, dies zu tun. Es ergibt einfach vollkommen Sinn: hochwertige gebrauchte Firmen-Geräte erneuern statt wegwerfen, Ressourcen schützen und Schulen sowie Schüler: innen den Zugang zu digitalen Technologien ermöglichen. Und das fügte sich perfekt in den Rahmen des Social Entrepreneurship, das wirtschaftliche Lösungen für gesellschaftliche Probleme schafft.
Vincent Hahne: Wie hilft Ihre Lösung dabei, Kreislaufwirtschaft umzusetzen?
Matthias Di Felice: Kreislaufwirtschaft ist nicht nur Teil unseres Geschäftsmodells – sie ist die Grundlage von allem, was wir bei Compuritas tun. Wir handeln ausschließlich mit generalüberholten IT-Produkten, die durch unseren professionellen Erneuerungsprozess viele weitere Jahre im Einsatz bleiben.
Wir unterstützen Firmen dabei, zirkuläre und CSR-konforme Lösungen für ihre gebrauchte IT-Hardware zu entwickeln. Unser Service umfasst den kompletten Prozess: Wir kaufen Laptops, PCs, Monitore und andere IT-Geräte an, übernehmen die gesamte logistische Abwicklung inklusive zertifizierter Datenlöschung und bieten Unternehmen flexible Optionen. Sie können ihre Geräte entweder gewinnbringend verkaufen oder für soziale Zwecke ihrer Wahl spenden – beispielsweise zur Unterstützung des #weiterlernen Hardware-Programms.
Zusätzlich können Firmen ihre Geräte bei uns sicher löschen und erneuern lassen, um sie als attraktive Mitarbeiterbenefits weiterzugeben. So schaffen wir gemeinsam nachhaltigen und sozialen Impact mit echtem gesellschaftlichem Mehrwert.
Vom Büro bis zum Lager setzen wir auf gebrauchte Einrichtung, nachhaltige Verpackungsmaterialien und umweltschonende Reinigungsmittel. Unser Team zerlegt defekte Geräte, die sich nicht mehr erneuern lassen, zunächst in Ersatzteile für zukünftige Reparaturen, alles Übrige wird recycelt – so leisten wir auch einen wichtigen Beitrag zum Urban Mining.
Vincent Hahne: Was hebt Sie von Ihren Mitbewerber*innen ab?
Matthias Di Felice: Als österreichisches Social-Entrepreneurship verbinden wir wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem und ökologischem Impact. Nachhaltigkeit und gleiche Bildungschancen sind zentrale Werte für uns. Mit hochwertigen, professionell erneuerten IT-Produkten tragen wir dazu bei, die digitale Kluft zu verringern.
Wir sind Innovatoren, die gemeinsam mit dem öffentlichen und privaten Sektor Pilotprojekte von Grund auf entwickeln. Dabei schaffen wir flexible Lösungen, die sich den Bedürfnissen unserer Partner anpassen und bestehende Prozesse und Strategien ergänzen, um mehr Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung und CSR Impact zu ermöglichen.
Im Rahmen des OPENing Re-Use Projekts, kooperieren wir eng mit Forschenden und stellen umfassendes Know-how sowie detaillierte Daten zu all unseren Re-Use-Prozessen zur Verfügung, um ein Pilot Instrument zu entwickeln, dass andere Unternehmen beim Einstieg in Re-Use-Aktivitäten unterstützt.
Vincent Hahne: Vor welchen Hürden stehen Sie aktuell?
Matthias Di Felice: Unsere Arbeit ist sehr personal- und ressourcenintensiv, da jedes IT-Gerät sorgfältig geprüft, erneuert und komplett gereinigt wird. Die gestiegenen Personal- und Fixkosten waren auch eine Herausforderung für uns. Durch Effizienzsteigerung und ein gutes Team haben wir das aber im Griff.
Gleichzeitig beeinflusst der rasante Fortschritt im Bereich künstlicher Intelligenz auch unsere Branche stark. Wir sehen das jedoch aktiv als Chance, um Prozesse zu automatisieren und unsere Wirkung zu steigern.
Darüber hinaus suchen wir weitere große Partner, um unseren sozialen und ökologischen Impact auszubauen und gemeinsam noch mehr Geräte im Kreislauf zu halten.
Vincent Hahne: Was treibt Sie persönlich an, sich dem Thema zu widmen?
Matthias Di Felice: Die IT-Branche zählt zu den Ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Sektoren. Wenn so viel Energie, Rohstoffe und Arbeitskraft für die Herstellung von IT-Geräten aufgewendet werden und somit ein großer ökologischer Fußabdruck entsteht, ist es umso wichtiger, diese so lange wie möglich zu nutzen.
Die Verlängerung der Nutzungsdauer dieser Geräte ist enorm wichtig – nicht zu früh recyceln, sondern zu reparieren und zu erneuern. Diese Geräte sind echte Wunderwerke mit top Qualität. Es wäre Verschwendung, sie nicht länger zu nutzen, wenn sie einwandfrei funktionieren.
Ich bin in einem Haushalt mit geringem Einkommen aufgewachsen und weiß noch gut, wie mein erster hart ersparter Computer mein Leben verändert hat. Das möchte ich allen ermöglichen.
Ohne geeignete Geräte bleiben Menschen, insbesondere Schüler: innen, zurück und das Aufholen wird extrem schwierig. Genau deshalb ist unser #weiterlernen Hardware-Spenden-Programm so wichtig: Die Erneuerung gespendeter Geräte von Unternehmen und deren Weitergabe an Schüler: innen hat ihr Leben und ihre Zukunftsmöglichkeiten nachhaltig verändert. Neben dem Beitrag zur Nachhaltigkeit ist das einer unserer größten Beweggründe.
Vincent Hahne: Was wünschen sie sich von Politik und Gesellschaft im Punkto Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft?
Matthias Di Felice: Mehr Förderungen und Finanzierungsmodelle für bestehende Unternehmen der Kreislaufwirtschaft, die CO2 einsparen. Statt CO2-Strafzahlungen besser in die heimische nachhaltige Wirtschaft zu investieren. Das kommt nicht nur günstiger, sondern schafft auch nationale Arbeitsplätze mit Zukunft.
Steuerreduktion für refurbished Produkte. Die Steuer wurde dafür ja schon mal bezahlt, da könnte man entgegenkommen, damit die Produkte günstiger werden und noch attraktiver für die Konsumentinnen.
Kontaktinformationen:
Compuritas: https://www.compuritas.at/
CEO Matthias Di Felice: https://www.linkedin.com/in/matthias-difelice/
Projekte:
#weiterlernen Hardware-Programm - https://www.muvl.org/weiterlernen
OPENing Re-Use Projekt: https://openingreuse.at/
Compuritas war Gewinner des CTC-Awards als Circle Closer. Reichen Sie nächstes Jahr ein!