2,5 Millionen Kastenfenster in Wien. Doch wie saniert man die?
Wer durch die Wiener Innenstadt geht, kommt immer an den charakteristischen Kastenfenster der Gründerzeit vorbei. Was von außen nach unveränderter Bausubstanz aussieht, ist innen oft ein energetisches Problem: undichte Beschläge, einfaches Glas, wartungsintensive Holzaußenebenen. Wie man diese Fenster modernisieren, ohne ihren Charakter zu verändern, erzählt uns Martin Miller von ALDURA.
Alexander Ghezzo: Was ist das Wichtigste, was man in Sachen Kastenfenster wissen muss? Welche interessanten Fakten und Zahlen haben Sie für uns?
Martin Miller: In Österreich gibt es schätzungsweise rund 2,5 Millionen Kastenfenster – ein beeindruckender Bestand, der regelmäßig saniert werden muss. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, qualifizierte Fachkräfte für diese anspruchsvolle Arbeit zu finden. Genau hier setzt ALDURA an: Wir übertragen bewährte Technologien aus dem modernen Fensterbau – die sich seit über 40 Jahren etabliert haben – auf die „Königsklasse“ der Fenster, das Kastenfenster. So entsteht eine Verbindung aus traditioneller Bauweise und zeitgemäßer Technik, die sowohl funktional als auch wirtschaftlich überzeugt.

Gründerzeithäuser in der Schutzzone Wien v.l.n.r. (Geblergasse 54, Wien, 17. Bezirk; Henslerstraße 3, Top 6, Wien, 3. Bezirk)
Alexander Ghezzo: In einer Zeit, wo Holz als Baustoff gefeiert wird, setzen Sie bei der Renovierung der Kastenfenster in Gründerzeitbauten auf Aluminium. Wo liegen die konkreten Vorteile?
Martin Miller: Die Vorteile einer Aluminium-Außenebene sind klar: Sie ist wartungsfrei, formbeständig und äußerst pflegeleicht. Gleichzeitig bleibt das charakteristische Raumgefühl eines Holzfensters vollständig erhalten. Gerade dieses Zusammenspiel ist entscheidend. Holz sorgt für Behaglichkeit im Innenraum, benötigt jedoch Schutz vor immer intensiveren Witterungseinflüssen. ALDURA kombiniert daher die Stärken beider Materialien. Tatsächlich wäre der Einsatz von Aluminium als äußere Schutzschicht heute aus dem modernen Fensterbau kaum mehr wegzudenken – selbst bei Kunststofffenstern ist er längst Standard. Warum also nicht auch bei stilvollen Kastenfenstern?
Alexander Ghezzo: Bei der Sanierung von Fenstern geht es stark um Energieeffizienz. Kann man die durch Sanierung erzielten Verbesserungen konkret in Zahlen gießen?
Martin Miller: Als Spezialist für die Sanierung von Bestandsfenstern setzt ALDURA konsequent auf individuelle Lösungen. Neben der Modernisierung der Außenebene lassen sich durch gezielte Maßnahmen deutliche Verbesserungen bei der Energieeffizienz erzielen – etwa durch zusätzliche Dichtungen, den Austausch von Glas oder die präzise Einstellung der Beschläge. Konkrete Einsparungen hängen immer vom jeweiligen Objekt ab, lassen sich aber in der Praxis deutlich spüren. Schon die Kombination aus Aluminium-Außenebene und optimal eingestellten Beschlägen kann die Heizkosten spürbar reduzieren. Um realistische Aussagen treffen zu können, analysieren wir jedes Projekt gemeinsam mit unseren Kunden direkt vor Ort und zeigen alle sinnvollen Optionen auf.

Gründerzeithaus in der Schutzzone Wien und Otto Wagner Gebäude mit Denkmalschutz v.l.n.r. (Nibelungengasse 13, Wien, 1. Bezirk; Am Brigittenauer Sporn 7, Wien, 20. Bezirk)
Alexander Ghezzo: Kastenfenster haben lange Tradition, viel wurde verbessert, verändert, umkonzipiert. Wie bringt man Innovation in so ein altehrwürdiges Produkt?
Martin Miller: Innovation bedeutet nicht zwangsläufig, alles neu zu erfinden. Vielmehr geht es darum, Bestehendes sinnvoll weiterzuentwickeln. Genau diesem Ansatz folgt ALDURA: Die ursprüngliche Form und Konstruktion des Kastenfensters bleiben erhalten – lediglich das Material der Außenebene wird modernisiert. Oft sind es gerade diese scheinbar einfachen Anpassungen, die den größten Mehrwert schaffen. Besonders im denkmalgeschützten Bereich ist es entscheidend, den Charakter eines Gebäudes nicht zu verändern, sondern ihn zu verstehen und behutsam weiterzuführen.
Alexander Ghezzo: Sie haben schon einige spannende Projekte umgesetzt. Wo sieht man Aldura Kastenfenster, wenn man z.B. durch die Wiener Innenstadt streift?
Martin Miller: ALDURA durfte bereits zahlreiche historische Gebäude mit modernisierten Kastenfenstern ausstatten – darunter auch Objekte von Otto Wagner wie das Schleusengebäude oder von Theophil Hansen, etwa das Musische Zentrum. Darüber hinaus finden sich unsere Lösungen in vielen Wiener Innenstadtlagen wie der Peregringasse, dem Getreidemarkt, der Schmalzhofgasse oder der Nibelungengasse. Das Besondere daran: Die Veränderung ist von außen praktisch nicht erkennbar. Die Ästhetik bleibt vollständig erhalten – nur die Funktionalität wurde auf ein neues Niveau gehoben.

Theophil Hansen Gebäude mit Denkmalschutz und Gründerzeithaus in Schutzzone Wien v.l.n.r. (Zeltgasse 7, Wien, 8. Bezirk; Wassergasse 33, Wien, 3. Bezirk)
Alexander Ghezzo: Die Kostenexplosion für die Bau- und Immobilienbranche behindert den Fortschritt in Sachen Sanierung. Wie erleben Sie die aktuelle Situation?
Martin Miller: Die steigenden Kosten für Materialien und Grundstücke sind zweifellos eine Herausforderung. Gleichzeitig führen sie aber zu einem Umdenken: Der Fokus verlagert sich stärker auf den Bestand. Statt neu zu bauen, gewinnt die Sanierung an Bedeutung – insbesondere bei hochwertigen Gründerzeitgebäuden. ALDURA sieht darin eine große Chance. Bestehende Werte zu erhalten und nachhaltig zu nutzen, ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch ökologisch. Gebäude, die seit über hundert Jahren bestehen, zeigen eindrucksvoll, wie langlebig und wertvoll durchdachte Bauweise sein kann.
Alexander Ghezzo: Denkmalschutz ist für die Sanierung von Gründerzeitimmobilien immer mitzudenken. Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihren Projekten damit?
Martin Miller: Der Denkmalschutz spielt eine zentrale Rolle im Erhalt unserer Städte, betrifft jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Gesamtbestands – rund 4 % der Fenster. Häufig handelt es sich eher um Ensembleschutz, bei dem vor allem Form und Dimension erhalten bleiben müssen, während das Material flexibler gehandhabt werden kann. In der Praxis bedeutet das: Es braucht Fingerspitzengefühl, Erfahrung und die Bereitschaft zum Dialog. ALDURA arbeitet eng mit allen Beteiligten zusammen, um Lösungen zu finden, die sowohl den Anforderungen des Denkmalschutzes als auch den heutigen technischen Standards gerecht werden.
Auch 2026 bleibt Neubau teuer und Projektentwicklung schwierig. Der Blick auf den Bestand ist deshalb eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Entscheidung. ALDURA treffen Sie dazu beim 7. Ghezzo Immobilientag.
Alle Infos & Anmeldung: https://ghezzo.at/konferenzen-uebersicht/events/5150-7-ghezzo-immobilientag-2026.html
