Alte Fenster abdichten reicht im Kampf gegen den Klimawandel nicht…

by Alexander Ghezzo

…, aber für neue braucht es Finanzierung, Förderung und smarte österreichische Lösungen. Michael Freiler, Geschäftsführer von EKU-Fenster, analysiert für uns die aktuellen Herausforderungen und Trends am Markt und den rechtlichen Rahmen. Er sieht einen Anstieg in Sachen Renovierung und eine Abflachung im Neubau.
Wie er im eigenen Unternehmen den CO2 Footprint optimiert, wie es um das Recycling steht und wie man seine Gebäude zukunftsfit macht – zumindest was die Fenster betrifft – erfahren wir von Michael Freiler im Interview. und natürlich unterhalten wir uns auch über Preise.

Ghezzo: Die Sanierungsquote in Österreich ist immer noch erschrecken gering. Aber am Horizont zeichnet sich ab: Gebäude, die nicht einem Mindeststandard entsprechen, werden nicht mehr verwertbar sein. Ändert sich deswegen auch schon etwas in der Nachfrage?

Michael Freiler: Noch nicht spürbar – die meisten Prognosen gehen jedoch davon aus, dass eine Steigerung im Bereich Renovierung zu erwarten ist, vice versa ein Rückgang im Neubaubereich

Ghezzo: Wahrscheinlich spüren Sie auch schon eine Veränderung durch die gestiegenen Energiekosten – man mag wohl auch nicht mehr soviel Geld aus dem Fenster heizen?

Michael Freiler: Natürlich sind die Energiekosten und daraus abzuleitende sinnvolle Gegenmaßnahmen im Bereich der Isolierung ein großes Thema. Wir merken sehr wohl, dass dies bei einigen Kunden der Anlass für Renovierungsarbeiten ist. Hier muss man jedoch die Regierung stark kritisieren, dass derartige Maßnahmen kaum bis gar nicht gefördert werden, nur halbherzige und schwer zu hinterfragende Subventionen fließen. Die Politik muss sich endlich mal darauf besinnen, dass sie für das Volk da ist, und nicht gegen die eigene Bevölkerung politische Spielchen betreiben darf. Zusätzliche Besteuerung von fossilen Rohstoffen, sowie Verbote und Zwangsvorschriften mögen in manchen politischen Kreisen bejubelt werden … deren Sinnhaftigkeit sucht man meist vergeblich. Genau so wenig, wie sie einen 50 Jahre alten PKW mit neuen Reifen umweltfreundlich machen werden, werden Sie auch nicht merklich Energie sparen, indem sie alte Fenster nur abdichten, oder einen Deckel auf den Kochtopf geben. Die Regierung ist hier wirklich gefordert, sowohl bei den Finanzierungsmöglichkeiten, also auch den Förderungen jene Maßnahmen zu setzen, welche bereits kurzfristig Verbesserungen erzielen, und langfristig wirken. Leider erleben wir aktuell genau das Gegenteil – insbesondere bei den Änderungen der Finanzierungsvorgaben fehlt einem jegliche Fantasie, wie man zukünftig – sowohl als Privater, als auch als Hausverwaltung bzw. Genossenschaft – derartige notwendige Projekte umsetzen kann. Es wären zu diesem Punkt auch österreichweit einheitliche Lösungen wünschenswert.

Ghezzo: Wie gehen Sie in Ihrem Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit um? Welche Bedeutung hat sie in Ihrem Arbeitsumfeld?

Michael Freiler: Wir versuchen den Begriff Nachhaltigkeit zu vermeiden … denn „auch Dummheiten können nachhaltig sein“. Das Thema Ökofootprint … CO2-Reduktion (Vermeidung) … sinnvolle und wirksame Maßnahmen ist für uns jedoch sehr wichtig. Dementsprechend ist unsere Philosophie auch bei den Lieferanten so regional wie möglich zu kooperieren, ebenso bei der Selektion unseres Produktportfolios. Dies führte auch zu Wechsel von Lieferanten. 2022 haben wir einen Lieferanten neu aufgenommen, dessen Produkt CO2-zertifiziert ist. Dieser Lieferant investiert aktuell rd. 10 Mio. Euro, um CO2-neutral an sämtlichen Standorten produzieren zu können, und sämtliche fossilen Brennstoffe eliminieren zu können. Mehrere Lieferanten investieren zB in Photovoltaik usw. Einer unserer größten Lieferanten hat eine eigene Unternehmensgruppe gegründet, welche in 5 Jahren weltweit dieses Unternehmen an sämtlichen Standorten energieautark macht, und Strom zu 100 % aus erneuerbaren Energieträgern gewonnen wird. Dieser wird zukünftig auch den Kunden dieses Lieferanten zu attraktiven Preisen angeboten.

Ghezzo: Welche Innovationen gibt es in diesem Bereich?

Michael Freiler: Beispielsweise solarbetriebene Produkte zum Thema Klimatisierung und Energie sparen, Profile mit hohem (bis zu 100 %) Recycling Anteil etc. Das Kunststofffenster und die Sonnenschutzprodukte bieten enorm viele Möglichkeiten, ohne zusätzliche Energieverschwender Wohnungen und Wohnhäuser zu klimatisieren. KI in den solarbetriebenen Sonnenschutzprodukten macht dies möglich – und wurden diese auch mit entsprechenden Zertifikaten bereits ausgezeichnet. Der Recyclinganteil bei Kunststoffprofilen wird immer höher. Wir können ein Profil anbieten, welches zu 100 % aus Recyclingmaterial besteht. Weiters zukünftig ein Profil, welches aus 100 % nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wird, und fossile Rohstoffe ersetzt. Der CO2-Fußabdruck wird mit diesem Profil um mehr als 90 % reduziert. Die Qualität bleibt unverändert hoch. Wesentlich und kaum bekannt ist auch der Umstand, dass ein Kunststofffenster 7 x recycelt werden kann … bei einer durchschnittlichen Produktlebensdauer von 30 Jahren bedeutet dies, dass wir bei einem Kunststofffenster über 200 Jahre den Rohstoff aus dem Recycling nutzen können. Österreich ist ein klassisches Alu-Vorsatzschalen-Land. Dies damit die entsprechenden Farbwünsche der Kunden erfüllt werden können. Aluminium ist sehr energieintensiv und nicht gerade ein Öko-Produkt. Wir können zukünftig Profile anbieten, wo wir technologisch gleichwertig wie Alu bzw. sogar höherwertig farbige Kunststoffprofile ohne Alu-Vorsatzschale und ohne Dekorfolie anbieten können. Eine dieser Alternativen ist eine Acrylbeschichtung (Verbindung auf molekularer Ebene durch Co-Extrusion), die höherwertig als Aluminium ist. Letzteres ist ein Produkt / eine Technologie, welche seit 40 Jahren auf dem europäischen Markt ist, und in Deutschland 40 % Anteil hat.

Ghezzo: Die brüchige Supplychain ist ein riesen Thema für alle Projektentwickler. Wie erleben Sie die Situation?

Michael Freiler: Sehr unterschiedlich … manchmal massive Veränderungen in den Baufortschritten, so dass Pläne ad absurdum geführt werden, überwiegend halten sich diese Abweichungen mittlerweile jedoch in Grenzen. Die Lieferfristen sind wieder deutlich kürzer geworden, als zum Covid-19 Höhepunkt, und auch die Liefertreue hat sich verbessert.

Ghezzo: Und wie steht es um die Preisdynamik bei Fenstern?

Michael Freiler: Um ehrlich zu sein: die Preissteigerungen sind wirklich enorm. Vereinzelt verlieren wir – aber auch viele Mitbewerber – deshalb Aufträge. Nicht dass Kunden Qualitätsprodukte wo billiger kaufen (können). Sondern weil es für manche nicht mehr leistbar ist. Im Renovierungsbereich ist diese Preissensibilität unseres Erachtens nicht so massiv ausgeprägt. Nach zwischendurch spürbarer „Vorsicht“ im Objektbereich verzeichnen wir hier wieder ein business as usual – oder eher sogar steigende Investitionsfreudigkeit insbesondere bei Genossenschaften und Hausverwaltungen. Die hohen Preise werden mehr und mehr akzeptiert – auch im privaten Kundensegment, wo trotz Inflation und hohen Energiekosten eine anhaltend hohe Nachfrage gegeben ist (Thema Senkung Energiekosten).

Ghezzo: Was sind für Sie die Besonderheiten bei EKU Fenstern?

Michael Freiler: Die Besonderheit an EKU ist das Package: wir bieten Gesamtlösungen im Bereich Fenster, Haus- und Nebeneingangstüren, Insektenschutz und Sonnenschutz. EKU produziert am Standort Wiener Neustadt Fenster und Türen. Sowohl bei der Eigenfertigung, als auch bei den Handelsprodukten im Sonnenschutz- und Insektenschutzbereich hat die Qualität hohe Bedeutung. Ebenso legen wir Wert auf einen hohen Servicegrad im gesamten Verkaufs- / Auftragsprozess, auch nachdem der Auftrag abgeschlossen ist. Bei uns muss der Kunde nichts selber machen: Beratung vor Ort, Naturmaßnahme, eigene Montage und eigener Service, sowie auch ökogerechte Entsorgung im Rahmen von Renovierungen. Wesentlich ist bei EKU auch, dass sehr viel Wert auf Regionalität gelegt wird. Bei der Lieferantenselektion suchen wir den besten Mix aus Qualität und CO2-Reduktion zu erreichen. Dank unserer Flexibilität können wir Kundenwünsche sehr rasch erfüllen – die Grenzen setzen uns hier nur die Ressourcen der Supply Chain der Lieferanten. Notfälle (zB Schäden nach Einbrüchen) erledigen wir mit höchster Priorität und sehr rasch, ohne dafür zusätzliche Kosten zu verlangen. Produktionsbedingt sind wir auch in der Lage, „architektonische Sonderwünsche“ (Sonderformen, Sonderformate etc.) in einem sehr hohen Maß zu erfüllen. All das unterscheidet uns ganz wesentlich von Billigimporten und vielen „One-Man-Shows“ auf dem Markt. Natürlich kann mal etwas passieren. Wir sind bemüht, auch in solchen Situationen die Kundenzufriedenheit sehr hoch zu halten, und Probleme zu lösen … diesen lösungsorientierten Ansatz setzen wir auch bei unseren Lieferanten voraus. Zähneknirschend muss man aber auch akzeptieren, dass „Murphy’s Law“ existiert, und es Kunden gibt, die schlicht und einfach nicht zufrieden zu stellen sind (außer man beginnt zu verschenken – aber da halten wir es mit dem berühmten Zitat von Niki Lauda: auch wir haben nichts zu verschenken). So lange diese Fälle im Promille-Bereich bleiben, muss man sie einfach hinnehmen – aber ganz wichtig: daraus lernen und ständig besser werden.

Mehr zu EKU:

Treffen Sie Michael Freiler auf der 13. GBB Green & Blue Building Conference

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