Über Herausforderungen bei der Kastenenfenster-Sanierung, die rechtlichen Rahmenbedingungen und den Klimaschutz

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Ich habe Georg Lux im Zuge der best(and)IMMO #3 (2015) kennengelernt und seit damals hat sich eine tolle Freundschaft zwischen uns entwickelt. Beruflich schätze ich an ihm, seine Art Zusammenhänge zu analysieren und seinen Forschergeist. Das macht Georg zu einem interessanten Gesprächspartner (immer noch lesenswert ist der gemeinsame Blogbeitrag aus 2015). Seit damals hat sich sein Unternehmen – Wiener-Komfort-Fenster Lux GmbH – großartig entwickelt und bei der best(and)IMMO #7 wird er über ein Großprojekt berichten. Grund, Georg noch einmal zu interviewen. Dabei geht es um Sanierung, Energieeffizienz, Denkmalschutz, Schutzzonen, Forschung und Entwicklung und um den Klimaschutz.

Autor: Alexander Ghezzo

Alexander: 2015 habe ich Dich schon einmal interviewt zum Thema Kastenfenster, Sanierung und Energieeffizienzgesetz. Zum letzteren gleich meine Frage: Hast Du durch das Energieeffizienzgesetz tatsächliche Impulse und vor allem konkrete Projekte erlebt?

Georg: Wir haben natürlich keinen Einblick in die Entscheidungsprozesse unserer Auftraggeber. Rückblickend auf die umgesetzten Projekte würde ich jedoch meinen, dass das EEG durchaus Bewegung in Richtung Energieeinsparung am Gebäudesektor, gerade bei größeren Institutionen, gebracht hat.

Wie viel an Einsparung tatsächlich erreicht wurde wird sich erst zeigen.

Eine Verlängerung und Neuanpassung der Zielvorgaben über 2020 hinaus halte ich jedenfalls in Hinblick auf den Klimaschutz für absolut notwendig.

Alexander: Die Novelle der Bauordnung soll ja Gründerzeithäuser schützen, ist aber umstritten. Wie stehst Du zur Novelle? Werden die richtigen Maßnahmen getroffen?

Georg: Mit der Novelle wurde die bestehende Regelung für Schutzzonen auf den gesamten Baubestand vor 1945 ausgeweitet.

Erhaltenswerte Objekte sollten unabhängig davon ob sie in einer Schutzzonen liegen oder nicht gleich behandelt werden. Die Erweiterung ist also konsequent und für mich nachvollziehbar.

Ich denke es wird sich sich erst in der Praxis zeigen nach welchen (nachvollziehbaren) Grundsätzen und Kriterien entschieden wird.

Alexander: Thema Denkmalschutz ist bei vielen Projekten eine Achillesferse. Wie sieht es bei Euren Fenstern aus?

Georg: Denkmalschutz ist eine komplexe und vom jeweiligen Objekt abhängige Thematik im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Nutzer an zeitgemäßen Komfort und den Zielen der Bewahrung historischen Bausubstanz.

Wir haben bei mehreren Projekten erfolgreich mit dem Bundesdenkmalamt zusammengearbeitet. Für uns ist das natürlich immer eine besondere Herausforderung objektbezogen die beste Lösung zu finden.

Alexander: Kannst Du uns zusammenfassen, wofür Wiener-Komfort-Fenster steht und wo Du den USP siehst?

Georg: Unser USP besteht in einer Kombination von Erhaltung und Modernisierung.

Die technische Entwicklung des Kastenfensters ist ja mit dem ersten Weltkrieg leider zum Stillstand gekommen. Unsere Systemlösung basiert auf einer grundlegenden Neuentwicklung im Rahmen eines Forschungsprojekts.

In Kombination mit dem neu entwickelten Innenfensterelement erreichen Kastenfenster hervorragenden Schallschutz und thermischen Komfort.

Besonderes Augenmerk verdienen unsere schlanken, dem historischen Bestand entsprechenden, Profile. Technische Besonderheiten wie 2 Dichtungsebenen, justierbare Bänder und hochfeste Eckverbindung wird man bei Konkurrenzprodukten vergeblich suchen.

Alexander: Auf der best(and)IMMO berichtest Du über das Projekt „Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau. Was waren für Dich die Herausforderungen und Learnings?

Georg: Bei diesem Projekt haben wir neben unserem Kernprodukt auch die tischler- und malermäßige Sanierung des Bestandsteils abgewickelt. Darüber hinaus haben wir die Automatisierung und Erneuerung der bestehenden Rolläden übernommen. Es waren also intern vier Gewerke zu koordinieren.

Die besondere Herausforderung lag aber in der Abwicklung im laufenden Betrieb mit einer laufender Umsiedlung der Nutzer. Dazu war auch eine enge Kooperation mit dem Nutzer erforderlich. Das hat zu unserer Freude sehr gut geklappt.

Alexander: Wie schaut es denn mit dem Produktionsprozess der Wiener Komfort Fenster aus?

Georg: Unsere Fenster werden von einem innovativen Fensterbauer in Oberösterreich produziert. Das gibt uns die Möglichkeit die modernsten Produktionsverfahren und eine besonders stabile Eckverbindung einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit einem mittelständischen Familienbetrieb erlaubt uns große Flexibilität in Hinblick auf Termine und Ausführungsvarianten. Als großen Vorteil empfinden wir, das unser Produzent auch die Montage übernimmt. Das ist ja mittlerweile eine Seltenheit geworden.

Alexander: Du hast ja immer auch ein starkes Interesse an aktueller Forschung und Innovation. Wo siehst Du spannende Entwicklungen?

Georg: Der Einsatz von Vakuumverglasung in unserem System wäre interessant. Das könnte sowohl aus gestalterischen wie auch aus ökologischen Gründen sinnvoll sein.Wir beobachten die Produzenten und die Entwicklung der Technologie schon länger. Leider geht es aber nur schleppend voran. Der Aufbau einer Produktionsanlage in Europa hat sich jedenfalls weiter verzögert.

Weiters gibt es Überlegungen die Oberlichten mit einer motorischen Steuerung auszustatten. In Kombination mit einer intelligenten Steuerung könnte die automatisierte Öffnung in Hinblick auf Gesundheit und Raumkühlung Vorteile bringen. Auch die Kombination mit einer CO2-Steuerung wäre reizvoll.

Alexander: Klimaschutz: Wo siehst du die Stolpersteine / Hemmschwellen

Georg: Problematisch sehen wir die geringe Sanierungsrate im Altbau. Durch die mietrechtlichen Rahmenbedingungen werden Investitionen in thermische Sanierungen behindert. Auch die Fördersituation für die thermische Fenstersanierung im Altbau (Sanierungsscheck) hat sich in den letzten Jahren verschlechtert.

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